Pharmatitel geben nach, trotz guter Zahlen
Wall Street handelt zuversichtlich, aber mit Tagesverlust

Trotz der Verluste, die die US-Märkte am Dienstag einstecken mussten, scheinen die Händler an der Wall Street wieder zuversichtlich. Der Markt reagiert wieder verstärkt auf Unternehmensmeldungen und nimmt Nachrichten und Gerüchte außerhalb des wirtschaftlichen und finanziellen Umfelds nur am Rande wahr. So reagierten die beiden großen Indizes Dow Jones und Nasdaq nicht, als am Nachmittag bekannt wurde, dass in einer Poststelle des Weißen Haus Spuren von Anthrax gefunden worden waren.

Der Dow Jones notierte zu diesem Zeitpunkt längst in der Verlustzone, das Bösenbarometer der Industriewerte beendete den Tag schließlich mit einem Minus von 37 Punkten oder 0,4 Prozent bei einem Stand von 9340 Punkten. Der Tech-Index verlor vier Punkte oder 0,2 Punkte und ging mit 1704 Punkten aus dem Handel.

An der Wall Street ist Ertragssaison, und die fällt gar nicht so schlecht aus, wie manche Marktbeobachter noch vor wenigen Tagen erwartet hätten. 58 Prozent aller im S&P 500 notierten Unternehmen haben bis dato gemeldet. 53 Prozent konnten die Konsensschätzungen der Wall Street jeweils schlagen, 32 Prozent punktgenau treffen. Nur 15 Prozent der Unternehmen verfehlten die Analystenerwartungen. Zum historischen Vergleich: Bisher hatten im Schnitt 52 Prozent der Unternehmen den Konsens übertroffen, 28 Prozent getroffen und 20 Prozent verfehlt.

Eine Branche, die am Dienstag geschlossen gute Ergebnisse präsentiert hatte, verlor dennoch: Die Titel des Pharmasektors gaben durch die Bank nach. Dabei konnten Schering-Plough , GlaxoSmithKline , Bristol-Myer Squibb und Pharmacia die Erwartungen der Analysten jeweils treffen oder schlagen. Pharmacia allerdings senkte die Erwartungen für das nächste Quartal sowie die Fiskaljahre 2002 und 2003. Das Papier verlor im Dienstagshandel mehr als zehn Prozent an Wert.

Größter Verlierer im Dow Jones war am Dienstag die Telefongesellschaft SBC Communications, die bereits am Montag nach mittelmäßigen Geschäftszahlen Punkte abgeben musste. Mit einem Verlust von mehr als sieben Prozent belastete das Papier den Index. Unter Druck stand weiter auch Lucent. Der Hersteller von Telekom-Technologie hatte am Morgen einen operativen Verlust für das vierte Quartal gemeldet, und die Erwartungen der Analysten weit verfehlt. Die Aktie verlor zeitweise mehr als sieben Prozent und ging letztlich mit einem Minus von 3,7 Prozent aus dem Handel.

Bergauf geht es hingegen nach langer Durststrecke für die Automobilbranche. Daimler-Chrysler hat am Morgen Ergebnisse deutlich über den Erwartungen der Wall Street gemeldet. Wichtig für die amerikanischen Anleger: Vor allem die Chrysler-Sparte steht besser da, als Experten angesichts der schwachen Konjunktur erwartet hatten. Daimler-Chrysler legte 2,4 Prozent zu.

Leicht im Minus ging der Ölsektor aus dem Handel. Exxon Mobil, der weltgrößte Öl- und Gaskonzern, hat die Analystenerwartungen im abgelaufenen Viertel verfehlt. Mitbewerber Conoco hatte schon am Montag ähnlich schwache Quartalsergebnisse unter den Erwartungen der Wall Street bekannt gegeben. Auch der zweitgrößte Plattform-Provider der Welt, Schlumberger , konnte den Analystenerwartungen im dritten Quartal nicht gerecht werden. Die meisten Papiere der Branche gaben am Dienstag nach.

Die Big Caps schwankten im Handelsverlauf um Normal Null, allein Sun Microsystems schien über alle anderen. Das Unternehmen stellte am Dienstag seine neue Internet-Software "Sun ONE" vor, zahlreiche Unternehmen - darunter das Brokerhaus Standard & Poor?s - gaben sogleich bekannt, mit dem neuen System arbeiten zu wollen. Die Sun-Aktie gewann 3,5 Prozent und notiert bei 9,14 Dollar.

Im Plus schloss, wie oft in den vergangenen Tagen, der Chipsektor. Zwar rutschte Intel trotz innovativer Meldungen am Nachmittag ins Minus, doch gaben Werte wie Vitesse, PMC Sierra und Broadcom dem Sektor Kraft. Mit hohem Volumen wurden am Dienstag die Papiere von AT&T , Amazon.com und Compaq gehandelt, obwohl die Unternehmen erst nach Handelsschluss Quartalszahlen vorlegen wollten. Der Online-Buchhändler Amazon konnte im Handel fast neun Prozent zulegen - nach Börsenschluss gab das Unternehmen bekannt, die Erwartungen der Analysten im dritten Quartal erfüllt zu haben. Der Telefonkonzern AT&T und Computerhersteller Compaq hingegen gaben um jeweils drei Prozent nach. AT&T hat den Konsens der Wall Street ebenfalls getroffen, Compaq verfehlte die Erwartungen hingegen um einen Cent.

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