Piloten unterschreiben Sanierungstarifvertrag
Rewe verschafft Not leidender LTU eine Verschnaufpause

Nach langem Ringen ist Großaktionär Rewe bereit, der Charterfluggesellschaft LTU eine Überlebenshilfe von bis zu 300 Millionen DM zu bieten. Der Handelskonzern will seine Beteiligung jedoch keinesfalls ausbauen und macht die Unterstützung von einer Bürgschaft des Landes abhängig.

HB/dpa DÜSSELDORF. Die schwer angeschlagene Düsseldorfer Fluggesellschaft LTU hat wieder bessere Überlebenschancen. Nach einer Tarifeinigung mit den Piloten stellte LTU-Großaktionär Rewe am Donnerstag eine millionenschwere Zwischenfinanzierung in Aussicht. Rewe ist bereit, der mit Liquiditätsproblemen kämpfenden Fluggesellschaft bis zu 300 Mill. DM vorübergehend zur Verfügung zu stellen. Damit solle die Zeit überbrückt werden, bis ein Investor für die 49,9 % des Swissair-Anteils gefunden sei.

Noch ist allerdings kein Interessent für die Anteile in Sicht. Das Interesse in der Luftfahrtbranche dürften angesichts hoher Überkapazitäten begrenzt sein. Und auch unter Finanzinvestoren gilt LTU als zu hohes Risiko. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Finanzinvestor da hineingeht", sagte ein Geschäftsführer einer internationalen Beteiligungsgesellschaft dem Handelsblatt. Brian Larcombe, Chef der britischen 3i Group Plc, wollte sich zum Thema LTU auf Anfrage nicht äußern. 3i hat im Juni von British Airways die Billigfluglinie Go gekauft.

Rewe verlangt als Voraussetzung für die kurzfristige Hilfe, dass das Land NRW eine Bürgschaft einräumt. Die NRW-Regierung macht diese Bürgerschaft jedoch von der Vorlage eines schlüssigen Sanierungskonzeptes abhängig. Man verhandle intensiv, hieß es.

Nach Aussagen eines Unternehmenssprechers ist die LTU vom Entzug der Fluglizenz bedroht, wenn nicht "zeitnah" ein Sanierungskonzept vorgelegt werde, das die dauerhafte Liquidität gewährleistet. Die LTU ist seit der Insolvenz ihres mit 49,9 % größten Aktionärs Swissair in der Krise. Die mit 40 % beteiligte Rewe hatte in den vergangenen Tagen wiederholt ein langfristiges Engagement zur Rettung der Fluggesellschaft ausgeschlossen und will ihren Anteil auf keinen Fall erhöhen. Rewe hatte die LTU-Gruppe mit Reiseveranstaltern wie Tjaereborg, Jahr Reisen und Meier's Weltreisen im vergangenen Jahr gekauft und sich nur widerstrebend an der Charterfluggesellschaft beteiligt.

Am frühen Donnerstag morgen war Bewegung in die Rettungsaktion gekommen. Nach Tarifabschlüssen mit dem Boden- und Kabinenpersonal hatte sich die LTU nach 14-stündigen Verhandlungen auch mit der Vereinigung Cockpit auf einen Sanierungsbeitrag der Piloten verständigt.

Laut Cockpit-Sprecher Georg Fongern verzichten die 360 LTU-Piloten unter anderem unbefristet auf 10 % ihrer Bezüge. Laut Cockpit sollen die reduzierten Gehälter bis Ende 2003 eingefroren werden; zudem wird das 13. Monatsgehalt um die Hälfte gekürzt. "Das ist sicher ein Fortschritt auf dem Weg zur Rettung der LTU", kommentierte ein Rewe-Sprecher die Einigung. Die Finanzhilfe könne sich auf bis zu 300 Mill. DM belaufen. Eine exakte Summe könne aber noch nicht genannt werden.

Die Zeit aber wird knapp. "Anfang nächster Woche muss klar sein, wie es weitergeht", sagte ein LTU-Sprecher am Donnerstag. Das Düsseldorfer Unternehmen benötige eine finanzielle Brücke bis zum Einstieg eines Investors.

Mit der Dauer der Rettungsversuche sinkt die Stimmung der Mitarbeiter. Nach einer zweistündigen Belegschaftsversammlung zeigten sich viele der 800 Teilnehmer enttäuscht über fehlende konkrete Zusagen. "Das ganze ist ein Trauerspiel", sagte ein Angestellter der LTU-Airline. "Wir sind genauso schlau wie vorher", ergänzte einer seiner Kollegen.

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