Philip F. Anschutz hat sich ein Imperium aus Sportarenen und -klubs aufgebaut
Das Phantom aus Denver

Auch das jüngste Projekt des ehrgeizigen US-Milliardärs wirbelt wieder mächtig Staub auf. Hier an der Kreuzung des Avalon Boulevard und der Victoria Street in Carson wird heftig gebaggert, gehämmert und gebohrt. Erdöl will Philip F. Anschutz hier diesmal nicht finden.

LOS ANGELES. Dem Sportmogul reicht es, ein Traumgrundstück entdeckt zu haben. Die Story vom Hubschrauberflug ist bereits Legende. Davon, wie eine Anschutz-Abordnung aus luftiger Höhe im Südosten von Los Angeles ein riesiges Feldgebiet neben der Universität Dominguez Hills erspähte. Der Rest war Geschäftsroutine. Jetzt tragen die rund 300 Bauarbeiter Schutzhelme mit dem AEG-Logo der Anschutz Entertainment Group und bewegen Erdmassen für das größte Sportbauprojekt der USA: dem National Training Center, das im nächsten Jahr Mekka der amerikanischen Fußballer, Tennisspieler und weiterer Olympiasportler werden soll.

Rund 130 Millionen Dollar kostet das von Anschutz finanzierte Trainingszentrum, in dem der in den USA noch wenig beliebte König Fußball endlich die passende Krone verpasst bekommen soll. Das reine Soccer-Stadion mit 22 000 Plätzen ist das Schmuckstück der Anlage - und dort soll man 2003 "europäische Fußball-Stimmung" (AEG-Präsident Tim Leiweke) erleben können. Die L.A. Galaxy der Major League Soccer (MLS) werden hier ihre Heimspiele austragen. Da Anschutz der Besitzer des Fußballklubs ist, bietet sich der Umzug an. Ein professionelles Frauenteam soll folgen.

In unmittelbarer Nachbarschaft entsteht ein 8 000 Zuschauer fassendes Tennisstadion mit 18 Trainingsplätzen. Grand-Slam-Held Pete Sampras wird hier eine eigene Tennis-Akademie leiten und versuchen, Topstars zu Turnieren anzulocken. Eine Leichtathletik-Anlage (6 000 Plätze) und ein Rad-Oval (5 000 Plätze) sind weitere Aushängeschilder der Sportanlage, auf der auch das Football-Team der San Diego Chargers (Sommertraining) und die besten Beach-Volleyballer des Landes eine Heimat finden sollen.

Die amerikanische Baumarktkette Home Depot wird in einem gigantischen Sponsorendeal geschätzte 70 Millionen Dollar für die Namensgebung des Komplexes über eine Laufzeit von zehn Jahren bezahlen. "Es zeigt, dass auch andere unsere Vision teilen, dass dieses Zentrum nicht nur zum Herz und zur Seele von Soccer wird, sondern vom Amateursport in unserem Land", meinte AEG-Präsident Tim Leiweke salbungsvoll, als die offizielle Taufe vor Gästen wie Arnold Schwarzenegger vollzogen wurde.

Ein Mann fehlte bei der Party: Anschutz. Wie ein Phantom zieht der scheue Business-Profi lieber im Hintergrund die Fäden und meidet die Öffentlichkeit. Sein Prestigeobjekt besucht er regelmäßig, allerdings inkognito. "Er kommt alle zwei Monate", erklärt Baustellenleiter Tarek El-Maissi, "und er ist von der Arbeit sehr angetan." Anschutz hat seit 20 Jahren keine Interviews mehr gegeben. Man nennt ihn den unbekanntesten Milliardär der Welt und erzählt gerne die Anekdote, wie ein Ordner den ticketlosen Anschutz bei einer Partie der Los Angeles Kings aus der ersten Reihe verbannte. Dabei gehört ihm der NHL-Klub und die Eishockey-Arena.

Doch langsam bekommt das Bild Anschutz? in der Öffentlichkeit Konturen. Die "Los Angeles Times" bezeichnete den Milliardär jüngst als jemanden, der "einst einer der reichsten Amerikaner war, von dem man nie gehört hatte". Dass änderte sich ein wenig, als es unschöne Schlagzeilen durch eine Anklage des New Yorker Generalstaatsanwalts Eliot Spitzer gab. Spitzer überprüft Anschutz und vier weitere leitende Industriemanager wegen unerlaubter Aktiengeschäfte. Der in Denver lebende Geschäftsmann, der sein Geld zunächst im Erdöl-, Eisenbahn- und Telekommunikationsgeschäft (QWest) machte und als hartnäckig und energisch, aber zugleich auch ruhig und selten aufgeregt charakterisiert wird, wurde vom Forbes-Magazin mit einem Vermögen von 4,3 Milliarden Dollar auf Rang 36 der aktuellen US-Geldliste gesetzt. Tendenz steigend.

Denn die Anschutz Corporation glaubt mit ihrer Tochtergesellschaft AEG an goldene Zeiten. Die Anschutz Entertainment Group ist mit nunmehr 14 Klubs nicht nur der weltweit größte Besitzer von Sportteams, sondern auch Inhaber von Palästen wie dem Staples Center in Los Angeles und der London Arena. Auf dem deutschen Sportmarkt machte der US-Konzern 1999 von sich reden, als er als erster ausländischer Investor bei den Munich Barons und den Eisbären Berlin einstieg. Da der Standort München nicht die erhofften Gewinne abwarf, zog man jetzt nach Hamburg um und gab dem Team den neuen Namen "Freezers".

Im Gegensatz zum sonst lieber mit verdeckten Karten spielenden Milliardär macht man auf der AEG-Website übrigens keinen Hehl aus den anspruchsvollen Zielen. Aufgrund des immer "weiter wachsenden Hungers der Welt auf Entertainment", will man einer der "größten und innovativsten Sport- und Entertainment-Veranstalter" der Welt sein. Up to date ist die Seite freilich nicht: Noch immer wird das Logo der nicht mehr existenten München Barons präsentiert.

Quelle: Handelsblatt

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