Plan zum Schuldenabbau
Telekom will Tochter VoiceStream verheiraten

Die US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom hat Interesse an einer Fusion mit dem zweitgrößten US-Anbieter Cingular Wireless. Auch die Verhandlungen mit AT&T dauern an.

Reuters NEW YORK. Die US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, VoiceStream, hat einem Bericht des Wall Street Journal zufolge Interesse an einer Fusion mit dem zweitgrößten US-Anbieter Cingular Wireless.

Unter Berufung auf verhandlungsnahe Kreise schreibt die Zeitung am Dienstag, VoiceStream habe dabei seinem Konkurrenten die Position des Mehrheits-Gesellschafters angeboten. Die Verhandlungen befänden sich aber noch in der Anfangsphase. Das VoiceStream-Angebot kommt zu einer Zeit, da der umkämpfte 67 Milliarden Dollar schwere US-Mobilfunkmarkt Analysten zufolge vor einer Konsolidierung steht und mit einer Unterstützung seitens der US-Regierung zu rechnen sei.

Fusion nicht ohne Widerstände

Ein Zusammenschluss von Cingular und Voicestream dürfte sowohl bei den Wettbewerbsbehörden als auch bei den Mehrheitsaktionären von Cingular, SBC Communications und BellSouth auf Widerstand stoßen.

Vor einigen Wochen hatte die Telekom-Tochter bereits mit ihrem US-Mitbewerber AT&T Wireless, Branchengröße Nummer drei, über eine Fusion gesprochen, ohne zu einem Ergebnis zu gelangen. Die Gespräche hielten aber noch weiter an, hieß es in dem Zeitungsbericht weiter.

Die Deutsche Telekom wird voraussichtlich am Mittwoch ihre Quartalszahlen vorlegen. Die Absicht, ihre US-Tochter mit einem anderen Unternehmen zu fusionieren, sehen Analysten als Versuch, ihren derzeitigen Schuldenberg abzubauen.

VoiceStream und Cingular lehnten dem "Wall Street Journal" zufolge einen Kommentar ab. Am Dienstag war von den Unternehmen zunächste noch keine Stellungnahme zu erhalten.

Analysten waren vor unnötiger Eile

Analysten warnten allerdings auch vor einer überhasteten Fusion in den USA, da die derzeitige Verhandlungsposition der Telekom schlecht sei. Nach Angaben aus unternehmensnahen Kreisen sucht die Telekom aktiv nach einer Fusion oder einem Verkauf von VoiceStream im hart umkämpften US-Markt.

"Eine Fusion zwischen VoiceStream und Cingular würde sicherlich Sinn machen", sagte der Fondsmanager Kurt Müller von Commerz Asset Managers. Beide Unternehmen könnten Synergien nutzen, indem sie ein gemeinsames Netzwerk aufbauten. "Cingular wäre der attraktivere Partner als AT&T", sagte Müller. Der Analyst Hannes Wittig von Dresdner Kleinwort Wasserstein sagte, wenn die Telekom bei VoiceStream nur noch ein Minderheitsinvestor sei, werde sie so viel Schulden los, wie sie in das fusionierte Unternehmen einbringen könne. Dies sei natürlich Verhandlungssache. "Ein Verkauf hätte den Nachteil, dass die Telekom die derzeit niedrige Bewertung von Voicestream festschreibt, was schwer zu akzeptieren wäre."

Ilona Hasselbring von der Berenberg Bank zufolge ist ein Zusammenschluss von VoiceStream mit einem anderen Anbieter eine attraktive Möglichkeit. Dies hänge aber stark von den Konditionen des Zuammenschlusses ab. Generell wäre es nach Einschätzung Hasselbrings aber nicht richtig, wenn sich die Telekom komplett von VoiceStream trennen würde, da sie die Tochter derzeit wohl unter Wert verkaufen würde.

Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin erwartet durch eine Trennung von VoiceStream nur eine kurzfristige Verbesserung für die Telekom. Negativ sei, dass das Unternehmen damit seinen gesamten strategischen Vorteil an zwei größere Partner verliere. Zudem fehle der Telekom dann das Wachstum auf Gruppenebene, das nach Ansicht Hallmanns eindeutig aus dem US-Markt kommt. "Übrig bleibt dann eigentlich nur das gesättigte Geschäft." Grundsätzlich sollte die Telekom an VoiceStream festhalten, weil es eine klare Aussage wäre und die Strategie des Konzerns untermauere, sagte Hallmann.

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