Pionier des Call-by-Call-Geschäfts stellt Insolvenzantrag - Analysten erwarten Rückzug weiterer Anbieter
Preiskrieg am Telefonmarkt treibt Teldafax ins Aus

Billig-Telefonanbieter wie Teldafax stehen vor dem Aus: Die Deutsche Telekom will ihnen die gemieteten Leitungen sperren, falls sie ihre Schulden nicht zügig begleichen.

slo/se DÜSSELDORF. Das am Neuen Markt notierte Telekomunternehmen Teldafax AG hat gestern ein Insolvenzverfahren wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beantragt. Die Deutsche Telekom will dem Marburger Unternehmen die Leitungen kappen, falls es seine Rechnungen nicht bezahlt. Nach Angaben aus Branchenkreisen belaufen sich die Außenstände auf mehr als 85 Millionen DM.

Teldafax ist das bisher prominenteste Opfer der Konsolidierungswelle am Call-by-Call-Markt. Call-by- Call bedeutet, dass sich der Kunde vor jedem Gespräch den billigsten Anbieter aussucht. Als einer der ersten Telekomdienstleister war im Herbst 2000 Gigabell zahlungsunfähig geworden. Anfang Februar schaltete die Telekom die Leitungen der Star Telecom ab, weil die Firma wochenlang die Mietleitungen nicht bezahlt hatte. Und am vergangenen Freitag stellte Teldafax-Konkurrent Callino aus München einen Insolvenzantrag.

Die Call-by-Call-Anbieter, die den Wettbewerb auf dem Telekommarkt in Gang gebracht haben, stehen heute alle vor dem gleichen Problem:Mit Call-by-Call lässt sich kein Geld verdienen. Seit der Öffnung des Marktes haben sich die Anbieter einen beispiellosen Preiskrieg geliefert. Innerhalb von nur drei Jahren sind die Preise für Ferngespräche um mehr als 80% gesunken. Doch die so genannte Interconnection-Gebühr, die Miete, die Anbieter wie Callino und Teldafax für die Telekom-Leitungen zahlen, ist relativ hoch geblieben. Den Unternehmen bleibt darum am Ende nur eine hauchdünne Marge. Einige Telekomfirmen zogen schon die Notbremse:Drillisch verkaufte die Festnetzsparte im vergangenen Jahr; Debitel verabschiedete sich vom Call-by-Call-Geschäft. Und bei Unternehmen wie Arcor, Otelo und Mobilcom wird es ohnehin zunehmend unwichtiger.

Die Teldafax-Aktie wurde gestern vom Börsenhandel ausgesetzt. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel sieht Anhaltspunkte für Insidergeschäfte. Der Kurs war bis Freitag bereits auf einen halben Euro abgestürzt. Anfang 1999 war die Aktie noch 60 Euro wert.

Das Unternehmen teilte gestern mit, der Insolvenzverwalter werde versuchen, die Abschaltung gemeinsam mit dem Neueigentümer World Access Inc., Atlanta, zu verhindern. In der Branche kursieren jedoch Gerüchte, dass World Access selbst kurz vor dem Konkurs steht. UBS Warburg hatte vor einer Woche mitgeteilt, die Verschuldung des Unternehmens zu untersuchen.

Analysten erwarten, dass künftig auch die anderen großen Anbieter wie Arcor, Otelo und Mobilcom nicht mehr lange im Call-by-Call- Geschäft bleiben."Selbst wenn sie jetzt ihre Marktanteile ausbauen, bringt ihnen das nichts, denn sie verdienen nichts an Call-by-Call", sagt Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. Nur wenn sich Preiserhöhungen durchsetzen ließen, hätte Call-by-Call noch eine Zukunft. Dazu müsste Mobilcom als Marktführer als Erster die Tarife anheben.

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