Plädoyer für den Abbau von Überstunden
Jagoda: 4,3 Millionen Arbeitslose im Januar möglich

Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, hat einen Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 4,3 Millionen im Januar oder Februar als möglich bezeichnet. "4,3 Millionen wären keine Überraschung", sagte Jagoda am Dienstag am Rande einer Tagung des Deutschen Beamtenbundes in Bad Kissingen.

Reuters/ap BAD KASIINGEN. "Ich schließe das nicht aus. Ich sage aber auch nicht, dass es dazu kommen wird." Der Höchststand der Arbeitslosigkeit werde wahrscheinlich im Februar erreicht sein. Er hoffe, dass die Zahlen danach sehr schnell zurückgingen.

Auch der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Gerd Andres (SPD) hat erklärt, er halte 4,3 Millionen Arbeitslose im Januar für nicht ausgeschlossen.

Im Dezember waren in Deutschland unbereinigt 3,964 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Für das gesamte Jahr 2002 rechnen Bundesanstalt und Bundesregierung mit durchschnittlich 3,8 Millionen Arbeitslosen.

"Überstunden müssen abgebaut werden"

Ein Abbau der Überstunden, mehr Produktivität und mehr Wahlfreiheit bei der Arbeitszeit würden nach Ansicht Jagodas entscheidend zum Abbau der Erwerbslosigkeit in Deutschland beitragen. Zugleich äußerte sich Jagoda besorgt über die unzureichende Qualifizierung junger Leute und vieler Langzeitarbeitsloser.

Der Chef der Arbeitsverwaltung erklärte, Überstunden in einer auf Flexibilität angewiesenen Wirtschaft seien zwar notwendig, doch sei ihre Zahl von 1,8 Milliarden im Jahr eindeutig zu hoch. "Wie werden mit dieser Ressource anders umgehen müssen" forderte Jagoda. Allerdings sprach er sich eindeutig gegen eine gesetzliche Regelung aus. Notwendig sei ein gesellschaftlicher Konsens für den Abbau von Mehrarbeit bei gleichzeitiger Wiedereingliederung Arbeitsloser ins Berufsleben.

Die Massenarbeitslosigkeit kann nach den Worten Jagodas mit Wirtschaftswachstum allein nicht beseitigt werden. Hinzu kommen müssten neben dem Überstundenabbau und einer erhöhten Produktivität der Unternehmen vor allem eine Flexibilisierung der Arbeitszeit, die die Erfordernisse der Wirtschaft ebenso berücksichtige wie die Interessen der Arbeitnehmer. Als positives Beispiel nannte Jagoda seine eigene Behörde: Die Bundesanstalt beschäftige 11 000 mehr Menschen, als sie Planstellen habe, weil Arbeitszeiten zwischen 25 und 95 Prozent der Regeltätigkeit möglich gemacht worden seien. Als hilfreich für solche Modelle nannte Jagoda die in manchen Bereichen bereits eingeführten Lebensarbeitszeitkonten.

Mittel- und langfristig muss aber nach Einschätzung des Präsidenten der Bundesanstalt die Qualifizierung der Deutschen verbessert werden, um eine Teilhabe aller am gesellschaftlichen Prozess zu ermöglichen. Gefordert seien neben dem Staat vor allem die Unternehmen. So seien nur 57 Prozent der Betriebe ausbildungsbefugt, und von diesen böten nur zwei Drittel auch wirklich Lehrstellen an. Ferner müssten die in Deutschland durchaus vorhandenen Begabungsreserven ausgenutzt werden. So seien viele Schüler naturwissenschaftlich durchaus talentiert, doch fehlten ihnen häufig die Zukunftsperspektiven, so dass sie andere Berufe vorzögen.

Von entscheidender Bedeutung ist laut Jagoda auch eine Weiterbilung der 40- bis 50-Jährigen. Er regte an, die Qualifizierung dieser Altersgruppen steuerlich zu fördern. Viel Humankapital in Deutschland werde nicht genutzt, weil die Wirtschaft allzu sehr auf die Jugend setze.

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