Pjöngjang verlässt definitiv Atomwaffensperrvertrag: In Korea wartet Bushs nächste Herausforderung

Pjöngjang verlässt definitiv Atomwaffensperrvertrag
In Korea wartet Bushs nächste Herausforderung

Der "Weltpolizist Amerika" kommt nicht zur Ruhe: Gerade erst haben die USA das Regime von Saddam Hussein in die Knie gezwungen, droht in Asien eine neue Eskalation mit einer der "Achsenmächte des Bösen". Die mutmaßliche Atomnation Nordkorea ließ am Donnerstag die 90-Tage-Frist verstreichen, wodurch der im Januar angekündigte Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag wirksam ist.

DÜSSELDORF/TOKIO. Die USA können den Konflikt nun nicht länger herunterspielen. Der seit Oktober schwelende Nuklearstreit mit Nordkorea wirft bereits dunkle Schatten - nicht nur auf Südkoreas Wirtschaft.

Getragen von ihren militärischen Erfolgen im Irak haben die USAam Mittwoch ausdrücklich Nordkorea, den Iran und Syrien aufgefordert, die "richtigen Lehren" aus den Abrüstungskonflikt mit dem Irak zu ziehen. Doch die Niederwerfung des Saddam-Regimes scheint in Nordkorea gänzlich gegenläufige Reaktionen hervorzurufen: "Wir sollten die Lektion vom Irak-Krieg lernen, dass wir eine starke militärische Abschreckung gegen Angriffe mit modernsten Waffen zur Verteidigung haben müssen", hieß es im nordkoreanischen Rundfunk. Der Irak-Krieg zeige, dass Abrüstungsinspektionen keinen Krieg verhinderten, sondern im Gegenteil entfachten, wettert Pjöngjang.

Beobachter halten Nordkorea für ein "sehr viel ernsthafteres und bedrohlicheres Problem für die internationale Stabilität als den Irak", sagte der frühere US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski in einem Spiegel-Interview. Die Lage auf der koreanischen Halbinsel sei "sehr gefährlich", warnt Russlands Vize-Außenminister Alexander Losjukow.

Wie schon im Fall Irak kann Washington nicht auf eine konzertierte Aktion der Uno gegenüber Nordkorea hoffen. Der Uno-Sicherheitsrat hatte sich am Mittwoch lediglich "besorgt" über das mutmaßliche Atomprogramm geäußert. Eine Verurteilung Nordkoreas wegen des Ausstiegs aus dem Atomwaffensperrvertrag war am Widerstand Chinas und Russlands gescheitert. Dies bedeutet eine erneute herbe Schlappe für die Bush-Regierung vor dem Sicherheitsrat innerhalb nur eines Monats. Die US-Regierung demonstriert trotz allem nach außen Gelassenheit: Sie strebe weiter eine friedliche Lösung an und hoffe, dass Pjöngjang sich diplomatischen Bemühungen zur Erörterung seines Atomprogramms nicht verschließe, betonte der amerikanische Uno-Botschafter John Negroponte. Washington will den Konflikt nur multilateral lösen, während Nordkorea auf bilateralen Gesprächen und einem Nicht-Angriffspakt mit den USA beharrt.

Zur Beilegung des Atomstreits erklärte sich Russland gestern bereit, Sicherheitsgarantien gegenüber Nordkorea abzugeben, falls sich die USA und China ebenfalls daran beteiligten. Moskau hat bereits Sechser- Gespräche vorgeschlagen, an denen neben den USA und Nordkorea auch Russland, China, Südkorea und Japan teilnehmen sollen.

Eines ist allen bewusst: Bei der Lösung des Nordkorea-Konflikts ist Eile geboten. Südkorea bekommt die Folgen der schwelenden Krise schon hautnah zu spüren. Die Verunsicherung von Anlegern, Unternehmern und Verbrauchern lähmt die Wirtschaft. Die Auslandsinvestitionen sind im ersten Quartal um die Hälfte eingebrochen. Die koreanische Zentralbank stufte gestern ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2003 von 5,7 auf 4,1% herab.

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