Philip Morris kämpft mit neuen Klagen
Bush will Zigarettenwerbung einschränken

Die Bush-Regierung fordert erheblich strengere Regeln für die Zigarettenwerbung. Tabakkonzerne lehnen die Vorschläge ab. Sie kämpfen derzeit mit neuen Klagen über Light-Zigaretten.

NEW YORK. Das US-Justizministerium will die Zigarettenwerbung weiter einschränken. Nach Informationen des Wall Street Journal verlangt die Regierung, dass Tabakkonzerne ihre Produkte nur noch in schwarz-weißer Aufmachung anpreisen und die Hälfte der Werbefläche und der Packungen mit Gesundheitswarnungen belegen. Außerdem sollen die Unternehmen ihre Zigaretten nicht mehr als "Light" vermarkten dürfen. Die Forderungen gehen deutlich weiter als ein Abkommen von 1998, nach dem die Tabakindustrie über einen Zeitraum von 25 Jahren mehr als 200 Mrd. $ zahlen und ihre Marketing-Aktivitäten einschränken muss.

Der Zigarettenhersteller R.J. Reynolds Tobacco Co. will gegen die neuen Einschränkungen klagen. Philip Morris-Anwalt und Sprecher Michael York sagt, man bedaure, dass statt eines Richters der Kongress über solche Auflagen entscheiden sollte.

Philip Morris Companies arbeitet bereits mit der Gesundheitsaufsichtsbehörde FDA zusammen, um Regeln über die Zutaten und die Vermarktung von Zigaretten aufzustellen. "Wir glauben, dass es Raum für eine FDA-Regulierung gibt. Aber das ist nicht der Weg, das zu erreichen", kommentiert York die jüngsten Pläne des Justizministeriums. Eine FDA-Regulierung dürfte in der Zukunft auch die Arbeit der Juristen von Philip Morris erleichtern. Mark Berlind, der in der Rechtsabteilung für die Arbeit mit der FDA zuständig ist, drückt es so aus: "Wir sehen die FDA-Regulierung nicht als Schutz vor Klagen. Aber wenn die FDA-Regeln sagen, dass unser Verhalten korrekt war, dann wird das eine Jury in Betracht ziehen."

Die Juristen des Konzerns mit Sitz in New York haben bisher eine erstaunliche Erfolgsgeschichte hingelegt: Die Zahl der Verfahren ist von mehr als 500 im Jahr 1997 auf derzeit 361 gesunken. Viele Klagen sind zurückgewiesen, Verfahren eingestellt und Milliardenforderungen auf einen Bruchteil reduziert wurden. "Wir haben bis heute noch keinen einzigen Dollar an einen Kläger bezahlen müssen", stellt William Ohlemeyer, Chefjurist von Philip Morris, zufrieden fest.

Doch neue Klagen, die Philip Morris vorwerfen, "Light"-Zigaretten als weniger gesundheitsgefährdend zu vermarkten, stellen eine neue Herausforderung dar. In Oregon fordert die Familie der Raucherin Michelle Schwarz, die 1999 an Lungenkrebs starb, 300 Mill. $ von Philip Morris. Der Konzern habe die Verstorbene glauben lassen, dass die "Light"-Version der Marke "Merit" gesünder sei. Die Angehörigen berufen sich dabei auf Studien, nach denen Raucher bei Zigaretten mit niedrigeren Teer- und Nikotin- Werten öfter ziehen und stärker inhalieren, so dass sie genauso viel Schadstoffe aufnehmen wie beim Konsum normaler Filterzigaretten.

Marktkenner beobachten den Schwarz-Fall genau, da andere Anwälte Sammelklagen mit der gleichen Begründung einreichen werden. Geschworenen-Gerichte könnten den Vorwurf, dass Tabakkonzerne Light-Zigaretten als weniger gesundheitsgefährdend vermarkten, durchaus nachvollziehen, meinen Juristen. Auch Ohlemeyer räumt ein, dass dieser Fall anders ist, da die Sammelklagen sich auf die Irreführung konzentrieren, die für alle Klagenden gleich wäre. Bisher konnte Philip Morris Sammelklagen meist erfolgreich in den Bereich der Einzelklagen abwehren.

Philip-Morris-Vizepräsident Ohlemeyer ist optimistisch, dass er auch diese Prozesse gewinnen kann. Seine Begründung: "Light"-Zigaretten sind erst seit 1972 auf dem Markt. Daher hatten sie alle Gesundheitswarnungen auf der Packung. Außerdem hat Philip Morris schon damals gegenüber dem Kongress erklärt, dass die Konsumenten Zigaretten anders rauchen als die Maschinen, die Teer- und Nikotinwerte messen", sagt er. Philip Morris habe mit dem Wort "Light" nur einen leichteren Geschmack beschreiben wollen. Bonnie Herzog, Analystin von Credit Suisse First Boston, sagt, sie sei keinesfalls "überaus nervös", was die neuen Klagen angehe.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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