Photodynamische Therapie macht Krebs in frühem Stadium sichtbar
Farbstoff und Laser bekämpfen Tumore

Mit der Photodynamischen Therapie steht Ärzten seit kurzer Zeit ein schonendes Verfahren zur Behandlung von Tumoren zur Verfügung. Im Frühstadium hilft die Methode beim Identifizieren des kranken Gewebes. Neben Hautkrebs, Kopf- und Halstumoren können auch bestimmte Augenleiden geheilt werden.

DÜSSELDORF. Ein lasergestütztes Verfahren könnte in Zukunft dabei helfen, bösartige Tumore besser zu lokalisieren, um diese dann gezielt zu bekämpfen. Die so genannte Photodynamische Therapie, kurz PDT, ist noch Neuland in der Krebsbehandlung. Insbesondere bei oberflächlichen Hauttumoren, Kopf- und Halstumoren sowie Speise- und Luftröhrenkrebs im frühen Stadium könnte das Verfahren aber schon bald in vielen Fällen zum Einsatz kommen.

Der dafür von der deutschen Firma Seelab vertriebene Wirkstoff Photosan erhielt jetzt als dritter Photosensibilisator europaweit die Zulassung. Studien, etwa am Universitätsklinikum in Regensburg und am Klinikum Großhadern in München, attestierten eine gute Wirksamkeit.

Ärzte setzen das lasergestützte Verfahren dann ein, wenn bösartige Zellen nachgewiesen wurden, aber die exakte Stelle des Frühkrebses nicht lokalisiert werden kann. "Zwei Tage vor der eigentlichen Lichttherapie spritzen wir den Farbstoff. Dieser verteilt sich innerhalb kurzer Zeit in den Organen. Es kommt zu einem Konzentrationsgefälle zwischen gut- und bösartigem Gewebe, so dass wir den Tumor gezielt bestrahlen können", erklärt die Krebsspezialistin Cornelia Gelbmann von der Universitätsklinik in Regensburg. Bei Photosan verwenden die Ärzte zur Bestrahlung ein spezielles Rotlicht, da der medizinische Farbstoff nur bei der ganz spezifischen Wellenlänge von 633 Nanometern wie gewünscht reagiert.

Während der Bestrahlung bildet sich in den Vorläufern der Krebszellen so genannter Singulett-Sauerstoff. Diese hochreaktive Form des Sauerstoffs ist so aggressiv, dass sie gezielt die Vorkrebs-Zellen zerstört. Die Therapie ist für den Patienten nur wenig belastend. "Dieser spürt nur ein leichtes Kribbeln", sagt die Expertin. Die Behandlungsdauer beträgt zwischen zehn und 40 Minuten.

Tumor gezielt bestrahlt

Zu den - insgesamt nur geringen - Nebenwirkungen zählt eine Sensibilisierung der Haut. "Der Patient muss einige Tage in einem abgedunkelten Raum verbringen und auch nach der Behandlung für einige Zeit direkte Sonneneinstrahlung meiden", sagt Cornelia Gelbmann.

Ebenfalls neu ist der Einsatz der Photodynamischen Therapie bei einer speziellen Vorstufe des Hautkrebses - der so genannten aktinischen Keratose. Dabei können die behandelnden Ärzte jetzt auf das neu zugelassene Medikament Levulan von der Firma Dusa Pharmaceuticals (der Wirkstoff heißt hier 5-Amino-Levulinsäure) zurückgreifen.

Im Gegensatz zu Photosan wird Levulan direkt auf die kranke Haut aufgetragen. Der eingedrungene Wirkstoff wird dort in lichtempfindliches Protoporphyrin IX (PPIX) umgewandelt. Durch die Bestrahlung mit blauem Licht wird PPIX dann ähnlich wie eine kleine Batterie aufgeladen und kann so einen Teil der Energie auf gewöhnlichen Sauerstoff übertragen. Auch dadurch entsteht wiederum der reaktionsfreudige Singulett-Sauerstoff, der die Zellen abtötet.

Schon nach einer einzigen Behandlung zeige sich sichtbarer Erfolg, so die Herstellerfirma. Bei einer zweiten PDT-Sitzung liegen die Heilungsraten den Herstellerangaben zufolge zwischen 90 und 100 %. Aber sogar bei schweren Augenleiden kann PDT helfen: so auch bei der so genannten feuchten Makula-Degeneration, bei der winzige Blutgefäße in das Zentrum der Netzhaut sprießen und so das Zentrum des schärfsten Sehens zerstören.

Krankhafte Gefäße im Auge verschlossen

"Wir können mit der Photodynamischen Therapie die krankhaften Gefäße an der Oberfläche der Netzhaut verschließen, die Flüssigkeitsansammlungen austrocknen und damit die intakten Sinneszellen der Netzhaut retten", sagt der Hamburger Augenarzt Udo Heuer, der mit der Methode bereits seit längerem operiert und gute Erfahrungen gemacht hat. Der Eingriff dauere nicht länger als 30 Minuten. "Wir spritzen einen grünen Spezial-Farbstoff in die Armvene, der die Gefäßwucherungen im Auge lichtempfindlich macht. Auf diese Weise kann der Laserstrahl die Wucherungen besser veröden."

15 Minuten braucht der Farbstoff, um sich im Körper zu verteilen. Danach beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Nur 83 Sekunden bleiben dem Arzt, um alle krankhaften Blutgefäße im Sehzentrum mit den gebündelten Lichtstrahlen zu erwischen. Der am Laser angeschlossene Computer ist deshalb exakt auf diese Zeit programmiert. "Ein längerer Beschuss würde auch gesundes Gewebe zerstören, was natürlich unbedingt vermieden werden soll", so der Experte. Werden nicht alle Blutgefäße verödet, ist ein zweiter Eingriff nötig.

Entwickelt wurde die Behandlungsmethode von Ursula Schmidt-Erfurth, Professorin an der Universitätsaugenklinik Lübeck. "Mit Hilfe der Photodynamischen Therapie könnten wir zukünftig jedes Jahr etwa 7 000 Patienten das Augenlicht retten", sagt Schmidt-Erfurth.

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