Photokina 2002: Fotoeinzelhandel beklagt Umsatzeinbußen
Fotobranche boomt mit Bits und Bytes

Die Fotoausrüster haben das Weihnachtsgeschäft längst ins Auge gefasst. Die Aussichten sind hoffnungsvoll: Die Digitaltechnik soll der Branche zu einem neuen Boom verhelfen. Fast jede zweite Kamera, die in der Adventszeit über den Ladentisch gehen wird, arbeitet mit Bits und Bytes.

KÖLN. Erstmals werden die Kamerahersteller im kommenden Weihnachtsgeschäft mehr Umsatz mit digitalen Kameras als mit analogen Geräten machen. Das sagte Rainer Schmidt, Geschäftsführer des Photoindustrie-Verbands, während der Photokina, der weltweit größten Messe für Fotografie, dem Handelsblatt.

Dennoch werden die digitalen Bilder die herkömmlichen Fotos auf chemischer Basis nicht vollkommen verdrängen. "Die unterschiedlichen Verarbeitungstechniken lassen sich bequem miteinander kombinieren - einen Verdrängungseffekt wie bei CDs und Venyl-Schallplatten wird es in der Fotobranche vorerst nicht geben", sagt Schmidt.

Der Photoindustrie-Verband rechnet damit, dass in diesem Jahr 5,4 Mill. Kameras verkauft werden. 2,4 Mill. Stück davon sind mit digitaler Aufnahmetechnik ausgestattet.

Der gesamte Fotomarkt wächst nach Schätzungen des Verbandes um 7 % auf rund 8 Mrd. Euro. "Wir können uns nicht beklagen", berichtet Schmidt, "wir gehören zu den wenigen Branchen, die zufriedenstellende Zahlen liefern."

Die Kleinen Geschäfte stehen im Vergleich zu großen Ketten dumm da

Das gilt allerdings nicht für den Einzelhandel. Besonders die kleinen Fotogeschäfte müssen sich gegen die großen Ketten wie Media-Markt oder Saturn behaupten. Preisschlachten mit den großen Filialisten, zurückhaltende Verbraucher und hohe Anschaffungskosten für die neuen digitalen Entwicklungsstationen setzen ihnen zu. Nach Angaben des Bundesverbands Technik des Einzelhandels beklagt der Fachhandel einen Umsatz-Rückgang von 5 bis 8 %.

Ungeachtet dessen setzt die Kölner Messe vor allem Akzente im Bereich der digitalen Kameras. Denn die Geräte gibt es in allen Variationen: Ob winzig klein im Scheckkartenformat, ob mit 10 000 Euro teuer, aber dafür mit einer Auflösung von 11,1 Megapixel ausgestattet: An beinahe jedem Ausstellungsstand schwärmen die Hersteller von den neuen Möglichkeiten der digitalen Fotografie.

Technik schreckt Fotolaien ab

Trotzdem: Die Technik ist meist noch kompliziert und schreckt den Fotolaien ab. Denn mit dem einfachen Klick auf den Auslöser ist es nicht getan. Wenn die Omi ihren Enkel beim Spaghetti-Essen digital knipst, muss sie anschließend die Datei auf der Festplatte ihres Computers abspeichern und das Bild auf einer CD, Diskette oder per E-mail zum Fotolabor schicken, bis sie endlich ihren Enkel "auf Papier" in der Verwandtschaft herumzeigen kann.

Die andere Möglichkeit besteht darin, das Bild auf einem fototauglichen Drucker zu Hause ausdrucken. Beides überfordert aber gerade diejenigen, die mit der Fotografie ansonsten eher wenig am Hut haben. Dies kostet mit durchschnittlich 50 Cent bis 1 Euro immer noch mehr als das herkömmliche Papierbild, das für weniger als 10 Cent zu haben ist.

Aus diesem Grund betonten führende Manager der Branche wie beispielsweise Daniel A. Carp, Chef von Eastman Kodak, dass die Technik noch viel leichter zu bedienen sein müsse. "Wir müssen es den Menschen deutlich einfacher machen, Digitalbilder zu produzieren, zu drucken und miteinander auszutauschen", sagte Carp während einer Podiumsdiskussion zum Auftakt der Messe. Deshalb müssten sich die führenden Anbieter auf gemeinsame Standards einigen, um dieses Problem zu lösen. Kodak arbeite bereits mit Fuji und Hewlett-Packard an solchen Standards, erklärte Carp.

Der Massenmarkt schielt auf den Hobbyknipser

Schon jetzt hat der Handel darauf reagiert. Einzelne Fotogeschäfte bieten ihren Kunden Digitalstationen, auf denen die Daten des Kamera-Speichers im Geschäft eingelesen und anschließend ausbelichtet werden können. Für Kunden soll dieses Verfahren preisgünstiger sein.

Der digitale Massenmarkt schielt auf den Hobbyknipser. Der ambitionierte Amateur allerdings muss für eine digitale Spiegelreflex-Kamera immer noch tief in die Tasche greifen. Für etwa 3 000 Euro bieten Fuji, Canon und Nikon Gehäuse, die über Auflösungen von rund 6 Megapixel verfügen. Bei Aufnahmen mit dieser Auflösung sind im Vergleich zu analogen Bildern keine qualitativen Verluste mehr zu beklagen. Vergrößerungen dieser Digitalbilder bis zum DIN A4-Format kann sich der Foto-Freak bedenkenlos über sein Bett hängen.

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