Planspiel soll im November starten
Wenn Hacker eine deutsche Großstadt lahmlegen

Der Bankautomat streikt und gibt kein Geld. Wenig später bleiben im Tunnel die U-Bahnen stecken. In einem Teil der Stadt fallen die Ampeln aus. In den Radionachrichten kommen erste Meldungen über die Panik in den Bahnen und die Staus auf den Straßen. Ein paar Stunden später funktionieren die Flugkontrollsysteme nicht mehr. Spätestens jetzt ist für Experten klar, dass es sich um eine gezielte Attacke auf die Computersysteme handelt.

Reuters BERLIN. Ein Planspiel des Unternehmens IABG aus Ottobrunn bei München soll mit Beteiligung der Bundesregierung die möglichen Angriffspunkte auf die Computersysteme einer deutschen Großstadt zeigen.

Die Simulation war lange vor den Anschlägen auf die USA geplant, hat jedoch nach dem 11. September zusätzliche Aktualität erhalten. Derzeit gebe es zwar keine konkreten Hinweise auf eine Gefahr von Hackeranschlägen auf die Infrastruktur in Deutschland, betont das Bundesinnenministerium. "Aber natürlich erhoffen wir uns neue Erkenntnisse über mögliche Schwachstellen", sagt ein Sprecher.

Das Innenministerium ist wie das Verteidigungsministerium an dem Planspiel beteiligt. Dabei sind auch große Unternehmen wie die Deutsche Telekom, Energieversorger und Banken. Das für Deutschland bislang einmalige Projekt soll im November beginnen.

Es gehe um kein Katastrophenszenario, sondern um eine schlichte Managementübung, betont Reinhard Hutter, der die Simulation für die IABG vorbereitet. Was ist, wenn die Mitglieder eines Krisenstabs nicht zusammen kommen können, weil das Verkehrssystem zusammengebrochen ist? Was passiert, wenn die Funksysteme der Rettungskräfte gestört werden? Wo sind die neuralgischen Punkte in der Informationstechnik, durch die Kettenreaktionen ausgelöst werden können? Hat zum Beispiel ein Cyber-Angriff auf die Energieversorgung einer Stadt größere Folgen als auf die Computerprogramme der Banken?

"Es gibt noch keine Anzeichen dafür, dass Sprengstoff durch Angriffe auf die Informationstechnik (IT) ersetzt wird", sagt Hutter. Dennoch: Weite Teile der deutschen Infrastruktur sind computergesteuert und damit potenzielle Ziele von Hackerangriffen. Bei dem Planspiel werden Hutter zufolge Attacken von Außen genauso berücksichtigt wie von Innen, etwa von Angestellten in einem Wasserversorgungsbetrieb. "Innentäter können natürlich auch ein Kabel durchschneiden oder auf ein Signal hin ein bestimmtes Programm starten." Das Planspiel sehe mehrere, zeitlich gestaffelte Angriffe vor, auf die die Mitspieler der Ministerien und Firmen reagieren müssten.

"IT-Sicherheit ist eine Management-Aufgabe", sagt Joachim Weber. Er ist beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als Referatsleiter für Kritische Infrastrukturen zuständig. Der Schutz der Systeme sei nicht allein eine Sache der Informatiker. So sei die Entscheidung, ob eine Virenattacke eine Gefährdung des Landes darstelle , Aufgabe von Politikern.

Das Planspiel sieht Weber als wichtiges Instrument, um zunächst zu zeigen, welche Folgen ein Hackerangriff haben kann. Viele könnten sich das konkrete Risiko gar nicht vorstellen. BSI-Sprecher Michael Dickopf verweist darauf, dass dies keine Hysterie nach den Anschlägen in den USA sei: "Eine Bedrohungslage hatten wir schon immer."

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