Pharmakonzern will um mindesten zehn Prozent pro Jahr expandieren
Konzentration auf Pharma bringt Aventis voran

Mit wachsendem Selbstbewusstsein strebt der Aventis-Konzern ins Spitzenfeld der Pharmaindustrie. Das Management präsentiert gute Zahlen für das Jahr 2000 und erhöht die Umsatzprognosen für wichtige Produkte. Bei Investoren und Analysten sorgt die Botschaft für positive Reaktionen.

shf/HB STRASSBURG. Das Pharmaunternehmen Aventis S.A. gewinnt am Kapitalmarkt zusehends Anerkennung als eines der wachstumsstärksten Unternehmen der Branche. Der Straßburger Konzern, der Ende 1999 aus der Fusion von Hoechst und Rhône-Poulenc entstand, untermauerte seinen Anspruch am Freitag mit guten Ertragszahlen für das erste volle Geschäftsjahr. Umsatz und Ergebnis lagen leicht über den Erwartungen und deutlich über den früheren Prognosen. Vorstandsvorsitzender Jürgen Dormann betrachtet die Fusion, die viele Branchenkenner vor zwei Jahren noch mit großer Skepsis beurteilten, als erfolgreich vollzogen.

Die Aventis-Aktie, die im vergangenen Jahr bereits starke Gewinne verbuchte, legte in Reaktion auf die Zahlen in Frankfurt um rund 2 % auf 88 Euro zu und nähert sich damit wieder ihrem bisherigen Höchstwert. Analysten zeigten sich vor allem davon beeindruckt, dass der Konzern seine Prognosen tendenziell noch weiter nach oben korrigierte. Im Kerngeschäft Pharma will Aventis den Umsatz künftig um jährlich mindestens 10 % und den Gewinn je Aktie um 25 - 30 % steigern. Werden diese Zahlen erreicht, kann sich der Konzern zu den dynamischsten Unternehmen der Branche zählen.

Besonders positiv wirkte im Analystenlager nun offenbar die Tatsache, dass der Aventis-Vorstand die Umsatzschätzungen für mehrere Spitzenprodukte weiter angehoben hat. Dazu zählen zum einen die bereits vermarkteten Medikamente Allegra (gegen Allergien), Lovenox (Thrombosen) und das Krebsmedikament Taxotere, zum anderen mehrere Produkte, die sich kurz vor der Zulassung befinden, so etwa neue Mittel gegen Infektionen, Diabetes und ein inhalierbares Insulin, das in Kooperation mit Pfizer vermarktet werden soll. Aventis sieht damit Chancen, in einigen Jahren bis zu sieben Medikamente mit mehr als 1 Mrd. Dollar Jahresumsatz im Portfolio zu haben. "Wir sehen ein überzeugendes Bild bei Aventis und noch viel Potenzial im Produktprogramm des Konzerns", kommentierte Susan Haylock von der Deutschen Bank die Präsentation des Aventis-Managements.

Unterdessen wird das Zahlenwerk des Konzerns noch stark von den Strukturmaßnahmen im Zusammenhang mit der Fusion geprägt. Im konsolidierten Abschluss für 2000 weist Aventis bei 22 Mrd. Euro Umsatz einen geringfügigen Verlust vor Steuern aus. Allerdings sind nach Angaben des Vorstandes in diesen Zahlen rund 2,2 Mrd. Euro Sonderkosten verarbeitet, die sich 2001 nicht mehr wiederholen. Der operative Gewinn vor Sondereffekten, Goodwill-Abschreibungen und Zinsen hat sich danach um gut ein Drittel auf 3,5 Mrd Euro verbessert, der vergleichbare Gewinn je Aktie sogar um 51 % auf 1,44 Euro, und damit weitaus stärker als vor Jahresfrist angekündigt. Aventis profitierte dabei von Synergieeffekten, der Dollaraufwertung und einem relativ starken Wachstum im Pharmageschäft. Währungsbereinigt legten die Erlöse hier um gut 10 % zu.

Der Verkauf der verbliebenen Industrieaktivitäten (Messer Griesheim, Wacker) sowie die geplante Trennung vom Agro-Geschäft wird den Gewinn im Kerngeschäft nach den Worten von Finanzchef Patrick Langlois positiv beeinflussen. Ausgehend davon dürfte der Konzern im laufenden Jahr auf einen Nettogewinn von etwa 1,5 Mrd. Euro oder rund 2 Euro je Aktie zusteuern. Für 2003 halten manche Analysten bereits einen Gewinn von bis zu 4 Euro je Aktie erreichbar. Als besonders erfolgreich für Aventis erweist sich offenbar die Strategie, das Marketing auch während der Fusion noch auszubauen und stark auf relativ wenige "strategische Produkte" zu konzentrieren. Viele dieser Medikamente legten daraufhin im Umsatz deutlich stärker zu als bei den beiden Vorgängerunternehmen Hoechst und Rhône-Poulenc. Gleichzeitig verbuchten die zahlreichen älteren, patentfreien Produkte, nur moderate Einbußen. In der Vertriebskraft könne sich Aventis heute durchaus mit Branchengrößen wie GlaxoSmithkline messen, betont Vorstandsmitglied Igor Landau. Nicht zuletzt dieser Erfolg bestärkt den Konzern offenbar darin, sich noch stärker auf Pharma zu konzentrieren. Zudem soll der Verkauf von Messer und der Agrosparte die Bilanz deutlich entlasten. Langlois stellte in Aussicht, dass die Finanzschulden durch beide Transaktionen von derzeit 13 auf rund 4 Mrd. Euro vermindert werden können. Theoretisch könne man bis 2004 schuldenfrei sein.

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