Pharmakonzern will Gewinn auch 2002 zweistellig steigern
Schering zielt mit Anti-Baby-Pille auf Rekorde

Der Berliner Pharmakonzern Schering erwartet trotz Problemen auf dem japanischen Markt auch im nächsten Jahr ein zweistelliges Gewinn-Wachstum. "Wir werden sowohl im operativen Geschäft wie beim Reingewinn zweistellig zulegen", sagte Schering-Finanzvorstand Klaus Pohle am Donnerstag in Berlin.

rtr BERLIN. Beim Umsatz habe sich die Hoffnung auf solche Wachstumsraten aber zerschlagen, da die japanische Regierung per Dekret die Pharmapreise um acht Prozent senken werde. Für dieses Jahr würden Umsatz- und Gewinnziele erreicht und damit das sechste Rekordergebnis in Folge erzielt, kündigte der Konzern an. Die Zahlen für das dritte Quartal 2001 lagen nahe den Erwartungen von Analysten.

Nach dem Abschluss des Aufbaus einer Marketingabteilung in den USA werde der operative Gewinn (Betriebsgewinn) im nächsten Jahr wieder zweistellig wachsen, sagte Pohle. In diesem Jahr soll es ein Plus zwischen zwei und drei Prozent geben. Der Umsatz wird nach den Planungen knapp zehn Prozent zulegen und so fast fünf Mrd. Euro erreichen. Der Gewinn steigt danach 2001 um gut 20 % auf über 400 Mill. Euro. Die Dividende soll mindestens 80 Cent pro Aktie betragen.

Rekordumsätze mit der Anti-Baby-Pille Yasmin

Pohle verwies auf die Markt-Einführung von sechs Präparaten in den vergangenen zwölf Monaten. Besonders hohe Erwartungen sind mit der Anti-Baby-Pille Yasmin verknüpft, von der man sich Umsätze über 300 Mill. Euro erhofft. Im Jahr 2003 soll laut Pohle mit Hilfe von Yasmin rund 12 % des Marktes in den USA abgedeckt werden. Die Investitionen in den Aufbau einer Marketingabteilung in den USA hatte in den vergangenen Quartalen das Betriebsergebnis gedrückt. "Wir stoßen bei der Produktion von Yasmin an Kapazitätsgrenzen", sagte Pohle. Die Pille, die auch gegen Akne und Übergewicht hilft, werde daher frühestens Ende 2002 in weiteren Ländern eingeführt. Derzeit ist sie neben den USA in Deutschland, Skandinavien und in Belgien auf dem Markt.

Das Umsatzwachstum des Konzerns werde dennoch 2002 nur im oberen einstelligen Bereich steigen, sagte Pohle weiter. "Hier haben uns die Ereignisse in Japan reingehagelt." Durch die acht-prozentigen Preissenkungen würden die vergleichsweise hohen Gewinnmargen zurückgehen. Schering warnte zudem vor Plänen der Bundesregierung, die Preise für bestimmte Präparate zwangsweise um vier Prozent zu senken, um die Kosten im Gesundheitswesen zu dämpfen. Dies könne eine Kettenreaktion in anderen Ländern Europas auslösen, warnte Pohle.

Multiple-Sklerose-Medikament enttäuscht die Erwartungen

Unzufrieden zeigte sich Vorstandschef Hubertus Erlen mit der Entwicklung des wichtigsten Schering-Präparats, dem Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon. Zwar würden die Betaferon-Verkäufe auch in den nächsten beiden Jahren um etwa zwölf Prozent zulegen. Schering wachse in dem expandierenden Mulitiple-Sklerose-Markt jedoch weniger stark als Konkurrenten. Das Unternehmen will daher eine Studie in Auftrag geben, die die Wirksamkeit von Betaferon untermauern soll.

Hoffnungen setzt das Unternehmen weiter auf das Blutkrebsmittel Campath sowie die Verhütungsmittel Mirena und Angelique. Angelique soll 2003 in den USA auf den Markt kommen und Umsätze von bis zu 200 Mill. Euro erzielen.

Umsatzzuwachs niedriger als von den Analysten erwartet

Nachdem in den vergangenen Quartalen hohe Kosten für die Markteinführungen von Produkten verbucht wurden, stiegen im dritten Quartal dieses Jahres nun Betriebsergebnis und Konzerngewinn zweistellig. Die Resultate lagen im Rahmen der Erwartungen von Reuters befragter Analysten. Im Vergleich zum dritten Quartal 2000 stieg das Betriebsergebnis um 14 % auf 129 Mill. Euro und der Gewinn um 10 % auf 67 Mill. Euro. Der Umsatzzuwachs fiel dagegen mit drei Prozent niedriger als von den Analysten erwartet aus. Finanzvorstand Pohle führte dies in erster Linie auf die schwächeren Währungen in Japan oder Brasilien zurück.

Bedeckt hielt sich Schering bei den Pläne für Übernahmen. Pohle erklärte lediglich erneut, man wolle demnächst besonders in den USA bei Biotechnologie-Unternehmen zukaufen. Dafür werden Schering Einnahmen in Höhe von 1,5 Mrd. Euro zur Verfügung stehen, die der Konzern aus dem Verkauf seines Anteils an dem Pflanzenschutzunternehmen AventisCropScience erzielt. Ein Teil der Einnahmen fließen aber Pohle zufolge auch in Pensionsfonds.

An der Börse notierten die Schering-Aktien am Donnerstag bei volatilem Handelsverlauf und freundlichem Markttrend 1,8 % höher bei 59,80 ?.

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