Pilotprojekt gestartet
Universal und Sony verkaufen Individual-Sampler

Im Kampf gegen rückläufige Verkaufszahlen wollen die Musikkonzerne Universal Music und Sony Music nun auch einzelne Lieder auf einer vom Kunden zusammengestellten CD verkaufen. Bis zu 15 Titel unterschiedlicher Interpreten könnten Kunden sich künftig im Handel auf eine so genannte Individual-CD brennen lassen, teilten die Unternehmen am Dienstag zum Start eines Pilotprojekts in dem Lübecker Medienkaufhaus Pressezentrum mit.

Reuters BERLIN. Die Kunden hätten dort die Wahl zwischen 20 000 Titeln, die sie mit einem tragbaren Minicomputer per Laser-Scanner einlesen könnten. Künftig sollten aber eine Million Titel zur Verfügung stehen. Pro Lied würden 99 Cent berechnet, hinzu kämen zwei Euro für jede CD. Innerhalb von vier bis fünf Minuten nach dem Bezahlen könnten die so identifizierten Lieder auf eine CD gebrannt werden, teilte die Lübecker Firma IMHG mit, die Technologie und Konzept für das Pilotprojekt entwickelt hat.

Es gebe bereits Gespräche mit weiteren großen Mitbewerbern, sich an dem Projekt zu beteiligen, sagte Mic Jogwer, Leiter der Abteilung New Business bei Sony Music Media. Darunter seien die Musiksparten von AOL Time Warner und Bertelsmann ÄBERT.ULÜ, Warner Music und BMG, sowie der Musikkonzern EMI. Ziel sei es, innerhalb von sechs bis neun Monaten weitere Modellversuche in anderen Handelshäusern zu starten, sagte Jogwer.

Zwei große Handelsketten hätten bereits Interesse an einer Einführung des Konzepts geäußert, sagte Oliver Salzmann von IMHG. Denkbar sei auch, Computer an Tankstellen, in Hotels und Copyläden aufzustellen, an denen sich Kunden ihre CDs selbst brennen könnten.

Die Individual-CD sei eine Chance für den Einzelhandel, einen Teil des an das Internet verloren gegangene Umsatzes zurückzugewinnen, teilten Universal und Sony Music weiter mit. Es bestehe nicht die Gefahr, dass die Möglichkeit, einzelne Lieder auszuwählen, den Absatz von Alben senken werde, sagte Jogwer. Konsumenten, die nur an einzelnen Liedern interessiert seien, würden sich diese Titel derzeit anders, etwa durch Raubkopien beschaffen.

Zudem ist nach Angaben Jogwers geplant, auch bei den Individual-Cds einen Kopierschutz zu installieren. Die Anbieter müssten sich aber noch auf eine Software einigen. IMHG zufolge ist dies bei einmal beschreibbaren CDs dagegen technisch nicht möglich. Die Musikindustrie macht das nicht autorisierte Herunterladen von Musik über Internet-Tauschbörsen und den Tausch von Musik-Dateien von Internet-Nutzern untereinander mit für den Einbruch ihrer Verkaufszahlen verantwortlich.

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