Plakat existierte nur 24 Stunden
Analyse: Meyer stampft das Fahndungsplakat ein

dpa BERLIN. Am Tag nach der Präsentation von "Schröders Verbrecherplakat" konnte Laurenz Meyer nur noch versuchen, den Schaden schnellstmöglich zu begrenzen. Gerade einmal 24 Stunden, nachdem er seine "Provokation" präsentiert hatte, musste der CDU - Generalsekretär die Notbremse ziehen und das Plakat wieder einstampfen lassen. Zu groß waren die Proteste von außen, aber vor allem auch CDU-intern geworden. Der sonst immer betont lockere Meyer versuchte im Konrad-Adenauer-Haus, die Aktion nicht als totalen Flopp darzustellen. Schließlich sei ja nun die Diskussion über den "Rentenbetrug" in Gang gekommen. Aber es half nichts. Und Meyer war sich sichtbar unwohl in seiner Haut. Letztlich musste auch er einräumen, dass "mehr über die Form des Plakats gestritten wurde, als über die Sache".

Eigentlich sollten die drei Bilder des Kanzlers, die wie die Fotos aus einer Verbrecherkartei wirkten, eher nur ein kleiner Gag sein: Ein Auftakt zur großen Rentenkampagne der Union - zwei Monate vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Ein Ausdruck der Wut über den "Rentenbetrüger" und den "Schrott", den die Bundesregierung da in Sachen Renten vorgelegt habe, wie einer aus der Parteiführung sagte. Als Wahlplakat war es nie gedacht. Aber die Medien sollten darauf anspringen, und vor allem die eigene Partei.

Das geschah dann auch, aber ganz anders, als erhofft. Zunächst waren die Macher im Adenauer-Haus noch froh, als die Abendnachrichten am Dienstag darüber ausführlich informierten. Aber dann folgte das Echo. Die Kritik der um ihren Mann besorgten Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf wäre ja noch zu verkraften gewesen, und natürlich auch die Kommentare aus den Reihen der Koalitionsparteien und des Kanzlers selbst. Aber die geradezu vernichtende Ablehnung aus nahezu allen CDU-Landesverbänden kam völlig unerwartet. So etwas hatte noch nicht einmal Meyers Vor-Vorgänger Peter Hintze zu Kohls Zeiten hinnehmen müssen,dessen Rote-Socken-Kampagnen im Bundestagswahlkampf 1994 und 1998 parteiintern auch nicht unumstritten waren.

Meyer muss mit harter Kritik rechnen

Parteichefin Angela Merkel hatte sich viel von Meyer versprochen, als sie ihn gegen seinen eher bedächtigen Vorgänger Ruprecht Polenz im Oktober austauschte. Zur Schärfung des Profils sollte der Mann aus Hamm beitragen. Und flugs kündigte er auch an, dass er sich darauf versteht, mit dem Säbel zu fechten, anstatt nur mit dem Florett. Nun könnte die Zahl seiner internen Kritiker aber sprunghaft wachsen. Meyer hat bislang mit seiner Standfestigkeit kokettiert: "Ich kann verteilen, ich kann aber auch einstecken." Jetzt muss er sie beweisen.

Meyers Rückschlag zeigt aber auch Merkels Dilemma. Sie hatte das Plakat, wie Meyer einräumte, mit abgesegnet - obwohl es eigentlich nicht ihrem Politikstil entspricht. Sie ist mehr für eine "kontrollierte Offensive" und will die Regierung vor allem mit Sachargumenten in die Schranken weisen. Doch sie steht hier unter Druck in der Partei, wo viele eine kräftigere Handschrift wollen. So stimmte sie dem Plakat zu, wohl auch aus Verärgerung, weil der von ihr lange gewollte Rentenkonsens am Ende doch nicht zu Stande kam.

Der Plakatfall trifft die CDU umso härter, weil sie sich in den letzten Tagen im Hinblick auf die Vergangenheit von Außenminister Joschka Fischer und Umweltminister Jürgen Trittin (beide Grüne) als Hüterin besonders strenger Moral zu profilieren versuchte. Und nun diese Bilder vom Kanzler. Auch Meyer räumte ein, dass die Kritik aus dem eigenen Lager, das beides nicht zusammenpasse, mit zu dem Schnellrückzug geführt habe.

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