Pischetsrieder trotz schwachen Starts optimistisch
VW will Rekordgewinn wiederholen

Bernd Pischetsrieder bekommt keine Schonzeit. Der künftige VW-Chef rechnet mit weltweit schrumpfenden Automärkten und einem Gewinnrückgang seines Konzerns im ersten Quartal. Während die Börse die VW-Aktie fallen ließ, bleibt Pischetsrieder "durchaus guter Dinge": Im Gesamtjahr will er den Rekordgewinn halten.

stw WOLFSBURG. Den entscheidenden Satz hat sich Bernd Pischetsrieder für den Schluss aufgespart: Behalte der Konzern mit seinen Prognosen Recht, werde Volkswagen "das Rekordergebnis des Jahres 2001 im Jahr 2002 mindestens halten", sagte der VW-Chef während der Bilanzvorlage gestern in Wolfsburg. Voraussetzung dafür sei, dass sich die US-Konjunktur im zweiten Quartal belebt und Westeuropa im Herbst nachzieht.

Vor wenigen Wochen hatte VW noch eine Prognose für dieses Jahr verweigert und damit einige Unsicherheit ausgelöst. Mit dem Ausblick waren die Investoren nun aber auch nicht zufrieden: Die VW-Aktie gab gestern deutlich nach. Im vergangenen Jahr hat der Konzern bei praktisch stagnierendem Absatz den Gewinn deutlich gesteigert (siehe Tabelle). Nach Angaben von Finanzvorstand Bruno Adelt lag die Kapitalrendite bei 9,4 %. Sie hat die Umsatzrendite als wichtigste Steuergröße abgelöst. VW hat sich ein Ziel von mindestens 9 % gesetzt und wird die Marke nach Adelts Einschätzung auch in diesem Jahr übertreffen.

Beim Absatz ist Volkswagen in diesem Jahr noch ein gutes Stück von Rekordmarken entfernt. Im ersten Quartal werde die Markengruppe VW, zu der als weiterer Großserienhersteller auch Skoda gehört, 9 % weniger Autos als im Vorjahreszeitraum verkaufen, sagte Pischetsrieder. Ähnlich schrumpft der Absatz bei den Nutzfahrzeugen. Die zweite Markengruppe mit Audi und Seat wird diese Verluste mit einem Plus von 1,7 % nicht ausgleichen können. Weil gleichzeitig mehr als 100 Mill. Euro in die Sanierung des krisengeschüttelten Argentinien-Geschäfts fließen, wird die Quartalsbilanz Ende März schlechter ausfallen als vor einem Jahr.

Wenn Pischetsrieder trotz der Marktlage den Gewinn halten wolle, bedeute das beträchtlichen Druck auf der Kostenseite, sagte Albrecht Denninghoff, Autoexperte bei der Hypo-Vereinsbank. Außer dem kleinen Polo stünden kaum neue Modelle an, die den Absatz in diesem Jahr ankurbeln könnten: "Mich verblüfft der Optimismus." Die Bilanz 2001 zeige allerdings auch eine Reihe positiver Ansätze auf der Kostenseite.

Nach Adelts Aussage hat VW im vergangenen Jahr 1 Mrd. Euro bei den Herstellkosten gespart. Zwei Drittel gingen auf das Konto des Materialeinkaufs, ein Drittel entfiel auf Personalkosten. Weitere Einsparungen und mehr Flexibilität erhofft sich VW von einer neuen Werksorganisation. Nach dem "Drehscheibenprinzip" soll die Fertigung unterschiedlicher Autos zwischen den Werken leicht zu tauschen sein. Produktionsvorstand Folker Weißgerber sagte, 10 % zusätzliche Investitionen genügten, um in einer Fabrik ein anderes Modell zu bauen.

Einen warmen Regen für die Bilanz brachte im vergangenen Jahr die Umstellung der betrieblichen Altersversorgung auf ein Pensionsfonds-Modell: Der Aufwand für die Altersversorgung ging in der AG um mehr als 400 Mill. Euro zurück. Aus Wechselkursveränderungen stammen 790 (Vorjahr: 593) Mill. Euro Ertrag.

Der Sparkurs bremst offenbar den Ehrgeiz im Nutzfahrzeuggeschäft. Der scheidende Vorstandschef Ferdinand Piech sprach im Rückblick auf seine Amtszeit davon, dass VW auch bei schweren Lkw ein aktiver Spieler sei: "Wie immer die strategischen Handlungsalternativen aussehen." Pischetsrieder bevorzugte jedoch verhaltene Töne: In der Lkw-Branche hätten "fast alle intensiven Handlungsdruck, VW hat ihn nicht". Was mit der Konzernbeteiligung bei Scania in Schweden passiert, ließ er offen. Das Geschäft mit leichten Nutzfahrzeugen werde "immer Kerngeschäft sein". Ein Engagement in der schweren Klasse habe allein den Sinn, dieses Stammgeschäft abzusichern. "Dazu ist es nicht notwendig, dass man alles selbst macht", sagte Pischetsrieder. Er betonte, dass eine Entscheidung nicht akut sei. Auch zu Gerüchten über ein Bündnis mit MAN nahm er nicht Stellung.

Das zweite Dauerthema bei VW, einen Einstieg in die Formel 1, hat Pischetsrieder zu den Akten gelegt. In den nächsten Jahren stehe das nicht zur Diskussion.

Eine weitere Debatte aus der Piëch-Zeit erledigte der scheidende Vorstandsvorsitzende selbst. Nachdem er vor wenigen Monaten noch Übernahmegefahren an die Wand gemalt und öffentlichkeitswirksam Abwehrkonzepte entwickelt hatte, erklärte Piech das Thema gestern für nicht existent: "Die Lage hat sich völlig entschärft." Alle größeren Konkurrenten seien so mit sich selbst beschäftigt, dass "aus dieser Ecke keine Gefahr mehr droht".

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