Pipelines sind voll
Britische Biotechs sind einsame Spitze in Europa

Im Schatten der Branchengrößen aus den USA reifen in Großbritannien und Irland Biotech-Unternehmen, die nach Meinung von Experten dank voller Pipelines und günstiger Bewertungen mehr Kurspotenzial haben. Analysten nennen Unternehmen wie Cambridge Antibody (CAT), Celltech, Acambis oder die irische Elan. "Wenn sich der Markt wieder für Biotechnologie interessiert, ist bei diesen Unternehmen mit Kurssprüngen zu rechnen", sagt Michael Fischer von Medical Strategy.

FRANKFURT/M. Die britische Biotech-Branche konzentriert sich, anders als die deutsche, auf die Produktentwicklung und weniger auf Technologie. Nach einer Untersuchung der Branchenbeobachter von BioCentury sind bereits 38 von britischen Firmen entwickelte Medikamente am Markt. Sieben stehen vor der Zulassung, 13 sind in der klinischen Erprobung. Zudem sind 240 Medikamente in der Pipeline. Das entspricht laut BioCentury der Hälfte der in Europa entwickelten Substanzen. "Außerhalb der USA ist der britische Markt der interessanteste", sagt Jörg Blumentrath, Manager des Biopharma-Fonds bei Activest.

"Interessant ist Cambridge Antibody", sagt Biotech-Analystin Stefanie Philipp von HSBC Trinkaus & Burkhardt. CAT hat mit dem Mittel Humira gegen Arthrose ein Medikament am Markt und sechs in der Pipeline. "Damit hat CAT eine sichere Einnahmequelle", sagt Fischer von Medical Strategy. Analysten zu Folge hat Humira bis 2006 ein Umsatzpotenzial von 1 Mrd. $. Selbst bei konservativer Bewertung sieht das HSBC-Analystenteam den fairen Wert der Aktie deutlich höher, als aktuell an der Börse gehandelt.

Wichtig ist, wie der Übernahmekrieg mit Celltech um Oxford Glykoscience ausgeht. CAT und Celltech haben Gebote abgegeben. "Eine Niederlage könnte Investoren missfallen, weil erst im vergangenen Jahr die Übernahme eines kanadischen Unternehmens misslungen ist", sagt Philipp. Die Entscheidung fällt nicht vor Ende März.

"Konkurrent Celltech ist profitabel und günstig", sagt Fischer. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt mit 2,7 deutlich unter dem Branchenschnitt von fünf bis sechs. Fondsmanager Blumentrath gibt aber zu bedenken: "Erhält Celltech den Zuschlag für Oxford, wären deren 136 Mill. Pfund Cash mit dem Preis von 100 Mill. Pfund teuer erkauft. Strategisch ist der Kauf wenig sinnvoll." Wichtig sei, dass die Entwicklung von CDP870 gegen rheumatoide Arthritis und Morbus Crohn gut laufe. "Dann hat der Wert großes Potenzial. Ansonsten drohen Abschläge, da das Unternehmen nicht sehr diversifiziert aufgestellt ist."

Sehr günstig ist die Aktie der irischen Elan, die vor allem Produkte in den Bereichen Neurologie und Immunkrankheiten erforscht und vertreibt. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis beträgt unter Berücksichtigung der in den letzten Monaten vorgenommenen Produktverkäufe circa zwei - das des Branchenprimus Amgen 13. Elan war Anfang vergangenen Jahres wegen fragwürdiger Bilanzpraktiken in die Schlagzeilen geraten. Die Aktie verlor daraufhin 97 %. "Auch gab es Zweifel, dass Elan Ende dieses Jahres eine Anleihe über 800 Mill. $ würde bedienen können, wenn die Investoren von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen", sagt Fischer. Dieses Risiko sei gebannt. Elan könne wegen Anteilsverkäufen die Anleihe in Cash bedienen. "Elan hat das Zeug zu einer Turnaround-Geschichte", sagt Fischer. Seit dem Tief vor einem halben Jahr hat die Aktie sich zwar fast verdreifacht. "Die schlechten Nachrichten hatten den Preis aber so tief gedrückt, dass immer noch mindestens 200 % Kurspotenzial verbleiben", sagt Fischer.

Kurspotenzial hat auch Acambis. Das Unternehmen ist profitabel und spezialisiert auf Impfstoffe. "Acambis hat von der US-Regierung Aufträge für Impfstoffe gegen Pocken bekommen", sagt Fischer. Das Auftragsvolumen belaufe sich auf über 400 Mill. $. "Dadurch ist Acambis für Jahre profitabel", sagt Fischer. Neue Impfstoffe würden ab 2004 auf den Markt kommen.

Anleger können nach Aussagen der Experten vorsichtig und gezielt in britische Biotechs investieren - müssen sich aber der Möglichkeit plötzlicher Kursverluste bewusst sein. "Denn Nachrichten über den aktuellen Stand der Medikamentenentwicklung können sowohl in die eine als auch in die andere Richtung sehr kursbewegend sein", sagt Fondsmanager Blumentrath.

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