Pischetsrieder ein Jahr im Amt
VW bleibt Riesenbaustelle

Hochkonjunktur haben bei Volkswagen derzeit nur zwei Worte: "Schwierige Zeiten". Ob VW-Chef Bernd Pischetsrieder, sein Personalvorstand Peter Hartz oder der Betriebsratsvorsitzende Klaus Volkert - die Wolfsburger Spitze malt 2003 in Grautönen. Die schlappe Konjunktur hat Europas größten Autohersteller ausgerechnet in einer Übergangsphase erwischt, genau ein Jahr nach Amtsübernahme Pischetsrieders gleicht der Konzern einer Großbaustelle.

HB/dpa WOLFSBURG. Da werden zwei Markenfamilien neu sortiert, alternde Top-Modelle wie der Golf ersetzt, sträflich vernachlässigte Marktlücken mit dem Geländewagen Touareg und dem Minivan Touran geschlossen. Und nach langem Anlauf geht es jetzt endlich auch um das Führungspersonal. Erwischt hat es als ersten im Konzernvorstand den Vertriebs-Chef Robert Büchelhofer. Von einer nahezu endlosen Kette von Attacken entnervt und unter massivem Druck nahm er jetzt seinen Hut.

Knapp zwei Wochen vor der Hauptversammlung am 24. April in Hamburg hat Pischetsrieder erstmals nach außen sichtbar Stärke gezeigt, der schwache Absatz im Konzern trägt so einen Namen. Würde diese Linie folgerichtig fortgesetzt, müsste als nächster der für die Produktion verantwortliche Folker Weißgerber gehen. Nicht ohne Grund dürften schon vor Monaten im Wirtschaftsmagazin "Capital" Informationen lanciert worden sein, dass in den vergangenen drei Jahren von 53 Produktanläufen 48 nicht zum geplanten Zeitpunkt gelangen und Milliardenkosten entstanden. Auch der verpatzte Start des Luxusmodells Phaeton geht zum Teil auf seine Kappe.

Interessant sind gerade diese beiden Positionen aber vor allem angesichts des Neuaufbaus der beiden Markenfamilien unter Führung von VW und Audi. "Wozu braucht man eigentlich Konzernvorstände für Vertrieb und Produktion, wenn die Verantwortung dafür bei den beiden Führungsmarken liegt?" fragt sich ein Branchenkenner. Tatsächlich gibt es bisher keinen Nachfolger für Büchelhofer, dessen Aufgaben Pischetsrieder mit übernommen hat. "Da ist ein Raubtierdompteur gefragt", sagt ein Insider. Der 60 Jahre alte Österreicher habe aber immer größere Schwächen gezeigt und den Streitereien unter den Vertriebsvorständen der Marken zuletzt weitgehend tatenlos zugesehen.

Das nimmt jetzt der VW-Chef zunächst selbst in die Hand und könnte damit einen weiteren Schritt beim Unternehmensumbau tun. Denkbar wäre am Ende eine pyramidenartige Holdingstruktur, in der der Konzern die Führung der Finanzen, von Planung und Entwicklung sowie Strategie und Einkauf behält. VW und Audi als Leitmarken bekämen Zielvorgaben, hätten aber an einer "langen Leine" die volle Verantwortung für ihre "Familien". In letzter Konsequenz würde dies bedeuten, dass es einmal zwei VW-Chefs geben könnte: Einen "Großen" für den Konzern und neben einem für Audi auch einen "Kleinen" für die Marke. Pischetsrieder füllt bisher beide Positionen aus. Aber die Bauarbeiten bei VW sind ja auch noch lange nicht beendet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%