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Philippinische Regierung erwägt härtere Linie gegen Abu Sayyaf

Gegner von Lösgeldzahlungen fühlen sich bestätigt

ap ZAMBOANGA. Man werde im Laufe des Mittwochs darüber entscheiden, wie die Regierung auf die Geiselnahme reagiere, sagte ein Berater des Präsidenten. Die US-Botschaft auf den Philippinen teilte mit, sie werde sich nicht auf einen Handel mit den Entführern der Moslemgruppe Abu Sayyaf einlassen. Ein Sprecher der Gruppe drohte, die Abu Sayyaf werde die amerikanische Geisel töten, falls die USA ihre Forderungen nicht akzeptiere.

"Wir können so nicht weitermachen", sagte Präsidialamtssekretär Ronaldo Zamora. Andernfalls führe dies genau zu der Situation, vor der die Gegner von Lösegeldzahlungen gewarnt hatten: "Wir schaffen uns selbst noch mehr Probleme in der Zukunft." Am Sonntag und Montag hatte die Abu Sayyaf auf der südphilippinischen Insel Jolo sechs westliche Geiseln, unter ihnen den Göttinger Lehrer Werner Wallert, freigelassen. Dabei sollen sechs Millionen Dollar (rund 13 Mill. Mark) Lösegeld von Libyen gezahlt worden sein. Neben dem Amerikaner, Jeffrey Schilling, befinden sich nun noch Wallerts Sohn Marc, fünf weitere Ausländer und zwölf Philippinos in der Hand der Abu Sayyaf.

Amerikaner wollen hart bleiben

Ein Sprecher der Moslemextremisten, Abu Sabaya, sagte in einem Radiointerview, die Abu Sayyaf wolle am Donnerstag Verhandlungen mit der US-Botschaft über Schillings Freilassung aufnehmen. Welche Forderungen die Entführer stellen, teilte Sabaya nicht mit. Die US-Botschaft erklärte, die amerikanische Regierung werde weder Lösegeld zahlen noch Gefangene entlassen oder irgendwelche anderen Konzessionen machen.

Schilling wird von derselben Abu-Sayyaf-Gruppe festgehalten, die im März auf der Insel Basilan rund 50 Schulkinder und ihre Lehrer als Geiseln genommen hatte. Die Kidnapper forderten damals die Freilassung mehrere arabischer Terroristen aus amerikanischen Gefängnissen. Als die USA nicht auf ihre Forderungen eingingen, köpften sie zwei Lehrer.

Der entführte Amerikaner wurde nach Angaben der Abu Sayyaf am Montag in der Nähe eines Einkaufszentrums auf Mindanao verschleppt. Schilling hielt sich seit Anfang März auf den Philippinen auf. Er ist mit einer Philippinerin befreundet, die nach Auskunft ihrer Mutter mit dem Abu-Sayyaf-Sprecher Sabaya verwandt ist. Sabaya habe das Paar eingeladen, das Geisellager auf der Insel Jolo zu besuchen, sagte die Mutter. Dieser erklärte dagegen, die Abu Sayyaf halte Schilling für einen Agenten der CIA. US-Generalkonsul John Caulfield nannte die Anschuldigung lächerlich. Schilling sei eine völlig unschuldige Person, die zu Unrecht festgehalten werde. "Wir fordern seine sofortige Freilassung und erwarten, dass die philippinische Regierung alles ihr Mögliche dafür tut."



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