Planspiele der Analysten
Tchibo und Beiersdorf: Die beste aller Welten

Die Beiersdorf AG hätte mit einer Mehrheitsaktionärin Tchibo Holding AG nach Angaben von Analysten die besten Zukunftsaussichten. Sollte Tchibo ihre Beteiligung auf 51 Prozent aufstocken und die überschüssigen von der Allianz AG, München, erworbenen Aktien an der Börse platzieren, hätte man "die beste aller Welten".

vwd HAMBURG. Dies sagte Analyst Sven Dopke von M.M.Warburg am Mittwoch. Beiersdorf würde dann als große Publikumsgesellschaft einen wichtigen Wert im Dax darstellen. Dies hätte zur Folge, dass bei Bedarf bessere Möglichkeiten zur Finanzierung am internationalen Kapitalmarkt bestünden.

Die Mehrheitsaktionärin Tchibo würde dem Beiersdorf-Management als strategische Investorin nach Meinung Dopkes die größten Freiheiten bei der Führung des Unternehmen lassen und die permanente Wertsteigerung unterstützen. Dies habe sie auch bislang immer so gehalten. Damit sei die Selbstständigkeit des Unternehmens gewährleistet. Dass Tchibo gut mit Marken umgehen könne, werde täglich bewiesen. Der Analyst geht davon aus, dass Tchibo die Allianz-Anteile kaufen wird.

Die Alternative, dass die Allianz-Beteiligung von 43,6 Prozent an einen Konzern wie L'Oreal, Johnsohn & Johnson, Unilever oder Procter & Gamble geht, hält auch Analystin Petra Meyer von Sal. Oppenheim für unwahrscheinlich. Dieses wäre zum einen die teurere Variante, da den freien Aktionären ein Übernahmeangebot gemacht werden müsste, zum anderen würden sich Tchibo und Beiersdorf seit vielen Jahren kennen.

Da sich Tchibo "erklärtermaßen" nicht von Beiersdorf zurückziehen wolle, stünde einem neuen Großaktionär immer Tchibo als Sperraktionärin gegenüber. Das könnte zu Komplikationen bei Entscheidungsfindungen führen, meint Petra Meyer.

Dopke sieht zudem für Beiersdorf in einem anderen Konzern keine besseren Perspektiven. "Die Bilanz von Beiersdorf strotzt vor Kraft, der Konsumgüterproduzent muss sich nicht an ein anderes Unternehmen anlehnen", sagte er. Außerdem hätten Käufer aus dem Bereich der Mitbewerber wahrscheinlich andere Vorstellungen über die Führung von Beiersdorf und es stelle sich die Frage, wie eine Nivea-Strategie in einen Großkonzern passe, der noch viele andere Marken und Geschäftsfelder habe. Die Existenz der selbstständigen Beiersdorf sei dann verloren, prognostizierte der Analyst.

Zudem stünden viele Arbeitsplätze zur Disposition. "Es wäre ein Jammer, wenn so ein starkes Unternehmen wie Beiersdorf unnötigerweise zum Fraß vorgeworfen wird", sagte Dopke. Auch viele Stimmen im Markt sehen aus diesen Gründen in Tchibo den geeigneten Partner für Beiersdorf. Beide Analysten gehen davon aus, dass sich die Allianz noch im Verlauf des Jahres von ihren Aktien trennen wird.

Auch wenn es unwahrscheinlich sei, dass gleich nach der Bundestagswahl das Übernahmegesetz geändert werde, dass dem Versicherungskonzern derzeit noch die steuerfreie Veräußerung der Beteiligung ermöglicht. Dopke geht davon aus, dass das Management der Versicherung bei den Verhandlungen nicht "kleinkrämerisch" denkt und um den den letzten Euro pokert. Schließlich gehe es hier um strategisches Handeln. "Wenn die Allianz den Verkauf der Beiersdorf-Anteile richtig macht, eröffnen sich dem Unternehmen gute Wege für die geplanten weiteren Desinvestments", sagte Dopke. Aus diesem Grund sei er hoffnungsvoll, dass die Tchibo-Lösung - mit einer knappen, aber soliden Mehrheit an Beiersdorf - kommt.

Beide Analysten halten es für unwahrscheinlich, dass das Beiersdorf-Management im Falle einer Mehrheitsübernahme durch die Tchibo-Eignerfamilie Herz geschlossen mit Rücktritt gedroht habe. Diese Spekulation war am Mittwoch einem Bericht der "Börsenzeitung" zu entnehmen. Beiersdorf-Sprecher Klaus Peter Nebel kommentierte diesen Passus mit den Worten: "Das ist absoluter Quatsch".

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