Pionier MP3.com will positiven Cashflow bis Jahresende erreichen
Unabhängige Web-Musikanbieter hoffen auf das schnelle Ende von Napster

Das Ende von Napster und Verträge mit den großen Musikfirmen vor Augen, schöpfen die legalen Musikanbieter im Web neue Hoffnung. Doch bis dahin müssen sie mit Serviceangeboten mühsam Geld verdienen.

HB DÜSSELDORF. Die unabhängigen Web-Musikseiten kämpfen gegen die Zeit - die Zeit bis zur Schließung der Tauschbörse Napster . Napster, Hauptkonkurrent der Download-Seiten, soll unter der Regie von Bertelsmanns Musiktochter BMG bis Anfang Juli zu einer kommerziellen Musikplattform umgewandelt werden. Von der gerichtlich erzwungenen Schließung des kostenlosen Napster-Angebots erhoffen sich alle Web-Musikanbieter einen Schub für ihren Markt.

Das gilt ganz besonders für die MP3.com. Zwar musste das Unternehmen aus dem kalifornischen San Diego für das erste Quartal dieses Jahres einen stark erhöhten Nettoverlust von 46,1 Mill $ (0,69 $/Aktie) ausweisen. Doch hier spiegeln sich in erster Linie Zahlungen aus gerichtlichen Vergleichen wegen Copyright-Verletzungen wider. Ohne Akquisitionen und Strafen hätte der Verlust 2,2 Mill. $ (0,03 $/Aktie) betragen, verglichen mit 8,4 Mill. $ (0,13 $) im Vorjahresquartal.

Der Umsatz lag allerdings wegen der Flaute im Werbemarkt mit 21,8 Mill. $ knapp unter den 22 Mill. $ des vierten Quartals 2000. Trotzdem will MP3.com in diesem Jahr ein Umsatzplus von 25 % und im vierten Quartal einen positiven Cashflow erreichen.

300 Millionen $ Schaden pro Jahr durch Napster

Doch längst nicht alle Anbieter bringen so viel Substanz mit wie MP3.com. Im Juli 2000 hatte die Emusic.com den ersten abonnierbaren Download-Service für Musik im Internet gestartet. Neun Monate später, im April 2001, war alles vorbei: Branchengigant Universal Music sammelte die Reste von Emusic für 0,57 $ pro Aktie ein. Die Kunden wollten für unbekannte Musik nicht bezahlen, da sie bei Napster alles umsonst haben konnten. Das ist ein erneuter Beweis dafür, wie sehr Napster die Musikbranche weltweit durcheinander gewirbelt hat. Anfang des Jahres 2001 waren 64 Millionen Nutzer bei Napster registriert, um dort Musiktitel kostenlos per Internet zu tauschen. Nicht zuletzt auf diese Kunden äugen nun die freien Anbieter. Denn die Konzerne haben erfolgreich gegen Napster geklagt und dabei behauptet, ihnen entstünde durch Napster Schaden von mindestens 300 Mill. $ pro Jahr.

Die verbliebenen freien Internet-Musikdienstleister hoffen, solange durchzuhalten, bis die Musikkonzerne die Superstars über ihre Handelstöchter "Musicnet" (Warner, Emi, BMG) und "Duet" (Universal, Sony) zum Online-Verkauf freigeben. Denn dadurch erhielten auch Spezial-Anbieter die Chance, ohne Verletzung von Urheberrechten auf die Kataloge der großen Konzerne zuzugreifen und die Titel per Web zu offerieren. Dies jedenfalls erwartet Patrick Schlie, Marketingchef von Besonic. Die Hamburger Besonic AG bietet ein MP3-Musikabo an. Allerdings gibt es die Musik noch nicht zum Herunterladen. Die Titel werden einmal im Monat gesammelt auf einer CD zugeschickt.

Ein wichtiger Grund für die Schwierigkeiten von Internet-Musikdienstleistern wie Besonic ist schnell gefunden. Die Internet-Musikprojekte der großen Konzerne sind noch immer nicht mehr als Ankündigungen. Nicht einmal die Fundamentalfrage ist geklärt: Ob es überhaupt ein einheitliches Musikformat geben wird, wie die Kunden es verlangen. "Das ist ein Riesenproblem", räumt Andreas Schmidt von der Bertelsmann E-Commerce-Group ein. Die fünf großen Firmen alleine hätten acht verschiedene Download- und Abrechnungs-Systeme entwickelt. Die Umsätze, die die freien Anbieter generieren, muss man deshalb mit der Lupe suchen. Darauf deuten die Zahlen hin, die die börsennotierte italienische Vitaminic SpA - im Gegensatz zu Besonic - herausrückt. Spärliche 1,9 Mill. Euro Umsatz flossen im abgelaufenen Jahr in die Kassen der Italiener - 1,54 Mill. davon durch Werbung. Von ganz anderem Kaliber sind die Verluste: 24,9 Mill. Euro.

Vitaminic bietet ein Jahresabo ihres Musikkatalogs für 80 Euro an. Bis der Vertrieb an Privatkunden über Internet läuft, hofft Vitaminic wie andere Anbieter auf folgenden Ausweg: Die Italiener wollen sich als Musiklieferant für Web-Firmen und Hardware-Partner wie Hersteller von Handys, MP3-Spielern oder PC etablieren. Diese könnten mit Hilfe von Vitaminic gerade im Jugendmarkt ihre Produkte attraktiver machen. So kooperiert die IMI Web Bank mit dem Musikdienst. Kunden bekommen bei Kontoeröffnung ein Vitaminic-Halbjahresabo.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
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