Pläne für Aktien-Besteuerung bedroht die Börsen
Regionalbörsen laufen gegen Steuerpläne Sturm

Die deutschen Regionalbörsen sind über die geplante Verschärfung der Besteuerung von Aktiengewinnen empört.

FRANKFURT/M. "Das würde die Privatanleger von der Börse verdrängen", warnte Christine Bortenlänger, Geschäftsführerin der Bayerischen Börse, gestern auf einem Börsenkongress in Frankfurt. Ähnlich urteilten auch die Chefs der übrigen Regionalbörsen. "Das würde uns kurzfristig auf jeden Fall das Leben schwerer machen", sagte Thomas Ruppelt, Vorstand der Berliner Börse.

Die Bundesregierung will künftig auch Kursgewinne bei Wertpapiergeschäften besteuern, wenn die Titel länger als ein Jahr gehalten werden. Bisher waren die Gewinne ab einer Haltedauer von zwölf Monaten - der so genannten Spekulationsfrist - nicht steuerpflichtig. Sollte dies das Interesse der Privatanleger an Aktien schmälern, müssten die Regionalbörsen mit einem herben Geschäftseinbruch rechnen. Denn die leben im wesentlichen von den Kleinanlegern, institutionelle Anleger handeln vor allem über das Handelssystem Xetra der Deutschen Börse in Frankfurt. "Da bleibt uns die Luft weg", empört sich Bortenlänger. Es sei nicht zu verstehen, dass ein Jahr nach Einführung der Riester-Rente die Kursgewinne besteuert werden sollen.

Die Steuerverschärfung ist nicht die einzige Bedrohung für die acht deutschen Regionalbörsen. Die verschiedenen Ansätze zur Internalisierung machen ihnen zusätzlich das Leben schwer. Internalisierung bedeutet, dass die Banken die Aufträge von Kleinanlegern intern gegen die eigenen Bestände abwickeln - und zwar ohne die Order an eine Börse weiterzuleiten. Eine derartige Plattform startete kürzlich die Deutsche Börse unter dem Namen Xetra Best. Ein ähnliches Modell wollen Anfang nächsten Jahres auch die Börsen Berlin und Bremen gemeinsam mit der US-Technologiebörse Nasdaq unter dem Namen "Nasdaq Deutschland" aufziehen. Trotz des flauen Starts von Xetra Best will die Berliner Börse an den Plänen festhalten, betonte Ruppelt.

Die Chefs der Regionalbörsen sind überzeugt, dass sich die Börsenlandschaft in nächsten Jahren erheblich verändern wird. Der Wettbewerb sei für viele Anbieter "zum "Überlebenskampf geworden", sagte Andreas Willius, Vorstand der Börse Stuttgart. Auch sein Kollege Dirk Elberskirch von der Börse Düsseldorf rechnet mit einer Konsolidierung. "In den nächsten zwei oder drei Jahren werden wir sicher den ein oder anderen Ausstieg erleben". Ebenso wie Elberskirch sind indes auch die übrigen Börsenchefs überzeugt, dass der jeweils eigene Standort nicht in Gefahr ist.

Quelle: Handelsblatt

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