Phoenix-Gruppe will Gewinnrückgang im Inland durch Auslandsgeschäft kompensieren
Expansions-Pause im Pharmagroßhandel

Die Übernahmewelle im europäischen Pharmahandel ist abgeebbt. Hatten die führenden Unternehmen der Branche in den vergangenen Jahren noch kräftig dazugekauft, gab es im ersten Halbjahr kaum noch Übernahmen von Großhändlern oder Apotheken.

FRANKFURT/M. Zu der Beruhigung hat unter anderem der bevorstehende Umbruch im deutschen Gesundheitswesen beigetragen. Er zwingt einige Unternehmen derzeit, ihr Inlandsgeschäft weiter zu rationalisieren. Zwangsrabatte auf Medikamente und ein brancheninterner Rabattwettbewerb haben die Unternehmen einem ungewohnten Druck ausgesetzt. Die Gesundheitsreform, über die Regierung und CDU/CSU derzeit verhandeln, dürfte das noch verstärken. "Diese Entwicklung erfordert hohe Aufmerksamkeit und bindet erhebliche Managementkapazitäten", sagte gestern Bernd Scheifele, der Chef von Phoenix Pharmahandel, der Nummer zwei in Europa.

Es gibt aber auch andere Gründe für die Zurückhaltung der Großhändler. Der Marktführer im europäischen Pharmahandel, die Stuttgarter Celesio-Gruppe (vormals Gehe AG), sieht keinen Zusammenhang mit der deutschen Reformdiskussion. Sie führt die Expansionspause auf mangelndes Angebot zurück. In vielen Ländern seien Apotheker nicht bereit zu verkaufen, weil ihnen attraktive Anlagemöglichkeiten für die Erlöse aus dem Verkauf ihrer Apotheken fehlten, so Celesio-Chef Fritz Oesterle.

In Deutschland sind die Pharmagroßhändler in den vergangenen Monaten vor allem durch Zwangsrabatte unter Druck geraten, die im Beitragssicherungs-Gesetz festgeschrieben wurden. Phoenix etwa erwartet auf Grund der Belastungen einen Gewinnrückgang von bis zu 50 % im Inlandsgeschäft und will darauf mit weiteren Schritten zur Steigerung der Effizienz reagieren. Ein größerer Personalabbau oder die Schließung von Niederlassungen ist aber laut Scheifele nicht geplant. Celesio hatte vor kurzem angekündigt, im deutschen Großhandel etwa jede zehnte Stelle zu streichen.

Welche weiteren Belastungen die Gesundheitsreform bringen wird, ist derzeit nur in Ansätzen zu erkennen. Bis zu 1,2 Mrd. Euro Einbußen könnte die Reform der Arzneimittelpreisverordnung verursachen, wenn die derzeit vorliegenden Vorschläge umgesetzt werden. Scheifele geht davon aus, dass dann die Großhändler ihre Rabatte an Apotheken drastisch einschränken. Zusätzliche gravierende Änderungen drohen der Branche durch die Einführung des Versandhandels, eine Öffnung der Krankenhausapotheken für ambulante Versorgung sowie durch die Aufhebung des Verbots, mehr als eine Apotheke zu besitzen.

Scheifele geht davon aus, dass diese Entwicklung die Konzentration im deutschen Pharmagroßhandel mittelfristig verstärken wird. Kleineren Unternehmen werde es besonders schwer fallen, die Belastungen zu tragen.

Die großen Pharmahändler wie Celesio und Phoenix sind auf Grund ihres starken Auslandsgeschäfts von der Entwicklung in Deutschland nur noch teilweise abhängig. So geht auch Phoenix davon aus, die Einbußen im Inland durch steigende Erträge im Ausland kompensieren zu können. Scheifele rechnet daher insgesamt mit einem zufrieden stellenden Ergebnis. Der Konzernumsatz werde mit dem Markt um etwa fünf bis sechs Prozent steigen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr, das am 31. Januar endete, hat Phoenix den Gruppenumsatz um 27 % auf 15,3 Mrd. Euro erhöht. Das ist allerdings zum großen Teil darauf zurückzuführen, dass Phoenix erstmals ganzjährig die finnische Mehrheitsbeteiligung Tamro konsolidierte.

Ertragszahlen für den Konzern gibt Phoenix nicht bekannt. Das Unternehmen befindet sich über eine komplizierte Konstruktion im Mehrheitsbesitz des Unternehmers Adolf Merckle, dem unter anderem auch das Pharmaunternehmen Ratiopharm gehört.

Die Phoenix Pharmahandel AG & Co KG, die das Inlandsgeschäft der Gruppe repräsentiert, steigerte ihren Umsatz 2002/03 um 4,7 % auf fünf Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis der Inlandsgruppe wuchs nach Angaben Scheifeles um 16 % auf 117 Mill. Euro. Hinzu kam ein nicht bezifferter Sondergewinn aus der Fusion mit der Ferd. Schulze GmbH & Co. Dieses Unternehmen, das voll der Familie Merckle gehört, war bislang ein Gesellschafter von Phoenix.

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