Piëchs letzte Hauptversammlung
VW vor dem Machtwechsel

Die VW-Hauptversammlung am Dienstag wäre unspektakulär wie selten in den vergangenen Jahren, stünde auf der Tagesordnung nicht der Stabwechsel von Ferdinand Piëch zu Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder an.

vwd HAMBURG/WOLFSBURG. Außerdem gibt es am Dienstag in Hamburg eigentlich nur noch die Vorfahrt des scheidenden Vorstandsvorsitzenden im ersten Ein-Liter-Auto des Konzerns vor die Türen des Congress Centrums. Schwerwiegende Themen wie zum Beispiel die im Juni 2001 noch heiß und breit diskutierte VW-Strategie zur Abwehr feindlicher Übernahmen spielen dagegen kaum eine Rolle.

Live-Ticker:

WirtschaftsWoche heute berichtet am Dienstag laufend live von der Hauptversammlung in Hamburg
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  • Dabei lässt sich der Vorstand die im Vorjahr erteilte

    Ermächtigung

    der Aktionäre verlängern, bei Bedarf bis zu zehn Prozent

    eigene Aktien zu kaufen

    oder die derzeit im Konzern gehaltenen Aktien wieder zu veräußern. "Konkrete Pläne für das Ausnutzen dieser Ermächtigungen bestehen derzeit nicht", heißt es in der Begründung. Wie schon im vergangenen Jahr hält sich die VW-Führung in Sachen Akquisitionen insbesondere im Fall des skandinavischen Nutzfahrzeugherstellers Scania sehr bedeckt.





  • Aufhorchen lässt eine andere Passage zu diesem Tagesordnungspunkt: "Die eigenen Aktien können auch zur

    Börseneinführung an Börsenplätzen

    benutzt werden, an denen Aktien der Volkswagen AG bisher nicht notiert sind." Im starken Wettbewerb an internationalen Kapitalmärkten könne dies "erforderlich werden". Einen Kommentar gibt es dazu von VW aber nicht.





  • Ansonsten sollen die Aktionäre, unter denen das Land Niedersachsen mit seinen 18,8 Prozent wie üblich die eindeutige und nicht zu überstimmende Mehrheit halten dürfte, der neuen Zusammensetzung des

    Aufsichtsrates

    zustimmen. Dabei tritt Klaus Liesen als langjähriger Vorsitzender des Gremiums in die zweite Reihe zurück, um Platz für Piëch zu machen.



    Die Hauptversammlung soll auch die Mandate des Preussag-Vorstandsvorsitzenden Michael Frenzel und des Präsidenten der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, Roland Oetker, bis 2007 verlängern. Neues Aufsichtsratsmitglied soll der frühere britische Handelsminister Lord David Simon of Highbury werden, der über exzellente Kontakte zur EU verfügt und damit für VW in Brüssel wertvolle Dienste leisten kann.

    Weil für ihn und Piëch die beiden Ex- Bankmanager Jürgen Krumnow und Bernd Voss ihre Stühle räumen müssen, hatten Kritiker Volkswagen vorgehalten, die Präsenz von Vertretern der Finanzwelt weiter zu Gunsten eher politisch orientierter Aufsichtsräte zu schwächen.



  • Doch den künftigen Aufsichtsrats-Chef Piëch wie auch den neuen VW - Vorstandsvorsitzenden Pischetsrieder dürfte dies wenig interessieren. Der Porsche-Enkel hat zum Abschluss seiner Ära nochmals ein Rekordergebnis hingelegt. Den Aktionären soll eine

    Dividende

    von 1,30 Euro auf Stamm- und 1,36 Euro auf Vorzugsaktien gezahlt werden, auch darüber sollen diese abstimmen.



Und schließlich ist der Börsenkurs zwar nach wie vor weit von den gesetzten Zielen entfernt, liegt aber mit rund 58 Euro deutlich über den Werten der Rivalen DaimlerChrysler (52 Euro) oder BMW (45 Euro). Deshalb dürfte der Vortag seines 65. Geburtstages für Piëch eigentlich nur aus einem Grund unangenehm werden: Er verabscheut Ehrungen und Lobgesänge, von denen es aus Aktionärsreihen einige geben dürfte.

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