Pixel für Pixel harte Überzeugungsarbeit
Olympus setzt auf Profi-Fotografen

Für Chris Sluka, Sprecher des japanischen Kameraherstellers Olympus Optical Co Ltd., besteht kein Zweifel: "Wer den Profi-Markt besetzt, ist auch bei den Privatkunden erste Wahl." Deshalb versucht Olympus seit zwei Jahren verstärkt, im Markt für professionelle Fotografen Fuß zu fassen.

SAN FRANCISCO. Einfach ist das nicht: Schließlich teilen die Kamerahersteller Nikon, Canon und Leica das oberste Marktsegment seit Jahren unter sich auf. Sluka weiß, dass die Rivalen ihre Positionen nicht kampflos räumen werden: "Den Profi-Markt zu besetzen, ist das Ziel jedes Kameraherstellers", sagt Sluka. Zwar sind die Umsätze bei den Top-Fotografen im Vergleich zum Massenmarkt gering, doch der Imagegewinn für einen Kamerahersteller, dessen Produkte von Profis benutzt werden, ist ähnlich groß wie der für Autohersteller aus der Formel 1. Schon geringes Wachstum im Profimarkt bedeutet ein deutliches Plus im Massengeschäft.

In diesem Jahr ist das Geschäft mit Profis für Olympus noch um einiges interessanter geworden. Schließlich will der Kamerahersteller beweisen, dass er bei digitaler Kameratechnik professionelle Ansprüche befriedigt. Bei den Hobby-Kameras genießt Olympus bereits einen guten Ruf, auch wenn der Markt insgesamt noch klein ist. So ist Olympus mit einem Marktanteil von 15,6 % zweitgrößter Anbieter hinter Sony mit einem Marktanteil von 23,8 %.

Weniger als 20 Prozent der US-Haushalte besitzen eine Digitalkamera

Doch wenn die Stars der Szene ihre Visionen in Pixel bannen, werden auch noch mehr Amateure dem Film abschwören. Bisher besitzen nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Gartner Inc. weniger als 20 % der US-Haushalte einen digitalen Fotoapparat. Die Kamerahersteller setzen deshalb auf das Weihnachtsgeschäft: "Mehr als 50 % der Kameras werden im Weihnachtsgeschäft gekauft", sagt Andrew Johnson, Analyst bei Gartner. Doch die Marktdurchdringung erfolgt langsam: Nach aktuellen Prognosen sollen erst im Jahr 2006 die Hälfte aller US-Haushalte eine digitale Knipse besitzen.

Hersteller setzt auf Profis

Um neue Kaufanreize für die Privatverbraucher zu schaffen, setzen die Hersteller deshalb auf die Profis. Doch bisher halten die meisten Stars der Top-Agenturen Magnum und VII an traditionellem Film fest. Wie ändert ein Kamerahersteller eine solche Einstellung? Olympus setzt auf die Kreativität und den Willen der Fotografen, an einem prestigträchtigen Projekt mitzuarbeiten. Das Unternehmen sponsorte den vor wenigen Wochen erschienenen Bildband: "A day in the Life of Africa", an dem die nach Angaben des Herausgebers 100 besten Fotografen der Welt mitarbeiteten. Mehr noch: Jeder der 100 ausgewählten Fotografen bekam zwei hochwertige Olympus-Digitalkameras in die Hand gedrückt und eine Schulung in Paris oder New York, bevor sie einen Tag lang versuchten, das Leben auf dem afrikanischen Kontinent abzubilden. Insgesamt investierte Olympus rund 350 000 $ in das Projekt, dessen Erlöse zum Teil in Anti- Aids-Projekte fließen.

"Zwei Drittel der Fotografen haben nie zuvor mit einer Digitalkamera gearbeitet", sagt Gina Privitere, Sprecherin des Herausgebers der Buchserie "A day in the Life of", der bereits 14 Bildbände dieser Art heraus gegeben hat. "Um zu beweisen, dass wir Profi-Standards genügend, müssen die Profis unter Realbedingungen mit unseren Kameras arbeiten", sagt Sluka. Die Überzeugungsarbeit zeigte Erfolg: Rund 90 % der im Bildband veröffentlichen Fotos sind digital, selbst wenn fast alle Fotografen zur Sicherheit ihre vertrauten Film-Kameras mitgebracht hatten.

Kein Sieg auf ganzer Linie

Allerdings: Ein Sieg auf ganzer Linie ist das für Olympus nicht. Zwar ließen sich viele Fotografen von den Vorteilen der digitalen Fotografie überzeugen, doch das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie auf Olympus umsteigen. "Ich habe immer mit Canon-Kameras gearbeitet, und es erscheint mir einfach natürlicher, auch bei der Digitalkamera bei der Marke zu bleiben", sagt Ron Haviv, Preisträger des World Press Photo Awards, der für den Bildband einen Tag lang in Flüchtlingslagern in Uganda unterwegs war. So kann es durchaus sein, dass auch die Rivalen von Olympus von der Marketing-Aktion profitieren.

Quelle: Handelsblatt

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