Planzahlen für 2002 nach unten revidiert
Gewinneinbruch bei Aixtron stärker als befürchtet

Die schwache Konjunktur schlägt sich auf Auftragslage der Technologiefirma nieder. Das Investitionsverhalten der Kunden weltweit sei sehr vorsichtig, teilte Aixtron am Mittwochabend mit.

vwd DÜSSELDORF. Der Aachener Anlagenhersteller für die Halbleiterindustrie senkte seine Prognosen für den Jahresumsatz um knapp ein Viertel auf 160 Mill. Euro und für den Jahresüberschuss um fast ein Drittel auf 20 Mill. Euro. Das Betriebsergebnis im zweiten Quartal brach auf 4,2 (14,2) Mill. Euro ein, die von vwd befragten Analysten hatten im Durchschnitt mit 9,6 Mill. Euro mehr als das Doppelte erwartet. Nach einem weiteren Absturz erholte sich die Aktie am Donnerstagvormittag wieder etwas.

Die Gewinnwarnung begründete Aixtron damit, dass ihre Kunden vorsichtiger investierten und die Auslieferung von Anlagen ins Jahr 2003 hinausgezögert hätten. Diese Entwicklung habe sich erst in den vergangenen Wochen abgezeichnet, sagte ein Sprecher auf Anfrage von vwd. Der Auftragseingang für MOCVD-Anlagen fiel im zweiten Quartal auf 26,1 (50,1) Mill. Euro, während der Auftragsbestand zum 30. Juni auf 110,3 (160,7) Mill. Euro zurückging. Im Einzelnen erwartet das im Nemax-50 notierte Unternehmen für das Gesamtjahr 2002 einen Umsatz von nur noch 160 (Vorjahr: 240,1) Mill. Euro. Noch im Mai hatte die Umsatzprognose bei 210 Mill. Euro gelegen.

Der Jahresüberschuss wird jetzt bei 20,0 (33,6) Mill. Euro gesehen, während bisher unter dem Strich mit 29 Mill. Euro geplant worden war. Für das Vorsteuerergebnis werden 32,8 Mio (57,7) Mill. Euro, für die Umsatzrendite nach Steuern 13 (14) Prozent angepeilt. Trotz der gegenwärtigen konjunkturellen Bedingungen bleibe Aixtron für die kommenden Jahre optimistisch, erklärte der neue Vorstandsvorsitzende Paul Hyland. Er betonte, dass das Unternehmen seinen Weltmarktanteil im vergangenen Jahr um 1,0 auf 58 Prozent ausgebaut habe. Diese Tendenz habe im ersten Halbjahr 2002 angehalten, fügte der Sprecher hinzu.

Die Profitabilität des Unternehmens nannte der Sprecher "erfreulich". Im Übrigen habe Aixtron eine solide Bilanz vorzuweisen und sei nicht durch Bankschulden belastet. Gleichwohl lag das Unternehmen im zweiten Quartal bei allen Kennziffern erheblich unter den Schätzungen der Analysten und noch deutlicher unter den entsprechenden Werten der Vorjahreszeit. So sank der Umsatz auf 36,1 (58,9) Mill. Euro, die Experten hatten im Durchschnitt mit 48,2 Mill. Euro gerechnet. Auch das Nettoergebnis betrug mit 3,0 (7,8) Mill. Euro weniger als die Hälfte des Konsensus, der bei 6,3 Mill. Euro gelegen hatte.

Kein einziger Analyst war auf solche Einbußen vorbereitet. Auf ein entsprechend negatives Echo stießen denn auch die Quartalszahlen: Die Gewinnwarnung sei trotz der schwachen Konjunktur überraschend gekommen, zumal Aixtron die bisherigen Prognosen noch im Mai bestätigt habe, sagte ein Experte. "Wenn die Schätzungen der Analysten und die tatsächlichen Ergebnisse so weit auseinanderliegen, kann mit der Kommuniktion von Unternehmen und Kapitalmarkt etwas nicht hingehauen haben", so der Analyst. Er sei überrascht, dass die Aktie am Donnerstag keine stärkeren Kursverluste verbucht habe.

Als "sehr unerfreulich" bezeichnete auch Ronald Reepel von Independent Research die Quartalszahlen. Aixtron habe die Prognosen deutlich verfehlt. Auch die deutliche Reduktion der Jahresprognosen sei in dieser Höhe nicht erwartet worden. Es werde nun deutlich, dass Aixtron vom Konjunkturverlauf wesentlich abhängiger sei als lange Zeit geglaubt. Das Votum "Marktneutral" werde dennoch beibehalten. Nach dem deutlichen Kursverlust der jüngsten Vergangenheit sei der Titel auf dem aktuellen Niveau fair bewertet.

Nach Bekanntgabe der Zahlen stürzte die Aktie des im Nemax-50 notierten Unternehmens zunächst um einen EUR auf 5,30 Euro ab, erholte sich am Donnerstagvormittag aber wieder etwas. Bis 12.15 Uhr sank der Kurs gegenüber dem Vortagesschluss in einem wenig veränderten Umfeld um knapp ein Prozent auf 6,17 Euro. Anfang Januar allerdings hatte das Papier noch bei über 30 Euro notiert.

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