Pharmawerte sind gefragt – Rentenreform hilft Versicherungswerten
Dax-Ausblick: Warten auf den goldenen Oktober

Das internationale Marktumfeld ist labil. Die Börse in Tokio sank in der vergangenen Woche auf den tiefsten Stand seit 18 Monaten, der September war weltweit ein schlechter Monat für die Aktienbörsen. Der Dax fiel um rund 9 % auf den tiefsten Stand seit Januar. Vor diesem Hintergrund wollen Analysten wollen nicht ausschließen, dass der Dax doch noch die 6 400er-Marke testen könnte.

DÜSSELDORF. Obwohl der deutsche Aktienindex zeitweise wieder über die charttechnisch wichtigen 6 800 Indexpunkte vorrücken konnte, fehlt dem Markt zum nachhaltigen Aufwärtstrend offenbar die Kraft. "Die nächste Woche dürfte volatil bleiben", sagte Gerhard Grebe von der Bank Julius Bär im Gespräch mit Handelsblatt.com. Dass keine klaren Trends erkennbar sind, liegt nach Einschätzung des Analysten unter anderem daran, dass "das Damoklesschwert Ölpreis noch über dem Markt schwebt". Solange nicht sicher sei, ob die Ölpreise weiter steigen oder wieder sinken, empfiehlt er Privatanlegern, "in der defensiven Ecke zu bleiben".

Grebe sieht den Dax in der nächsten Woche schwankend im Bereich zwischen 6 700 und 6 900 Punkten. Privatanlegern empfiehlt er als Kauf-Titel, "der in das derzeitige Marktumfeld passt", die Henkel-Aktie. Die neue Strategie ("weg von der Chemie, hin zur Kosmetik") verspreche mehr Stabilität und sei an der Börse noch nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Privatanleger sollten im Portfolio Liqudität vorhalten

Analyst Matthias Eifert von der GZ-Bank erwartet für die nächste Woche eine Seitwärtsbewegung im Dax im Bereich von 6 800 bis 7 000 Punkten. Feiertagsbedingt werde der Montag von einem dünnen Handelsvolumen geprägt sein. Ein weiteres Indiz für Zurückhaltung an den europäischen Börsen sei die EZB-Sitzung am Donnerstag. Durch die gestiegene Inflationsrate nehme der Druck auf die Europäische Zentralbank zu, weiter die Zinsen zu erhöhen, was sich negativ auf den deutschen Aktienmarkt auswirken würde. Die GZ-Bank empfiehlt Anlegern derzeit, eine erhöhte Liquiditätsreserve im Portfolio vorzuhalten. Für Neuengagements kämen unter langfristigen Perspektiven Eon, Münchener Rück, Deutsche Bank und Infineon in Frage, da diese Werte zur Zeit eine gute fundamentale Basis bieten. Laut Eifert sollten Anleger weiterhin die Metro-Aktie meiden, da sich das Unternehmen in einem starken Wettbewerbsumfeld befindet.

Die Commerzbank hofft auf eine nachhaltige Erholung der großen Dax-Indexwerte. Sollte diese nicht eintreten, so könnte ein Test der nächsten Unterstützungslinie des Dax bei 6 400 Punkten die Folge sein. Die Hoffnungen der Commerzbanker auf einen sonnigen Oktober-Auftakt stützen sich auf ein weiterhin gutes wirtschaftliches Umfeld, trotz einiger ölpreisbedingter Kratzer. Günstig zu haben seien BASF, Siemens und SGL Carbon.

Defensive Ausrichtung mit Schwerpunkt Pharma

"Alle schlechten Nachrichten sind schon in den Kursen eingepreist", sagt Jörg Bungeroth, Analyst der DG-Bank. Er ist durchaus positiv gestimmt: "Solange keine weiteren Störfeuer aus Richtung Euro oder Ölpreis kommen, steht trotz des derzeitigen Seitwärtstrends einer längerfristigen Aufwärtsbewegung nichts im Weg." Dass das dänische Nein zum Euro den Kurs der Einheitswährung nur unwesentlich beeinflusst hat, hält Bungeroth ebenfalls für ein gutes Zeichen.

