Planung statt Offensive
Karel Brückner gibt Taktik-Lehrstunde

Der nächste Spielzug des tschechischen Trainers könnte die Griechen Schachmatt setzen. Jetzt ist es auch bis zu den bisher ungläubig dreinschauenden Tschechen durchgedrungen, dass sie sich berechtigt Hoffnungen auf den zweiten EM-Titel nach 1976 machen können. "Jetzt wollen wir ins Finale und auch dieses Spiel gewinnen", sagte Milan Baros, der mit seiner Leistung in nur drei Minuten den dänischen Traum vom Halbfinale begrub.

HB PORTO. Dem in Galaform auftrumpfenden Liverpooler Stürmer ist seine grandiose Ausbeute selbst nicht ganz geheuer, zumal er lange verletzt war und vor der EM nur wenig Spielpraxis sammelte. "Wenn mir einer gesagt hätte, dass ich bis zum Viertelfinale fünf Tore schieße, ich hätte es nicht geglaubt." Dabei gibt es eine simple Erklärung. Seit Baros blaue (statt silberne) Fußballschuhe trägt, erleben die Gegner ihr blaues Wunder. Er trifft wie er will. Neun Mal in den letzten sieben Spielen. "Wir sollten die Schuhe in einen Tresor schließen, damit sie nicht wegkommen", scherzte Tomas Rosicky.

Doch vermutlich würde Baros auch barfuß treffen. Denn 21 Tore in 29 Länderspielen sind eine unglaubliche Quote. Dabei verblüfft vor allem die Kaltschnäuzigkeit des 22-Jährigen. Beim 2:0 lupfte er den Ball nach toller Vorarbeit des starken Karel Poborsky gefühlvoll über den herausstürzenden Dänen-Keeper Thomas Sörensen. Wenig später drosch er die Silberkugel aus gut 20 Metern wuchtig in die Maschen. Der bereits in allen drei Gruppenspielen erfolgreiche Baros gehört schon jetzt zu den besten EM-Torjägern aller Zeiten. Nur der legendäre Michel Platini war 1984 - zumindest vorläufig - besser, als er Gastgeber Frankreich mit neun Toren zum Titel schoss. Wie Baros fünf Mal ins Schwarze bei einem Turnier trafen nur der Niederländer Marco van Basten (1988), der Engländer Alan Shearer (1996) sowie der Niederländer Patrick Kluivert und der Jugoslawe Savo Milosevic (beide 2000). Doch der persönliche Erfolg ist Baros gar nicht so wichtig: "Wer die Tore schießt, ist doch egal. Hauptsache, das Team ist weiter."

Im Halbfinale treffen die Ballkünstler am Donnerstag im Estadio Dragao auf die von Otto Rehhagel trainierte Überraschungself aus Griechenland. Nicht nur der deutsche Coach sieht sein Team trotz des Sieges über Titelverteidiger Frankreich allenfalls als Außenseiter. "Die Tschechen sind eine ganz große Nummer und klarer Favorit. Aber wir wollen ihnen einen großen Kampf liefern", versprach Rehhagel.

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