Pharmariesen wollen Bayer Konkurrenz machen
Anthrax-Geschäft lockt US-Firmen

Im Kampf gegen den Bio-Terrorismus wollen die großen amerikanischen Pharmahersteller nicht mehr länger außen vor bleiben. Mehrere Unternehmen drängen aktiv in das bisher von Bayer dominierte Geschäft mit Antibiotika gegen die gefürchtete Milzbrand-Infektion.

shf/gbr FRANKFURT/M. Was vor kurzem noch wie ein Zusatzgeschäft aussah, das alleine dem Bayer-Konzern vorbehalten war, weckt zusehends den Appetit der US-Pharmabranche. Nur wenige Stunden nachdem Bayer mit der US-Regierung die Lieferung von bis zu 300 Mill. Tabletten des Medikaments Ciprobay vereinbarte, kündigte Johnson & Johnson an, für sein Medikament Levaquin ebenfalls eine Zulassung für die Behandlung von Milzbrand-Infektionen zu beantragen. Der US-Konzern untermauerte seinen Antrag mit dem Angebot an die US-Regierung, zur Aufstockung der Notfall-Vorräte 100 Mill. Levaquin-Tabletten kostenlos zu liefern.

Auch die Pfizer-Gruppe, der weltweit größte Pharmahersteller, hat nach eigenen Angaben inzwischen Verhandlungen mit der Regierung aufgenommen über die mögliche Nutzung seiner Antibiotika für die Behandlung von Milzbrand-Patienten. In patriotischem Tonfall kündigte das Unternehmen die "Mobilisierung aller relevanten Ressourcen für die Terror-Bekämpfung" an. Bereits vor einigen Tagen hatte Pfizer die Produktion des Medikaments Vibramycin hochgefahren. Es enthält den bereits patentfreien Wirkstoff Doxycyclin, der nach Auffassung der amerikanischen FDA ebenfalls zur Behandlung von Milzbrand geeignet ist. Jean-Pierre Garnier, Chef des britischen Pharmariesen Glaxo Smithkline, hat bereits betont, dass das Glaxo-Produkt Augmentin, das derzeit meistverkaufte Antibiotikum der Welt, gegen Milzbrand wirkt. Auch klassische Penicilline gelten als mögliche Therapie.

Formal hat allerdings bisher nur das Bayer-Medikament Ciprobay eine Zulassung für die Milzbrand-Behandlung. Analysten sahen daher bereits Chancen für einen einmaligen Zusatzumsatz bei Bayer von bis zu 1 Mrd. $. Solche Dimensionen dürfte das Geschäft indessen kaum erreichen, wenn nun zunehmend auch andere Antibiotika eingesetzt werden. Die Zulassungsbehörde FDA hatte bereits vor einigen Tagen entsprechende Empfehlungen herausgegeben. Unabhängig davon ist eine so genannte "off label"-Verordnung von Arzneimitteln durchaus zulässig und keine Seltenheit.

Belastend wirkt sich für den Leverkusener Konzern ebenfalls aus, dass er in den Verhandlungen sowohl mit der kanadischen als auch mit der amerikanischen Regierung erhebliche Preiszugeständnisse einging, um eine Aussetzung seines noch bis 2003 laufenden Patentes zu vermeiden. Mit dem US-Gesundheitsministerium hat der Konzern jetzt vereinbart, zunächst 100 Mill. Tabletten zu liefern. Zusätzlich hat die Behörde die Möglichkeit, weitere 200 Mill. Tabletten zu beziehen. Der Preis wurde auf 95 Cent festlegt, gut die Hälfte des bisherigen, bereits stark ermäßigten Einkaufspreises der US-Regierung.

Die kanadische Bayer-Niederlassung in Toronto teilte am Mittwoch mit, dass sie Kanada zu gleichen Konditionen das Milzbrandmedikament Ciprobay liefern werde wie den USA. Das bedeutet, dass die kanadische Regierung etwa 1,50 Can-$ (95 US-Cent) statt der erwarteten 2 Can-$ pro Tablette zahlen wird. Bayer hat bereits 200 000 Tabletten kostenlos zur Verfügung gestellt. Kanada hatte zunächst bei einem kanadischen Pharma-Unternehmen ein Nachahmerprodukt mit dem gegen Anthrax wirkenden Stoff Ciprofloxacin bestellt, dann aber dieses Geschäft rückgängig gemacht und die Patentrechte von Bayer anerkannt.

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