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Plädoyer für einen guten Kolonialismus

Francis Fukuyama beschreibt die neuen Aufgaben des Westens

Francis Fukuyama galt lange als ein Vordenker der amerikanischen Neokonservativen. Doch wegen des Irak-Krieges kam es zur Spaltung bei den Theoretikern der neuen US-Außenpolitik: Fukuyama hält den Angriff im Gegensatz zur Mehrheit seiner früheren Mitstreiter für einen Fehler. Mit seinem neuen Buch "Staaten bauen" systematisiert er den Dissens: Nicht militärische Intervention, sondern die Stärkung von Staatlichkeit in Krisenregionen sieht er als Aufgabe der internationalen Gemeinschaft.

Fukuyama stellt pragmatisch fest, dass die Krisen und humanitären Katastrophen in Somalia, Haiti, Kambodscha, Bosnien, Kosovo und anderen Ländern den Westen zum Handeln gezwungen haben. Es sei aber unmöglich, in allen schwachen Staaten, die möglicherweise zerfallen und zu einer Brutstätte des Terrors werden, militärisch einzugreifen.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt geht er auf die aktuellen "Hotspots" Russland, Iran und Saudi-Arabien ein. Ist Russland nicht in bestimmter Hinsicht ein zerfallender Staat? Nein, urteilt Fukuyama, "aber es ist ein schwacher Staat". Es habe "den Tschetschenien-Krieg so brutal geführt, dass die tschetschenischen Rebellen sich radikalisierten und nun Verbindungen zum internationalen Terrorismus haben." Dennoch komme man nicht um die russische Regierung herum.

Saudi-Arabien ist für den Johns-Hopkins-Professor "die wichtigste Brutstätte für islamistische Terroristen, dennoch sehe ich nicht, dass die USA unter Umgehung der dortigen Regierung direkt gegen die Terroristen vorgehen könnten." Für einen noch vorsichtigeren Umgang plädiert er im Falle des Iran: "Einige meiner neokonservativen Freunde sagen immer noch: Wir müssen uns den Iran vornehmen! Aber niemand hört mehr auf sie." Es gebe dort nämlich einfach keine sinnvollen militärischen Optionen.

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