Philipp Holzmann
Kommentar: Pleite auf Raten

Jetzt wird offenbar, worauf viele gewartet hatten: Der traditionsreiche Baukonzern Philipp Holzmann ist längst noch nicht über den Berg.

Erneut müssen die Banken ran, um das Frankfurter Unternehmen für die Zukunft fit zu machen. Eine Zukunft freilich, von der keiner so genau weiß, wie sie aussehen wird.

Nur so viel zeichnet sich ab: Die Option eines Alleingangs scheint in immer weitere Ferne zu rücken. Die Banken setzen auf einen Verkauf. Anders ist das erneute Hilfspaket, das am Freitag geschnürt werden soll, nicht zu interpretieren. Es soll Holzmann so hübsch für eine Hochzeit machen, wie es eben möglich ist.

Der Handlungsdruck ist angesichts eines Fehlbetrags von fast 200 Millionen Euro groß. Noch ist dies eine rein interne Zahl. Ob sie auch in der offiziellen Bilanz auftauchen wird, hängt jetzt von den Maßnahmen der Banken ab. Klar ist aber auch: Mit einem solchen Ergebnis ist Holzmann alles andere als eine attraktive Braut.

Die neuen "alten" Probleme offenbaren aber noch etwas anderes: Ordnungspolitische Eingriffe der Politik in die freie Wirtschaft sind problematisch. Die Bilanz der Intervention von Bundeskanzler Gerhard Schröder im Fall Holzmann ist negativ.

So hart es für die Beteiligten - allen voran die gebeutelten Holzmann-Mitarbeiter - klingen mag: Vieles spricht dafür, dass es besser gewesen wäre, das Traditionsunternehmen hätte vor zwei Jahren den Weg einer geordneten Insolvenz gewählt. Die überlebensfähigen Bereiche wären verkauft worden, die Gläubiger hätten einen Teil ihrer Forderungen erhalten. Der jetzt geplante Verkauf des Unternehmens wird am Ende kaum ein anderes Ergebnis haben. Der neue Besitzer wird sich die profitablen Bereiche nehmen und den Rest abwickeln. Weitere Arbeitsplätze werden verloren gehen, zusätzlich zu den bereits 6 000 abgebauten Stellen. Der einzige Unterschied: Der jetzt eingeschlagene Weg dauert länger.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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