Planen mit geographischen Informationssystemen
Software stellt Stadt dreidimensional dar

Ob Stadtplanung, Wohnungssuche oder Baugenehmigung: Geographische Informationssysteme verkürzen Entscheidungsprozesse und machen städtebauliche Projekte auch für Laien plastisch.

DÜSSELDORF. Die städtebauliche Zukunft Münchens - ob mit oder ohne Skyline - ist nicht mehr allein Sache des Abstraktionsvermögens von Stadtplanern und Architekten: Anhand eines dreidimensionalen virtuellen Stadtmodells kann sich nun jeder ein Bild davon machen, wie sich das geplante 146 Meter hohe "Uptown-München-Hochhaus" am Olympiazentrum macht oder wie das Siemens-Bürogebäude die Hofmannstraße verändern wird. Am Monitor lassen sich die Baugebiete schon in einer frühen Planungsphase, in der Modelle unüblich sind, virtuell begehen.

Der Aufwand ist gering: Vorhandene und geplante Grundrissflächen, Abmessungen und Detailinformationen über die Gebäude werden mit topografischen Daten verknüpft und durch ein geographisches Informationssystem (GIS) in eine 3D-Simulation im VRML-Format überführt. Entwickelt wurde diese automatisierte Umsetzung von Geodaten in einem Pilotprojekt der Technischen Universität München und der Sicad Geomatics GmbH & Co. oHG, einer 100-prozentigen Tochter der Siemens Business Services (SBS).

Zwar spielt das Thema GIS in der Forschung schon seit fast 20 Jahren eine Rolle, aber die systematische Verknüpfung vieler Daten zu einer 3D-Visualisierung ist erst durch den Internet-Boom relevant geworden - und mit seinem Ende nicht verschwunden. Im Gegenteil: "Das ist eine Nische im IT-Bereich, die floriert, weil sie sehr anwendungsbezogen und informativ ist", sagt Sicad-Sprecher Robert Klarner. Die Münchener Firma hat bereits Applikationen im Wert von mehr als 500 Mill. Euro verkauft.

Internationale Marktstudien prognostizieren auf diesem Gebiet schnelles Wachstum und beziffern das Gesamtvolumen für Geoinformationsdienste auf 1 Mrd. Dollar. Tendenz steigend. Denn 80 % aller Informationen in Unternehmen und Verwaltungen sind letztlich Geodaten. Diese zu verbinden und nicht nur für Fachleute nutzbar zu machen, ist das Potenzial dieser Technik. Den Markt dominieren die "Big Five": GE Systems Integration, Esri, Intergraph, Autodesk und der Siemens-Ableger Sicad.

"Wenn man zum Beispiel verschiedene Daten wie Flächennutzungspläne, Immobilenpreise, ökologisches Profil einer Region und Verkehrsadern für eine Anwendung verknüpft, lassen sich für die Bewertung eines Baugrundes präzisere Schlüsse als bisher ziehen", erläutert Klarner.

Das System macht sich seit anderthalb Jahren auch die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft mbH (TLG) zu Nutze, die ihren gesamten Immobilienbestand in digitaler Kartenform erfasst hat. Enriko Heyl, GIS-Projektleiter der TLG, erläutert: "Von der Immobilienbewertung auf Basis der Lage und Bodenrichtwertkarten über das Management der Umweltaltlasten bis hin zur Projektentwicklung und Vermarktung bieten die Geodaten alle relevanten Entscheidungsgrundlagen."

Kommunen wie Villingen-Schwenningen nutzen bereits seit zwei Jahren ein Geoinformationssystem, um Planungen und Entscheidungen in technischen Ämtern und Stadtwerken zu beschleunigen. Erfasst sind alle Daten zu Liegenschaften, Abwasserkanälen, Gas-, Wasser- und Stromleitungen. So erkennen Techniker, Planer und Architekten, wo genau welche Leitungen verlaufen und wann sie gewartet werden müssen. In der Stadtverwaltung lobt man Zeitersparnis und reibungslosere Abläufe. Die einheitliche und leicht zugängliche Datensammlung verhindere Doppelarbeiten.

In Esslingen werden Baugenehmigungen durch die erste amtliche Katasterkarte mit rechtssicherer digitaler Signatur schneller erteilt. So klickt sich ein Architekt via Internet Map Service (IMS) auf den ihn interessierenden Ausschnitt der amtlichen Liegenschaftskarte und bestellt diesen per E-Mail. Das Stadtplanungs- und Vermessungsamt signiert den Ausschnitt digital und sendet ihn als PDF-Datei an den Architekten, der nun mit der rechtsverbindlichen Karte planen kann. So werden Geodatensysteme zum wichtigen Werkzeug im E-Government.

Quelle: Handelsblatt

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