Piloten drohen mit Warnstreiks in der nächsten Woche
Deutsche BA bangt um Existenz

DÜSSELDORF. Die angespannte Situation der Fluggesellschaft Deutsche BA (DBA) spitzt sich weiter zu. Nach den Pilotenstreiks bei der Deutschen Lufthansa droht nun auch das fliegende Personal des innerdeutschen Hauptkonkurrenten mit Warnstreiks. Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) kündigte gestern Arbeitskampfmaßnahmen für die kommende Woche an, sollte die Deutsche BA in den Gesprächen über höhere Gehälter "kein verhandlungsfähiges Angebot" vorlegen. VC-Mitglied Thorsten Gommert bestätigte dem Handelsblatt, dass die Tarifkommission Gehaltserhöhungen von "mehr als 20 %" einfordert.

Auf dem Tisch liegt bisher ein Angebot der Deutschen BA über einen jährlichen Gehaltszuwachs von 3 %.

Nach Ansicht von Luftfahrtexperten spielen die 205 Piloten und Copiloten der Deutschen BA mit dem Feuer. "Massive Streiks könnten die Konzernmutter British Airways dazu ermuntern, radikale Maßnahmen zu ergreifen und die Deutsche BA möglicherweise zu schließen", sagte Luftfahrt-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Die Zukunft des glücklosen Lufthansa-Konkurrenten gilt ohnehin als gefährdet. Denn seit ihrer Gründung im Jahr 1992 hat die Deutsche BA noch keinen Gewinn erwirtschaftet. Für den Mutterkonzern British Airways hatte sie bisher allenfalls strategischen Wert, weil sie dem deutschen Erzrivalen Lufthansa geringfügig Marktanteile abjagte und als Preisbrecher agierte.

Den Verlust der DBA im vergangenen Jahr taxieren Experten auf knapp 50 Mill. DM. Für dieses Jahr wird mit einem weit höheren Verlust gerechnet, denn bedingt durch die eingebrochene Konjunktur haben sich die Vorzeichen für die gesamte Branche deutlich verschlechtert. Die Tarif-Forderungen der DBA-Piloten bedeuten nun eine weitere mögliche Belastung im hohen einstelligen Millionenbereich.

Seit Wochen wird darüber spekuliert, wie lange der neue BA-Chef Rod Eddington den roten Zahlen "made in germany" noch zusieht. Eddingtons Vorgänger Bob Ayling, der das Engagement in Deutschland stets stützte, hat den Konzern verlassen. Andere deutsche Carrier machen sich deshalb mit dem Gedanken vertraut, dass es bald ein Leben ohne Deutsche BA geben könnte. "Man muss latent damit rechnen, dass sie zum 31.12. geschlossen wird und dafür Alternativen bereithalten. Es wäre verantwortungslos gegenüber unseren Kunden, wenn wir das nicht täten", sagte der Sprecher einer deutschen Fluggesellschaft. In einer Pressemitteilung gestand die Deutsche BA gestern erstmals ein, in einer "angespannten Finanzlage" zu stecken. Nach Ansicht des Unternehmens fordern die Piloten eine durchschnittliche Steigerung des Bruttogehalts von 25 % ein. "Angesichts unserer finanziellen Situation können wir diese Forderungen nicht erfüllen", sagte Geschäftsführer Adrian Hunt.

VC-Tarifexperte Gommert sieht die Verhandlungen in einer Sackgasse: "Die Lücke ist so riesig, dass Verhandlungen im Grunde keinen Sinn machen." Die Wahrscheinlichkeit, dass es schon in der nächsten Woche zu Streikaktionen kommen könnte, schätzt er deshalb als "eher hoch" ein. Der Warnstreik werde maximal drei Stunden dauern und auf einen Tag beschränkt bleiben, sagte ein Cockpit-Sprecher. Es könnten mehrere oder gar alle von der Deutschen BA bedienten Airports in Frage kommen - unter ihnen Frankfurt/Main, Berlin, München, Hamburg und Düsseldorf.

Die Pilotenvereinigung verteidigt ihre hohen Forderungen: Seit 1992 habe es bei der Deutschen BA nur Gehaltssteigerungen unterhalb der Inflationsrate gegeben. Gommert: "Bei den Flugkapitänen beträgt allein der Nachholbedarf mehr als 12 %. Das ist der Kaufkraftverlust der vergangenen neun Jahre." Die Deutsche BA kündigte an, bis zum nächsten Verhandlungstermin am 13. September ein neues Angebot mit der britischen Mutter abstimmen zu wollen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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