Im Bereich von 7 500 bis 8 300 Punkten soll laut DG Bank der Dax am Jahresende liegen, einen Indexstand von 8 000 oder "vielleicht etwas darunter" hält Bungeroth zum Jahreswechsel für realistisch. Kleinanlegern empfiehlt er, sich in der nächsten Zeit defensiv auszurichten und einen Schwerpunkt auf Pharma-Aktien zu legen: "Pharmawerte sind im durchwachsenen Marktumfeld generell wieder gesucht."

Erholung bei Technologietiteln erwartet

Auch ausgewählte Technologietitel wie Siemens, die auf der Top 15-Liste der DG-Bank stehen, sollten sich rasch wieder erholen. "Die Intel-Warnung ist mittlerweile vergessen", sagt der Analyst. Bei Infineon hält er einen Kursanstieg aktuell für wahrscheinlicher als einen Kursabfall. Aus dem M-Dax werden die Titel Hugo Boss und Douglas empfohlen. Zur Begründung heißt es, die Damenmode-Kollektion von Boss sei ein Markterfolg. Im Vergleich zum Wettbewerb sei das Unternehmen gut positioniert und verzeichne ein überzeugendes Wachstum. Beides Gründe, die auch für Douglas sprechen.

Von den aktuellen Plänen zur Rentenreform könnten vor allem Versicherungstitel schon bald profitieren, schätzt der DG Bank-Analyst. Unabhängig von eventuellen kleineren Nachbesserungen am Referentenentwurf sei geplant, zur Altersvorsorge dienende Lebensversicherungen steuerlich zu begünstigen. Dies würde den entsprechenden Anbietern Auftrieb verleihen.

Langfristig ist der Markt nach unten abgesichert

Bernd Meyer von Deutsche Bank Research sieht unter langfristigen Perspektiven den Markt nach unten abgesichert. Zur Zeit sollten Privatanleger mit Sicht auf die nächsten 9 bis 12 Monate rein konjunkturabhängige Titel eher ausschließen und lieber defensiv auf "steady growth" setzen. Damit meint Meyer vorrangig die Bereiche Pharma und Lebensmittel. Doch auch Telekommunikationswerte sollten - auf dem mittlerweile reduzierten Preisniveau - wenigstens wieder als neutral betrachtet werden. Die Deutsche Bank Research empfiehlt Eon und Schering mit deutlichem Hinweis auf die langfristige Perspektive zum Kauf. Bei Bank- und Energiewerten rät Meyer eher zu Zurückhaltung, "diese Werte haben möglicherweiser ihren Höhepunkt schon gesehen".

Die folgende Tabelle zeigt strategische Empfehlungen der Hessischen Landesbank für langfristig orientierte Anleger:

Hessische Landesbank

 

Gewinn je Aktie 00e

Gewinn je Aktie 01e

Empfehlung

Datum Empfehlung

Adidas

-Salomon
4,14,7Kaufen27.01.00

Allianz

10,412,0Halten05.04.00

BASF

2,53,5Kaufen03.05.00

Bayer

2,42,6Halten08.05.00

BMW

1,72,4Halten28.04.00

Commerzbank

2,82,3Halten07.02.00
Daimler-Chrysler6,16,7Kaufen28.07.00

Deutsche Bank

8,28,5Kaufen07.04.00
Degussa-Hüls2,32,7Halten03.03.00
Dresdner Bank2,32,6Halten05.10.99
Deutsche Telekom0,440,24Halten02.08.00

Eon

3,23,8Halten06.09.00

Epcos

3,34,0Halten21.02.00
Fresenius2,62,9Halten19.10.99

Henkel

Vz.
3,23,6Halten24.03.00

Hypo

-Vereinsbank
2,63,2Halten25.07.00

Infineon

0,660,98Kaufen08.05.00

Karstadt

-Quelle
1,52,0Kaufen28.06.00

Lufthansa

1,61,8Kaufen25.11.99

Linde

2,42,7Halten28.08.00

MAN

2,52,6Halten11.09.00

Metro

1,11,3Halten28.06.99
Münchner Rück.7,68,7Kaufen03.04.00
Preussag1,92,2Halten23.02.00

RWE

2,12,2Kaufen31.05.00

SAP

Vz.
2,73,3Kaufen13.01.00

Schering

1,82,1Halten08.08.00

Siemens

3,23,7Halten03.08.99

Thyssen

-Krupp
1,01,4Halten31.05.00

Volkswagen

3,84,6Halten06.04.00
Frank G. Heide
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Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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