Philippinen verbitten sich französische Einmischung
Militäroffensive auf Jolo bringt Geiseln in Gefahr

Reuters JOLO. Mit zunehmender Dauer der Militäroffensive auf der Philippineninsel Jolo wächst nach Einschätzung aus Armeekreisen auch die Gefahr für die dort festgehaltenen 19 Geiseln. In jeder vergleichbaren Situation müsse davon ausgegangen werden, dass 50 % der Geiseln nicht überlebten, verlautete jeute aus Kreisen der philippinischen Armee, die seit Samstag eine Offensive gegen die Moslem-Rebellen der Abu Sayyaf führt. Ein Regierungssprecher sagte indes, einige der Geiseln seien lebend gesehen worden. Es gebe große Hoffnung, dass es den Geiseln gut gehe. Der philippinische Präsident Joseph Estrada wies die Kritik Frankreichs an der Offensive als Einmischung in innere Angelegenheiten zurück. Unter den Geiseln sind zwei Franzosen.

Geiseln als menschliche Schutzschilde missbraucht

Sollte die Militäroperation noch länger andauern, sinke die Wahrscheinlichkeit, die Geiseln retten zu können, immer weiter, hieß es in Armeekreisen. Auch die philippinische Regierung räumte ein, dass die Geiseln als menschliche Schutzschilde missbraucht werden könnten.

Estrada schloss jedoch ein schnelles Ende der Offensive aus. Voraussetzung für Verhandlungen mit den Rebellen sei die Freilassung der Geiseln, sagte Estrada. Regierungssprecher Richard Puno teilte mit, in einem offenbar von Rebellenführer "Kommandant Robot" unterzeichneten Schreiben biete dieser an, sich zu ergeben. Dazu sei es jetzt aber zu spät. Wenn "Kommandant Robot" sich ergeben und ein neues Leben anfangen wolle, dann hätte er dies früher tun sollen, sagte Puno.

Die Abu Sayyaf haben neben 13 Philippinern drei Malaysier, zwei französische Journalisten und einen Amerikaner in ihrer Gewalt.

Inselbewohner fliehen vor der Armee

Bei der Offensive wurden nach offiziellen Angaben bislang vier Zivilisten und sechs der Rebellen getötet. Bewohner Jolos hatten von Dutzenden Opfern gesprochen. Aus dem Kampfgebiet geflüchtete Zivilisten gaben an, Tausende Inselbewohner seien zwischen von der Armee eingeschlossen. Wasser und Nahrungsmittel seien knapp. Zudem könnten Verwundete nicht in Krankenhäuser gebracht werden, weil das Gebiet vom Militär abgeriegelt sei.

Puno sagte weiter, ab Dienstag solle die Seeblockade um Jolo teilweise aufgehoben werden, damit lebenswichtige Güter auf die Insel gebracht werden könnten. Einem Militärbericht zufolge gab es seit Beginn der Offensive sieben Gefechte mit den Abu Sayyaf. Die Rebellengruppen seien weniger als 20 Mann stark gewesen, was darauf hindeute, dass die Abu Sayyaf sich aufgespalten habe.

Frankreich in Sorge um Journalisten

Frankreich und andere westliche Länder haben die Militäraktion heftig kritisiert. Er müsse nicht mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac sprechen, sagte Estrada. Chirac mische sich in philippinische Angelegenheiten ein. Chirac hatte dem französischen Botschafter in Manila übermitteln lassen, die Sicherheit der beiden Franzosen habe für die französische Regierung höchste Priorität.

Das Geiseldrama zieht sich seit Ostersonntag hin, als die Abu Sayyaf 21 Männer und Frauen von einer malaysischen Insel nach Jolo verschleppt hatten. Bis auf einen Philippiner sind alle Entführten aus dieser Gruppe wieder frei, unter ihnen auch das Göttinger Ehepaar Wallert mit seinem Sohn Marc. Für die Freilassungen sollen Millionen-Lösegelder gezahlt worden sein. Zwischenzeitlich hatten die Rebellen jedoch weitere Geiseln genommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%