Pinkwart soll FDP-Chef in NRW werden
Chaos-Forscher fordert Möllemann heraus

Andreas Pinkwart (42) kennt sich mit chaotischen Zuständen bestens aus: Eines der Hauptwerke des Wirtschaftswissenschaftlers beschäftigt sich mit "Chaos und Unternehmenskrisen" bei kleinen und mittleren Betrieben.

ddp DÜSSELDORF. Der Showdown im seit Monaten schwelenden Machtkampf zwischen FDP-Chef Guido Westerwelle und seinem Ex-Vize Jürgen Möllemann findet am 7. Oktober statt. Auf einem Sonderparteitag wird sich die politische Zukunft Möllemanns entscheiden, wenn sich der umstrittene nordrhein-westfälische FDP-Chef seiner Basis stellt. Mittendrin in der «Sache unter Männern» steht dann auch Möllemanns Stellvertreter Andreas Pinkwart: Das bisher politisch eher unbeschriebene Blatt tritt gegen ein politisches Schwergewicht an, das als großer Taktiker gilt und das man nie zu früh abschreiben sollte.

Der mediengewandte Möllemann wunderte sich nach der entscheidenden Sitzung des FDP-Vorstandes am Montagabend öffentlich, dass er "von seinem Bundesvorsitzenden seinen Stellvertreter als Gegenkandidat" präsentiert bekomme. Pinkwart hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den Tagungsort, ein Hotel im Düsseldorfer Süden, verlassen. Nur kurz war er nochmal vor die Kameras getreten und hatte die von Möllemann und ihm für den Sonderparteitag angekündigten Vertrauensfragen als «sehr gebotenes Instrument» bezeichnet. Nun wird er im Landesverband seine Truppen sammeln müssen.

Nicht ungeschickt begann er damit direkt nach dem Tag der Entscheidung, am Dienstag. Im "ARD-Morgenmagazin" warnte er davor, das im Vergleich der Landesverbände gute Wahl-Ergebnis der NRW-FDP allein Möllemann zuzuschreiben. Zugleich verwies er auf eigene Erfolge: Er habe für die Liberalen das beste Zweitstimmenergebnis in NRW mit 12,4 Prozent geholt und sei in den Bundestag eingezogen.

Unterstützung bekommt Pinkwart nicht nur aus mehreren Kreisverbänden insbesondere im Rheinland, sondern auch prominent aus dem Bundesvorstand. FDP-Bundesschatzmeister Günter Rexrodt warnte schon am Morgen nach der Vorstandsentscheidung davor, Pinkwart zu unterschätzen. Dieser sei "kein unbeschriebenes Blatt" und fast schon liberales Urgestein.

Dies gilt sicher für den parteiinternen Führungszirkel: Der Professor für Betriebswirtschaftslehre war bereits von 1997 bis 1999 Mitglied des Bundesvorstandes der Partei und gehört diesem wieder seit dem vergangenen Jahr an. Und auch als Büroleiter des früheren Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion, Hermann-Otto Solms, sammelte er bundespolitische Erfahrung. Pinkwart war zudem Mitautor des Steuerreformkonzepts der Liberalen.

Im Landesverband hatte in den vergangenen Jahren aber Möllemann alle anderen Politiker überstrahlt. "Mister 18 Prozent" galt spätestens nach dem Erfolg bei der Landtagswahl vor zwei Jahren als Erfolgsmodell und war damit gleichsam unantastbar. Selbst in der ersten Runde des Antisemitismus-Streits um den umstrittenen Landtagsabgeordneten Jamal Karsli konnte er sich noch auf die Unterstützung seiner Hausmacht verlassen, die - wenn auch zähneknirschend - zu ihm hielt.

Pinkwart machte damals schon mit sanfter Kritik an Möllemann auf sich aufmerksam. Im Karsli-Streit drängte er auf eine «schnelle Lösung» und bemängelte früh die umstrittenen Äußerungen des Neuzugangs der FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag. In der Debatte um den Vorsitz der Bundespartei warf er Möllemann bereits vor zwei Jahren vor, «nicht teamfähig und berechenbar genug» zu sein.

Pinkwart bringt - neben der Unterstützung aus Berlin - weitere Vorteile mit. Mit dem 42-Jährigen würde ein Generationswechsel in der NRW-FDP eingeleitet. Der 57-jährige Möllemann wird hingegen bei der nächsten Landtagswahl über 60 sein. Pinkwart könnten zudem die dauernden Quertreibereien des Landesvorsitzenden zu Gute kommen, die auch im Landesverband zunehmend für Unruhe sorgen. Zudem hat Möllemann als Vater des "Projekts 18" den Nimbus des Siegers mit dem Debakel bei der Bundestagswahl verloren - auch wenn sein Landsverband überdurchschnittlich gut abgeschnitten hat.

Der 1960 im rheinischen Seelscheid bei Siegburg geborene Pinkwart ist seit 1992 Vorsitzender des Kreisverbandes Rhein-Sieg. Im selben Jahr kam er in den Landesvorstand, dessen stellvertretender Vorsitzender er seit 1996 ist. Der Ökonom, der in Alfter bei Bonn wohnt, hatte nach dem Abitur zunächst eine Lehre als Bankkaufmann gemacht und danach Betriebs- und Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Münster und Bonn studiert. Pinkwart ist heute Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Siegen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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