Pharmakonzern verhandelt mit Aventis exklusiv über Kauf der Agrochemiesparte
Bayer steht vor seiner größten Übernahme

Der Straßburger Pharmakonzern Aventis hat eine Vorentscheidung für den Verkauf seiner Agrochemiesparte gefällt: Exklusiver Verhandlungspartner ist Bayer. Mit dem Milliardengeschäft würden die Leverkusener weltweit zweitgrößter Anbieter im Pflanzenschutz-Geschäft.

HB DÜSSELDORF. Im Rennen um die Agrochemietochter des Pharmakonzerns Aventis hat die Bayer AG die Nase vorn. Aventis und die Schering AG, die einen 24-prozentigen Anteil an der Tochter hält, verhandeln in den nächsten Wochen exklusiv mit dem Leverkusener Konzern über den Verkauf der Aventis Cropscience, teilten die Konzerne mit.

Unter den Angeboten mehrerer Firmen sei Bayer "mit Blick auf finanzielle als auch soziale Aspekte" der geeignete Partner für weitere Verhandlungen. Nach Angaben aus Branchenkreisen hatten auch BASF und der US-Konzern Dow Chemical Kaufangebote abgegeben.

Für Bayer-Chef Manfred Schneider kommt die Vorentscheidung wie gerufen. Nur wenige Monate vor seinem Abschied vom Chefsessel bekommt Bayer nun die Chance, das im internationalen Vergleich bisher zu kleine Agro-Chemiegeschäft weit voran zu bringen. Schneider: "Durch eine Zusammenführung der beiden Aktivitäten im Pflanzenschutz würde einer der weltweit führenden Anbieter der Branche entstehen - mit Sitz in Europa und globaler Ausrichtung."

Tatsächlich rückte Bayer mit der größten Übernahme der Firmengeschichte auf dem Weltmarkt für Pflanzenschutzmittel auf Platz zwei hinter der Schweizer Syngenta AG. Dem Leverkusener Konzern gelänge so auch der Einstieg in die Pflanzenproduktion (Saatgut). Zudem erhielte Bayer mit Cropscience Zugang zur Forschung in der Pflanzen-Biotechnologie. "Die Sparte bietet eine hervorragende Ergänzung für Bayer", sagte Christian Faitz, von der Bank Julius Bär. Während der Konzern im Segment Insektizide bereits stark sei, würde der Zukauf vor allem die Schwäche bei chemischen Mitteln gegen Unkraut (Herbizide) ausgleichen.

Im Geschäftsbereich Pflanzenschutz hatte Bayer im vergangenen Jahr mit 7 800 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,5 Mrd. Euro erzielt. Aventis Cropscience brachte es mit 15 300 Mitarbeitern auf 4 Mrd. Euro Umsatz, davon allein 2,9 Mrd. Euro mit Pflanzenschutzmitteln. Im Saatgutgeschäft setzte Cropscience 267 Mill. Euro um und liegt damit im Mittelfeld der Branche.

Branchenkenner erwarten nach dem vorläufigen Votum für Bayer, dass in den kommenden Tagen vor allem Detailfragen im Mittelpunkt der Verhandlungen mit Aventis stehen werden. So dürften etwa Haftungsrisiken im Zusammenhang mit dem Maisprodukt Starlink auf den Tisch kommen. Aventis sieht sich in den USA millionenschweren Schadenersatzklagen ausgesetzt, weil der gentechnisch veränderte Futter-Mais versehentlich in Lebensmitteln auftauchte.

Offen bleibt, inwieweit Bayer mit kartellrechtlichen Problemen rechnen muss. Vor allem die starke Marktstellung des Konzerns bei Insektiziden könnte auf Bedenken stoßen. Falls Bayer einzelne Produktlinien abgeben muss, steht Konkurrent BASF weiterhin für deren Übernahme bereit. Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen sagte dem Handelsblatt, sein Unternehmen sehe keine unlösbaren Kartellprobleme für Bayer. Der Konzern habe insgesamt das "schlüssigste Konzept" für die Übernahme vorgelegt. Eine Kapitalerhöhung der Bayer AG zur Finanzierung des Kaufpreises, den Analysten auf 6 bis 8 Mrd. Euro schätzen, halten Beobachter für eher unwahrscheinlich. Dagegen spreche die hohe Eigenkapitalquote von knapp 45 %. Zudem könne Bayer durch den Verkauf von Beteiligungen weitere Milliardenbeträge mobilisieren.

Die beteiligten Konzerne wollen in den kommenden drei Wochen Verträge abschließen und dann Gespräche mit den Kartellbehörden aufnehmen.

Beim Verkauf der Cropscience war Aventis in den vergangenen Monaten zunächst nicht vorangekommen. Das lag auch daran, dass Mitaktionär Schering offenbar auf einen maximalen Verkaufspreis gedrängt hatte. "Aventis kann von diesem Ziel nun nur profitieren", meinte ein Analyst des Pariser Brokers ETC. Denn der Verkaufserlös könnte der deutsch-französische Pharmakonzern zum Schuldenabbau und für Investitionen nutzen.

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