Philip Morris reagiert auf sinkende Kurse mit höherer Dividende
Der Baisse die richtige Antwort geben

Der weltweit zweitgrößte Zigaretten- und Nahrungsmittelhersteller zeigt, wie man auf Kursrückgänge und schwierige Börsenzeiten reagiert: Geld verdienen, auf Kerngeschäftsfelder konzentrieren und vor allem eine aktionärsfreundliche Politik betreiben.

DÜSSELDORF. Kaum einem Blue Chip gelingt es, die schwerste Baisse in der Nachkriegsgeschichte unbeschadet zu überstehen. Philip Morris ist ein Schwergewicht, das Investoren 150 Prozent Gewinn brachte, während sich die meisten Aktienkurse in den vergangenen zweieinhalb Jahren halbierten oder viertelten. Und der große Unterschied zu den großen Gewinnern aus dem High-Tech-Booms: Philip Morris ist auch nach dem satten Plus attraktiver bewertet als fast alle übrigen Blue Chips in Europa und den USA.

Der weltweit zweitgrößte Zigaretten- und Nahrungsmittelhersteller zeigt, wie man auf Kursrückgänge und schwierige Börsenzeiten reagiert: Geld verdienen, auf Kerngeschäftsfelder konzentrieren und vor allem eine aktionärsfreundliche Politik betreiben. Dazu gehört, seine Anteilseigner am Erfolg teilhaben zu lassen. Weil Philip Morris Jahr für Jahr seine Gewinne um gut zehn Prozent steigert, erhöht der Konzern nun zum 33. Mal in den vergangenen 35 Jahren seine Dividende. Am 10. Oktober wird Aktionären eine um 10,3 Prozent angehobene Quartalsausschüttung von nunmehr 64 Cents überwiesen. Aufs Jahr hochgerechnet sind das 2,56 $ pro Aktie. Das ergibt bei einem derzeitigen Kurs von rund 46,50 $ eine Rendite von 5,5 Prozent. Ein überzeugenderes Argument gibt es kaum, wenn Investoren der Börse den Rücken kehren und zugleich sicherere Anlagen wie der Geldmarkt und erstklassige Staatsanleihen allenfalls zwei bis vier Prozent pro Jahr abwerfen.

Bei allem Erfolg ist Philip Morris keineswegs auf Rosen gebettet. Im Kernland USA machen sich die Konsumenten, denen in vielen Bundesstaaten ein zweifelhafterer Ruf als Waffenbesitzern vorauseilt, immer rarer. 2001 rauchten 13,8 Prozent weniger Menschen als im Vorjahr. Und auch in Westeuropa stagniert der Zigarettenmarkt. Allein die enormen Wachstumsraten in Asien und Osteuropa lassen den Gesamtabsatz zumindest noch leicht steigen. Für die entscheidenden Zuwächse im Konzernergebnis sorgt allerdings die Lebensmitteltochter Kraft Foods. Nach dem Börsengang vor einem Jahr hält Philip Morris noch 80 % an dem Hersteller von Milka-Schokolade und Jakobs Kaffee.

Dieses zweite Standbein steuert 2002 knapp 50 % zu den angepeilten 100 Mill. $ beim Umsatz und 10 Mrd. $ beim Gewinn bei. Kraft Foods wächst in diesem Jahr um gut 17 Prozent. Damit ist Philip Morris gegenüber reinen Zigarettenherstellern wie British American Tobacco ein attraktiveres Investment.

Bei allen guten Perspektiven soll ein großes Risiko nicht verschwiegen werden. Tabakaktien sind seit Jahren deshalb moderat bis niedrig bewertet, weil Raucherklagen in Milliardenhöhe auf allen Konzernen lasten. Vor einigen Wochen stürzte der Philip-Morris-Kurs um 20 % ab, als Amerikas zweitgrößter Zigarettenhersteller R.J. Reynolds zu Schadenersatz von 15 Mill. $ an einen ehemaligen Raucher verurteilt wurde. Philip Morris geht deshalb bei ähnlichen Urteilen stets in die Berufung und legt Wert auf die Feststellung, trotz einer Fülle von Urteilen noch keinen Cent ausgezahlt haben zu müssen.

Neben den Raucherklagen lastet schließlich ein möglicher Konjunkturaufschwung auf den Aktienkurs. Denn viele Anleger werden sich nach ersten klaren Signalen einer Belebung auf wachstumskräftigere Titel stürzen. Darunter werden defensive und nicht zyklische Branchen leiden. Doch wer seinen Eignern kontinuierlich eine höhere Dividende beschert und dazu ein niedrigeres Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweist, als er jährlich beim Ertrag zulegt, braucht sich vor solcher Konkurrenz nicht zu fürchten.

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