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PKW-Markt hat die Talsohle durchschritten

Im zweiten Halbjahr erwartet der Verband der Automobilindustrie eine bessere Entwicklung. Der Absatz wird vor allem vom Export getragen.

Reuters STUTTGART. Dank eines weiterhin florierenden Exports läuft die Produktion in der deutschen Automobilindustrie trotz eines schwächeren Inlandsabsatzes weiter auf Hochtouren. Der "Autofrühling" sei in Deutschland ausgeblieben, so dass sich der Pkw-Absatz 2001 auf 3,33 Millionen Stück abschwächen werde, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, am Donnerstag in Stuttgart. Der Optimismus habe sich nicht ganz erfüllt. Noch zu Jahresbeginn hatte der VDA mit einem Zuwachs auf 3,5 Millionen zugelassene Personenwagen gerechnet, nachdem der Absatz 2000 um elf Prozent auf 3,38 Millionen eingebrochen war. Dennoch seien von Januar bis Juni in Deutschland 3,006 Millionen Autos produziert worden, um sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor und so viele wie noch nie zuvor.

Im ersten Halbjahr seien mit 2,8 Millionen Pkw sechs Prozent mehr Fahrzeuge von deutschen Bändern gelaufen, sagte Gottschalk. Für das ganze Jahr gehe der VDA von einer Pkw-Produktion von 5,2 Millionen aus, nach 5,13 Millionen im Jahr 2000. Das wären im vierten Jahr in Folge mehr als fünf Millionen. Die heimischen Hersteller lasteten ihre Kapazitäten zu 95 Prozent aus. 68 Prozent der produzierten Pkw gingen ins Ausland. Im ganzen Jahr sei ein Exportrekord von 3,6 (Vorjahr 3,45) Millionen Autos zu erwarten. "Wir sind inzwischen international so gut positioniert, dass es gelungen ist, die Fahrt in zum Teil rauhen Gewässern noch zu beschleunigen", sagte der VDA-Chef. Die höhere Schlagzahl bei der Produktion kommt auch der Beschäftigung zugute: In der Automobilindustrie arbeiteten in Deutschland Ende Juni 762.000 Menschen, 25.000 mehr als vor Jahresfrist.

In Deutschland ging der Absatz zurück

Während in Deutschland seit Jahresbeginn um drei Prozent weniger Autos zugelassen wurden, kletterte der Export um acht Prozent. In Westeuropa kam nach VDA-Angaben zuletzt fast jedes zweite zugelassene Auto aus Deutschland. Der Marktanteil der deutschen Hersteller stieg auf 46,5 von 43,9 Prozent. In den USA haben deutsche Autos einen Marktanteil von neun Prozent. Die Verkaufserfolge im Ausland machten im ersten Halbjahr wett, dass der Absatz in Deutschland hinter den Erwartungen des VDA zurück blieb. Die Steuerentlastung, die die Kaufkraft der privaten Haushalte fördern sollte, sei durch höhere Preise aufgezehrt worden, von denen Autofahrer über den Benzinpreis und die Kfz-Versicherung mehr als andere betroffen seien, erklärte Gottschalk die "Wachstumsdelle auf hohem Niveau". Erst im zweiten Quartal zogen die Zulassungen wieder an. Im Juni wurden in Deutschland fünf Prozent mehr Pkw angemeldet. Nicht zuletzt wegen der kaufanregenden Impulse der Internationalen Automobilausstellung (IAA) im September gehe der VDA für die zweite Jahreshälfte von einer Stabilisierung aus. Für das kommende Jahr rechnet Gottschalk beim Absatz der konjunkturellen Unsicherheiten zum Trotz wieder mit positiven Vorzeichen.

Die deutschen Hersteller waren nach Verbandsangaben von dem Rückgang der Pkw-Zulassungen kaum betroffen. Während die Importe um elf Prozent auf 0,5 Millionen Autos zurückgingen, wurden deutsche Marken mit 1,27 Millionen Wagen knapp ein Prozent mehr verkauft als ein Jahr zuvor, wodurch der Marktanteil auf 72 von 69 Prozent stieg. Gefragt waren dabei vor allem Diesel- Fahrzeuge, deren Verkaufszahlen um 16 Prozent stiegen. Sie erreichten einen Anteil von 37,4 Prozent an der Produktion. "Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir in wenigen Jahren die Hälfte des Absatzes mit Dieselfahrzeugen machen", sagte Gottschalk.

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