Philippinen
Renate Wallert nach 85 Tagen Geiselhaft frei

Nachdem die Göttingerin überraschend freigekommen ist, befinden sich noch 38 Menschen in der Hand der Geiselnehmer.

afp TOURISTEN. Überraschend ist die Göttingerin Renate Wallert am Montag nach rund drei Monaten Gefangenschaft auf der philippischen Insel Jolo freigekommen. Danach befinden sich noch 38 Menschen in der Hand der Geiselnehmer: 18 der ursprünglich 21 Touristen und Hotelangestellten, die gemeinsam mit Wallert am Ostersonntag von einer malaysischen Urlauberinsel entführt wurden, sowie drei philippinische Geiseln von einer anderen Insel, vier westliche Journalisten und 13 christliche Prediger.

Das Geiseldrama begann am 23. April auf der malaysischen Urlauberinsel Sipadan. Dort entführten die Moslem-Rebellen 21 Urlauber und Hotelangestellte mit einem Boot bis nach Jolo, darunter auch die nun freigelassene Renate Wallert mit ihrem Mann Werner und Sohn Marc (25). Außerdem sind in dieser Gruppe noch ein französisches Paar, zwei Finnen, zwei Südafrikaner, eine Libanesin, acht Malaysier und zwei Philippiner. Angeblich erlitt eine der Südafrikanerin im Dschungel eine Fehlgeburt.

Im Juni und in der vergangenen Woche kamen insgesamt zwei Malaysier frei. Anfang Juli wurde dann der "Spiegel"-Reporter Andreas Lorenz verschleppt, als er sich mit Rebellen treffen wollte. Lorenz - eigentlich China-Korrespondent des Hamburger Nachrichtenmagazins - hatte sich zuvor schon einmal mit anderen Journalisten in der Hand der Abu Sayyaf befunden, kam aber wie seine Kollegen nach kurzer Zeit gegen umgerechnet 50.000 Mark Lösegeld wieder frei. Seit dem 9. Juli halten die Moslem-Rebellen auch drei französische Journalisten fest, die vom Fernsehsender France 2 nach Jolo geschickt worden waren.

In der Hand der Rebellen befinden sich zudem seit Anfang Juli 13 christliche Prediger, die ins Dschungelversteck fuhren und sich dort mit Gebeten für die Freilassung der Geiseln einsetzen wollten. Die Abu-Sayyaf-Kämpfer ließen sie nicht wieder gehen. Berichte, einer der Prediger sei von den Rebellen enthauptet worden, wurden mittlerweile von allen Seiten dementiert. Außerdem hält die Gruppe auf Jolo auch drei Philippiner fest, die bereits im März auf der Nachbarinsel Basilan entführt worden waren.

Nach Angaben von Lokalpolitikern ist die Zahl der Moslemrebellen seit Beginn des Geiseldramas um ein Vielfaches gestiegen. Demnach hatte Abu Sayyaf zu Beginn nur einige Dutzend Anhänger, heute sind es etwa 1800. Aus Furcht vor einem Militärschlag habe die Gruppe inzwischen massenhaft neue Mitglieder geworben, vielfach Jugendliche. Einige von ihnen seien sicherlich auch mit der Aussicht auf hohe Lösegelder gelockt worden. Offiziell wird Abu Sayyaf von einem Zentralkomitee geführt; doch gibt es zahlreiche Splittergruppen, die inzwischen auf eigene Faust handeln.

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