Philipp Holzmann
Kommentar: Schluss mit dem Gezerre!

Es ist kaum noch zu begreifen. Rund zweieinhalb Wochen nachdem die erneute Schieflage des Frankfurter Baukonzerns Philipp Holzmann bekannt wurde, ist immer noch nicht klar, wohin der Weg führt. Selbst nach dem eigentlich recht eindeutigen "Nein" der Dresdner Bank, der Commerzbank und der Hypo-Vereinsbank zum Rettungsplan scheint sich daran nichts geändert zu haben.

Die Kreditinstitute werfen weiter heftig mit Nebelkerzen, treiben ihr Spiel um den Schwarzen Peter auf die Spitze. Da zieht der Poolführer Deutsche Bank plötzlich den Joker einiger Anleihe-Investoren, die auf Forderungen verzichten wollen. Gleichzeitig tauchen Gerüchte auf, die Deutsche Bank stemme sich nur deshalb gegen eine Holzmann-Pleite, weil sonst noch viel mehr Leichen aus ihrem Keller ans Tageslicht kämen. Und im Hintergrund halten sich hartnäckig die Hinweise, in Wirklichkeit gehe es nur darum, dem deutschen Bankenprimus wegen seiner umstrittenen Rolle in der Krise um den Medienmogul Leo Kirch eins auszuwischen.

Nein, die Kreditinstitute liefern eine unwürdige Show ab. Nicht nur ihr Pokerspiel mit dem Schicksal von 23 000 Menschen ist unerträglich. Die Institute schädigen auch das Ansehen der deutschen Kreditwirtschaft. Nach dem Enron-Debakel betrachten die Finanzinvestoren Banken, die zugleich Kreditgeber und Besitzer von Unternehmen sind, mit Argusaugen. Die Fälle Kirch und insbesondere Holzmann dürften sie in ihrer Meinung über die negativen Folgen solcher Interessenskonflikte bestärken.

Die Kreditinstitute und allen voran die Deutsche Bank als Poolführer müssen zweierlei endlich akzeptieren: Holzmann ist weder sanierungsfähig noch als Ganzes zu verkaufen. Am Ende führt wohl kein Weg an einer Insolvenz des traditionsreichen Baukonzerns vorbei. Wenn schon keiner alleine die Reißleine ziehen will, vielleicht fällt es ja gemeinsam leichter.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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