Pharmakonzerne greifen mit dem Medikament Rebif Biogen und Schering an
Pfizer hilft Serono bei US-Vertrieb

Der Kampf um Marktanteile für Medikamente gegen Multiple-Sklerose geht in eine neue Runde: Gemeinsam wollen der US-Pharmakonzern Pfizer und die schweizerische Serono mit dem Präparat Rebif den amerikanischen Markt erobern. Dort halten bisher Biogen, Schering und Teva die Stellung.

ZÜRICH/BERLIN. Der weltgrößte Pharmakonzern, Pfizer Inc., und das größte europäische Biotechunternehmen, Serono SA, gehen gemeinsame Wege: Beide Firmen werden das Serono-Medikament Rebif künftig in den USA gemeinsam vermarkten. Damit sichert sich Serono für sein bedeutendstes Mittel die Dienste des Pfizer-Vertriebs, der als einer der stärksten auf dem lukrativsten Pharmamarkt der Welt gilt.

Pfizer zahlt eine einmalige Summe von 200 Mill. $ an Serono und erhält im Gegenzug Beträge, die vom Umsatz des Multiple-Sklerose-Mittels in den USA abhängen. Die Kosten für den Vertrieb und die Marktentwicklung übernehmen die beiden Partner zu gleichen Teilen.

Mit dieser Partnerschaft verschärft sich der Kampf auf dem Markt für Multiple-Sklerose-(MS)- Medikamente deutlich. In den USA ist bisher das MS-Medikament Avonex von Biogen Marktführer. Den zweiten Platz belegt die israelische Teva mit Copaxone und Platz drei Schering mit dem Präparat Betaferon. Das Serono-Mittel Rebif ist Anfang März von der US-Behörde FDA zum Vertrieb zugelassen. Es verringert die Häufigkeit der MS-Phasen und mindert die physischen Behinderungen, die mit der schubförmigen MS einhergehen.

Im Vergleich zu den Wettbewerbern wird der Außendienst von Pfizer und Serono über eine wesentlich größere Reichweite verfügen. Außerhalb der USA vertreibt Serono Rebif alleine. Das Medikament hat sich zum Hauptumsatzträger von Serono entwickelt: 2001 stieg der Gesamtumsatz des Biotechkonzerns um 15 % auf 1,25 Mrd. $, während der Rebif-Umsatz um 54 % auf 380 Mill. $ zulegte. Im ersten Quartal 2002 setzte sich dieser Trend fort und dürfte sich nach der US-Vertriebszulassung noch verstärken.

Für die Konkurrenz ist der Deal zwischen Serono und Pfizer ein ernsthafter Angriff. Am stärksten betroffen ist Biogen, dessen Präparat Avonex im direkten Wettbewerb zu Rebif steht. Beide basieren auf dem Wirkstoff Interferon, wie auch das Schering-Präparat Betaferon, das zuerst auf dem Markt war.

Vor kurzem musste Biogen seine Prognosen revidieren, unter anderem, weil der Konzern offenbar Marktanteile für Avonex verloren hat. Mittelfristig sehen Analysten aber Biogen weiter als Marktführer in der MS-Behandlung. Weltweit wurden im Jahr 2002 mehr als 2 Mrd. $ mit MS-Medikamenten umgesetzt. Davon entfielen rund 970 Mill. $ auf den Marktführer Biogen, gut 600 Mill. $ auf Schering und 380 Mill. $ auf Serono.

"Auch für Schering bedeutet das Abkommen auf jeden Fall erhöhte Unsicherheit", sagte Holger Blum, Analyst der Deutschen Bank. Marketing-Strategien seien in dem Markt für MS-Präparate wichtig. Das liegt auch daran, dass trotz zahlreicher Studien die Meinungen von Experten divergieren, welches Präparat am besten ist. Dies bestätigt auch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft.

An der Börse ist das Schering-Papier schon vor Bekanntwerden der type="organisation" value="CH0010751920"> Pfizer-Serono-Allianz unter Druck geraten. Grund dafür ist eine Studie zum Hormonpräparat des US-Pharmaunternehmens Wyeth. Sie stellte bei Frauen, die mit dem Hormonersatz-Medikament Prempro behandelt wurden, ein höheres Risiko für Brustkrebs und Herzkrankheiten fest.

Analysten von der WestLB stuften Schering von "outperform" auf "kaufen zurück, weil die Studie Unsicherheit über den gesamten Hormonersatz-Markt bringe, auf dem auch Schering tätig ist.

Die Deutsche Bank hält das Risiko aus dieser Studie für eher gering. Wyeth arbeite mit anderen Wirkstoffen als Schering. Auch die Deutsche Bank hatte Schering allerdings herabgestuft: Das Wachstumspotenzial für den Wirkstoff Drosperinon, der in zahlreichen Anti-Babypillen von Schering enthalten ist, sei zu gering.

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