Pilotenstreik bei Air France
In Frankreich droht ein Flugchaos

Kaum geht es europäischen Airlines wieder besser, drohen in Frankreich bereits neue Turbulenzen. Piloten der Air France rufen den Streik aus. Analysten warnen vor steigenden Personalkosten.

cn/ebe PARIS/DÜSSELDORF. Kurz vor dem Jahrestag des 11. September droht Frankreich ein Flugchaos am Himmel. Die 3 900 Piloten der Fluggesellschaft Air France, die noch zu 54,4 % in Staatsbesitz ist, haben vom heutigen Freitag an zu einem viertägigen Streik aufgerufen, der den Flugplan am Wochenende kräftig durcheinander wirbeln wird. Es ist der erste große Ausstand bei einer Airline seit den Terroranschlägen. Air France bietet täglich rund 1 700 Flüge an, hat aber gestern eine krasse Streichung des Flugplans angekündigt: Während des Streiks könnten nur 62 % der Langstreckenflüge, 52 % auf der Mittelstrecke und 70 % aller Kurzstreckenflüge angeboten werden.

Nach Unternehmensangaben fordern die Piloten eine Gehaltserhöhung von 10 %, der Vorstand bietet für die kommenden Jahre aber nur einen Inflationsausgleich an. "Eine solche Erhöhung würde unserer Wettbewerbsfähigkeit erheblich schaden", sagte ein Sprecher der Airline. Die Gehälter der Air-France-Piloten lägen bereits 6 % über dem Durchschnitt der Hauptkonkurrenten British Airways, Lufthansa und KLM. Der Tarifvertrag mit den Piloten lief eigentlich im September 2001 aus, wurde aber wegen der weltweiten Luftfahrtkrise zweimal - über Zwischenlösungen - verlängert. Dadurch seien die Pilotengehälter bereits um 7,3 % gestiegen, hieß es bei Air France.

Auch das Bodenpersonal will sich an dem Ausstand beteiligen. Deren Gewerkschaften reagieren damit auf das Scheitern der Verhandlungen über ein neues Sozialstatut. Jean Raffin, Präsident der Gewerkschaft Spac, gab sich überzeugt: "Unser Streikaufruf wird massiv befolgt werden." Eine Rolle spielt auch die angekündigte Privatisierung, bei der Frankreich seinen Staatsanteil bald auf unter 20 % senken will.

Abgesehen von den Einnahmeausfällen äußern Luftfahrt-Analysten vor allem die Befürchtung, dass Air France finanzielle Zugeständnisse machen muss. "Die große Sorge ist die Unsicherheit, die dieser Streik heraufbeschwört", sagte Jonathan Wober, Analyst der Deutschen Bank in London. Die Auseinandersetzungen könnten zu höheren Gehältern und entsprechend höheren Personalkosten führen - stets der wunde Punkt bei vielen etablierten Fluggesellschaften.

Air France hatte sich von den Terrorfolgen des 11. September zunächst schneller erholt als viele Mitbewerber, weil der Konzern am stärksten von den Konkursen der Fluglinien Swissair und Sabena profitierte und vor allem lukrative Afrika-Strecken ausbaute. So hielt sich die Fluglinie selbst während der verschärften Rezession in der Gewinnzone und blieb damit weltweit eine Ausnahme in der Branche.

Für die Investmentbank Merrill Lynch gehört Air France zu den am besten positionierten Fluglinien in Europa. Die Bank lobt vor allem die kürzlich beschlossene Kooperation zwischen den US-Carriern Continental und Northwest Airlines mit dem Air-France-Partner Delta Air Lines. "Strategisch ist die Vereinbarung sehr positiv für Air France - vor allem wenn man die Schwierigkeiten der Air-France-Konkurrenten im US-Markt bedenkt", sagte ein Merrill-Lynch-Analyst.

Knapp ein Jahr nach den Terrorattentaten sehen einige Airline-Experten jedoch die Lufthansa wieder in der Position des europäischen Marktführers. Die deutsche Airline hob kürzlich ihre operative Gewinnprognose für 2002 deutlich auf 500 Mill. Euro an. Lufthansa habe "in diesem Quartal bessere Ergebnisse abgeliefert als Air France", bestätigte Martin Borghetto von Morgan Stanley. Air France vermeldete am Mittwoch Gewinneinbußen von 18,5 % für das erste Geschäftsquartal 2002/2003 (per Ende Juni). Das operative Ergebnis brach deutlicher ein. Es fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 34,8 % auf 165 Mill. Euro. Die Aktien von Air France fielen im Angesicht des Streiks gestern um zeitweise 6 % auf 11,60 Euro.

Deutsche Bank-Analyst Wober sieht Air France jedoch allenfalls kurzfristig in der Bredouille - unter einer Voraussetzung: "Sie müssen jetzt zeigen, dass sie ihre Kosten im Griff behalten können - vor allem die Personalkosten."

Quelle: Handelsblatt

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