Plan soll bald umgesetzt werden
Taliban-Chef: Unser Ziel ist die Zerstörung der USA

Der Anführer der afghanischen Taliban, Mullah Mohammed Omar, zeigt sich trotz der Serie von Niederlagen unbeugsam. In einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview mit dem paschtu- sprachigen Dienst der BBC drohte er: "Die gegenwärtige Lage in Afghanistan muss in einem größeren Zusammenhang gesehen werden - und das ist die Zerstörung Amerikas." Das Interview wurde nach Angaben der BBC am Mittwoch aufgezeichnet.

dpa/afp LONDON. Mullah Omar lehnte darin ausdrücklich eine Beteiligung der Taliban an einer künftigen Regierung auf breiter Basis ab. Die Taliban würden lieber sterben, als sich an solch einer "bösen Regierung" zu beteiligen. Schon seit 20 Jahren seien die Versuche gescheitert, in Afghanistan eine breit gefächerte Regierung zu errichten.

Nach seinen Angaben haben die Taliban noch die Kontrolle über "vier oder fünf" Provinzen. "Aber es ist egal, ob wir eine oder 20 Provinzen kontrollieren", sagte er unter Hinweis auf den schnellen Wechsel von Eroberungen und Verlusten bei den internen Machtkämpfen in Afghanistan. In den von der BBC veröffentlichten Interview- Auszügen fehlte eine früher zitierte Äußerung, wonach die Taliban weiterhin die südliche Stadt Kandahar beherrschten.

Auf die Frage, warum seine Kämpfer aus den großen Städten geflohen seien, sagte Mullah Omar, das habe etwas mit "der größeren Aufgabe" zu tun. Die "Ausrottung Amerikas" sei keine Fragen von Waffen, erläuterte er.

"Es ist eine große Aufgabe, die jenseits des Willens und des Verständnisses der Menschheit liegt. Der Plan geht voran und wird, so Gott will, umgesetzt werden. Mit Gottes Hilfe hoffen wir, dass dies innerhalb einer kurzen Zeit geschehen wird. Behalten Sie diese Voraussage im Gedächtnis."

Der mutmaßliche Terroristenführer Osama bin Laden will laut den Taliban "lieber sterben als von den Amerikanern gefangen werden". Die USA würden bin Laden "niemals lebendig fangen", sagte Taliban-Sprecher Mullah Abdullah der afghanischen Nachrichtenagentur AIP in Islamabad. Zugleich dementierte er Berichte, wonach die USA bin Laden bereits gefasst haben sollen.

Derweil warnte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in der "New York Times" vom Donnerstag, bin Laden könne in einem Hubschrauber aus Afghanistan fliehen. Pakistan verschärfte eigenen Angaben zufolge die Sicherheitsvorkehrungen an seinen Grenzen zu Afghanistan, um eine mögliche Flucht bin Ladens zu vereiteln. Trotz der Angriffe der oppositionellen Nordallianz auf die südafghanische Taliban-Hochburg Kandahar seien Milizführer Mullah Mohammed Omar und Bin Laden wohlauf, teilten die Taliban mit.

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