Plan B tritt in den Vordergrund
Neuer Kirch-Investor wird erst 2004 gesucht

Nach dem Scheitern der Übernahme der Kerngeschäfte der insolventen Kirch Media durch den US-Investor Haim Saban halten Vertreter der Gläubigerbanken eine Wiederaufnahme der Gespräche mit Investoren vor dem nächsten Jahr für unwahrscheinlich.

Reuters FRANKFURT. "Es gibt einen Grundkonsens von allen, dass jetzt erst einmal Ruhe in die Senderfamilie kommen muss", hieß es am Donnerstag in Kreisen der Kreditinstitute. Sich mit Saban oder dem Hamburger Bauer-Verlag schon in den nächsten Wochen wieder zusammenzusetzen, hätte wenig Sinn. "Frühestens Anfang nächsten Jahres" werde wohl wieder nach Käufern für die Senderfamilie Pro Sieben Sat.1 und der Kirch Media-Filmbibliothek Ausschau gehalten. Analysten bezeichneten das Szenario für die Pro Sieben Sat.1-Aktie als unbefriedigend. "Ein Einstieg Sabans wäre die bessere Story gewesen", sagte ein Medienanalyst.

Am Mittwoch war die geplante Übernahme der Reste des Medienimperiums von Unternehmer Leo Kirch, für die Saban mindestens 1,7 Mrd. ? zahlen sollte, wegen zu vieler offener Fragen geplatzt. Beide Seiten traten von dem im März geschlossenen Vertrag zurück. Saban ließ aber durchblicken, dass er noch Chancen auf weitere Verhandlungen mit KirchMedia und den Gläubigerbanken - Bayern, Commerzbank, HVB und DZ-Bank - schon in den nächsten Wochen sehe. Auch der Bauer-Verlag, den Saban Anfang des Jahres mit seinem Angebot ausgestochen hatte, bekräftigte noch einmal sein Interesse.

Plan B jetzt erst einmal im Vordergrund

Die Banken und Kirch Media wollten nun aber erst einmal "Plan B" umsetzen, hieß es in den Kreisen weiter. Demnach bleibt Kirch Media zunächst Großaktionär von Pro Sieben Sat.1 und wird eine notwendige Kapitalerhöhung von 200 bis 300 Millionen Euro mit den Gläubigerbanken etwa je zur Hälfte finanzieren, wenn es nicht genügend Nachfrage von Bezugsrechteinhabern gebe. Die Banken würden sich im Verhältnis ihrer Kredite beteiligen. "Bis zum Herbst sollte die Kapitalerhöhung durch sein".

Von den 1,2 Mrd. ? Schulden der Filmbibliothek würden die Banken wie geplant etwa die Hälfte in neue Kredite umwandeln. Der Rest werde aus der Insolvenzmasse bedient. Der Alternativplan soll den ProSiebenSat.1-Aktionären auf der Hauptversammlung am 16. Juni vorgestellt werden.

Analysten sehen kurzfristig keine Hoffnung für Aktien

Analysten werteten das Scheitern der Gespräche als eher schlecht für die Pro SiebenS at.1-Aktie. "Jetzt geht es genauso weiter, wie in den vergangenen zwei Jahren - sinkende Gewinne, sinkender Kurs", sagte ein Experte, der nicht genannt werden wollte. Dem Unternehmen, das von der Krise auf dem Werbemarkt arg gebeutelt wird und in den vergangene Monaten Marktanteile an den Konkurrenten RTL verloren hat, hätte der Einstieg eines erfahrenen Medienmenschen wie Saban nur gut getan. WestLB-Analyst Stefan Weiss erklärte, bei einer so in Not geratenen Firma werde eher zum Wohle der Gläubiger als der Aktionäre gehandelt. "Wir bleiben skeptisch bis zur HV."

Am Donnerstag machten die im MDax gelisteten Vorzugsaktien ihre Verluste vom Mittwoch aber zum Teil wieder wett und notierten mit rund elf Prozent im Plus bei 4,79 Euro. Vor rund zwölf Monaten waren die Aktien noch über zehn Euro wert gewesen. Saban hatte nach Angaben aus Verhandlungskreisen einen Preis von 7,50 Euro je ProSiebenSat.1-Stammaktie vereinbart.

SABAN ZIEHT ANTRAG AUF BEFREIUNG VON BAFIN ZURÜCK Bei der Bundesaufsichtsbehörde BAFin zog Saban seinen Antrag auf Befreiung von dem Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre von ProSiebenSat.1 zurück. "Die Anwälte von Saban haben den Befreiungsantrag zurückgezogen", sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn. Der US-Investor hatte den Antrag gestellt, um sich von einem im Gesetz vorgesehenen Pflichtangebot befreien zu lassen, das ihn mehrere hundert Millionen Euro zusätzlich gekostet hätte. Eine Sprecherin Sabans erläuterte, dabei handele es sich um einen technischen Vorgang, weil der Befreiungsantrag an den aufgelösten Verkaufsvertrag gebunden wäre.

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