Plan Columbia
Clinton-Besuch in Kolumbien von Gewalt begleitet

Der Kurzbesuch von Bill Clinton in Kolumbien am Mittwoch ist von Anschlägen und gewalttätigen Demonstrationen überschattet worden, nach offiziellen Angaben starben 33 Menschen.

dpa BOGOTA. Der bald aus seinem Amt scheidende US-Präsident wollte mit dem Besuch der Hafenstadt Cartagena an der Karibikküste seine Unterstützung für den Kampf gegen Drogenbanden unterstreichen. Zugleich wies er Kritik an US-Finanzhilfe in Höhe von 1,3 Mrd. $ (2,9 Mrd. DM) überwiegend für militärische Zwecke zurück. "Unsere Hilfe ist keine Hilfe zum Krieg, sondern für den Frieden", sagte Clinton. Die USA würden sich nicht in den inneren Konflikt Kolumbiens einmischen. "Dies ist kein Vietnam, und von Yankee-Imperialismus kann keine Rede sein", betonte er.

Die USA liefern unter anderem 60 Hubschrauber und entsenden Militärausbilder für den Dschungelkrieg. Der "Plan Colombia" der Regierung von Präsident Andres Pastrana sieht Ausgaben von insgesamt 7,5 Mrd. $ für die Vernichtung von Drogenplantagen sowie für soziale Ausgleichsmaßnahmen vor. Pastrana dankte für die Hilfe und sagte die Achtung der Menschenrechte zu. Clinton hatte die US-Hilfe freigegeben, obwohl der US-Kongress diese mit bisher unerfüllten Bedingungen zur Einhaltung der Menschenrechte verbunden hatte. Clinton betonte die Bedeutung des Kampfes gegen die Herstellung und den Schmuggel von Drogen. Etwa 80 % der Weltkokainproduktion kommen derzeit aus Kolumbien. "Unsere Hilfe wird bei der Zerstörung von Drogenplantagen helfen", sagte der Präsident.

Viele der Koka- und Mohnfelder liegen jedoch in Rebellengebiet. Die linken Rebellengruppen und rechte Todesschwadronen finanzieren sich zum Teil aus Schutzgeldern der Drogenhändler. Kritiker warnen deshalb, der Plan werde die seit 40 Jahren andauernde Gewalt weiter anheizen. Unklar ist vor allen Dingen, wie die Drogenbanden bekämpft werden können, ohne den Friedensprozess mit den linken Rebellengruppen zu torpedieren.

Bei einer Rebellenoffensive aus Protest gegen Clinton starben in anderen Landesteilen mindestens zwölf Menschen. Bei einer Demonstration gegen Clinton in der Hauptstadt Bogota erlitt ein Polizist tödliche Kopfverletzungen. Das Militär berichtete, bei einem Gefecht mit der größten Rebellengruppe, den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC), seien 20 Rebellen getötet worden. Die FARC kritisierten den Besuch als Beweis einer "Intervention der USA in Kolumbien". Sie führen seit Anfang 1999 Gespräche mit der Regierung über ein Ende der Gewalt. Ihre Anschläge, Überfälle und Entführungen gingen jedoch unvermindert weiter.

Sorge hat der "Plan Colombia" und die US-Militärhilfe auch in den Nachbarstaaten Brasilien, Venezuela, Ecuador und Peru ausgelöst. Sie befürchten einen möglichen "Export" des Guerilla- und Drogenkonflikts durch eine Verschärfung der Bekämpfung in Kolumbien. Außerdem wurde eine Welle neuer Flüchtlinge befürchtet. Clinton flog noch in der Nacht zum Donnerstag in die USA zurück.

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