Pilotprojekt für eigenständige Gebrauchtwagentochter im Konzern umstritten
Daimlers lahme Motormeile

Daimler-Chrysler tritt mit dem Projekt Motormeile als freier Gebrauchtwagenhändler auf. Doch der Verkauf auf großen Flächen frei nach US-Vorbild geht bisher nicht auf. Der Ausbau der Motormeile stockt.

MÜNCHEN/STUTTGART. "Junge Gebrauchtwagen hinterhergeworfen", dudelt die Radiowerbung von Motormeile mehrmals morgens zwischen sieben und neun in Bayern 3. Motormeile? Dahinter steckt ein Pilotprojekt von Daimler-Chrysler. Außerhalb von München werden Gebrauchtwagen auch von konzernfremden Marken auf großer Fläche verkauft. Die verstärkten Werbeaktivitäten deuten darauf hin, dass Motormeile ein Jahr nach Aufnahme des Betriebs rund 20 Kilometer nördlich von München nicht bekannt genug ist.

Mit der Motormeile hat Daimler-Chrysler ein "innovatives Konzept gestartet", sagt ein Sprecher der Daimler-Vertriebsorganisation Deutschland in Berlin. Bisher konzentrierten sich deutsche Autohersteller darauf, die gebrauchten Fahrzeuge der eigenen Marken anzubieten. Die Motormeile dagegen wolle zu 60 % fremde Marken anbieten - junge Fahrzeuge mit einem Kilometerstand unter 40 000. Rund 1 Million Wagen verkaufen freie Autohändler jedes Jahr in Deutschland. "Wir wollen uns von diesem Kuchen ein gehöriges Stück abschneiden", verkündete Eckhard Panka, Daimler-Chrysler-Vertriebschef in Deutschland vor einem Jahr.

Doch die Strategie kommt bei den Kunden bisher nicht richtig an. Während der Parkplatz beim direkt gegenüber gelegenen Ikea in Eching zum Bersten voll ist, verlieren sich nicht einmal drei Kunden auf der fußballfeldgroßen Freifläche und in der riesigen Halle von Motormeile. Nur ein Verkäufer redet mit einem Kunden, der für seine Tochter ein erstes Auto sucht. "Unter 7000 Euro - das ist ein Super-Deal, in der letzten Woche habe ich sieben Stück verkauft", sagt der Verkäufer. Der Kunde kauft einen Fiat Punto, keinen Smart, von dem über zwanzig Stück direkt am Eingang stehen. Interessenten für die Oberklassemodelle mit Preisen über 50 000 Euro sind an diesem Nachmittag weit und breit nicht zu sehen.

Geschäftsführer Hans-Joachim Bayer darf zum bisherigen Geschäftsverlauf nichts sagen - auf Anweisung des Konzerns, wie er sagt. Der Daimler-Sprecher in Berlin sieht keine Flaute bei der Motormeile. Er sagte dem Handelsblatt: "Wir sind mit dem ersten Rumpfgeschäftsjahr zufrieden." Die Motormeile habe 1100 Gebrauchte verkauft, 100 mehr als geplant. "Dieses Jahr sind 2000 Fahrzeuge das Ziel". Wenn man dies erreiche, dann werde die Motormeile in die Gewinnzone kommen. 2005 will die Motormeile, in die 1,6 Mill. Euro investiert wurde, 4000 Fahrzeuge verkaufen.

Aus dem Konzern dagegen kommen andere Informationen. "Bislang läuft die Motormeile nicht zufriedenstellend und wir beobachten die Entwicklung sehr genau", sagte ein hoher Vertriebsmann. Die Gründe sieht er dabei nicht nur im derzeit rückläufigen Gebrauchtwagenmarkt, sondern auch im Konzept. Die Fläche der Motormeile sei zu groß und zu wuchtig.

Noch vor einem Jahr sagte Vertriebschef Panka, dass im Erfolgsfall das Konzept auf Deutschland und Europa ausgedehnt werden soll. Doch die ursprünglich allein in Deutschland geplanten sechs Motormeile-Märkte stehen schon jetzt nicht mehr zur Debatte. Ein Ausbau sei nicht geplant, heißt es in Konzernkreisen.

Unter den KfZ-Händlern überrascht das niemanden. Dort gibt es seit langem Zweifel, ob der Verkauf auf großen Flächen nach US-Vorbild hier zu Lande funktioniert. "Wenn Konzepte wie die Motormeile aufgingen, wären sie längst weit verbreitet", sagt Helmut Blümer vom Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes. Automobilprofessor Ferdinand Dudenhöffer sagt, dass Gebrauchtwagenmärkte Kunden nur anlocken, wenn sie ein verlockendes Angebot haben. Voraussetzung dafür seien gute Einkaufsquellen: "Gegenüber den langjährigen Gebrauchtwagenprofis haben Hersteller kaum eine Chance, an die guten Quellen zu kommen."

BMW schreckt die Erfahrung des schwäbischen Konkurrenten indes nicht. Die größte Niederlassung in München baut gerade ein großes Gebrauchtwagencenter im Norden der Stadt. Dort werden neben eigenen Marken auch fremde angeboten.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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