Plattner sieht sich gegen Microsoft und Navision gut gerüstet
SAP lässt Andersen fallen

Der Walldorfer Softwarekonzern SAP hat seinen Abschlussprüfer Andersen fallen gelassen und setzt künftig auf den Branchenführer KPMG.

rtr MANNHEIM. SAP-Aufsichtsratschef Dietmar Hopp sagte am Freitag auf der Hauptversammlung in Mannheim, das Aufsichtsgremium habe seinen ursprünglichen Vorschlag kurzfristig revidiert, nachdem sich der Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen in Deutschland gegen eine Fusion mit KPMG entschieden hatte. Andersen verliert damit den einzigen Kunden unter den 30 größten deutschen Unternehmen. Vorstandssprecher Hasso Plattner versuchte indes Befürchtungen einer verstärkten Konkurrenz nach einer bevorstehende Übernahme der dänischen Softwarefirma Navision durch Microsoft zu dämpfen. Auf konjunkturelle Impulse muss Europas größter Softwarekonzern nach eigener Einschätzung bis weit ins zweite Halbjahr hinein verzichten.

Andersen hatte die Konzernabschlüsse von SAP seit sieben Jahren geprüft. Nachdem Andersen nach dem Prüfungsskandal um den US-Energieriesen Enron angeklagt wurde, hatte sich SAP trotz der Kritik von Kleinaktionären zunächst noch hinter seinen Wirtschaftsprüfer gestellt. Hopp sagte nun, der internationale Verbund des Prüfungskonzerns sei stärker zersplittert worden als erwartet. Andersen Deutschland hat sich für eine Fusion mit der Stuttgarter Ernst & Young entschieden und sich eigentlich mehr Mandate unter Großunternehmen erhofft. Aktionäre kritisierten die Wahl von KPMG, die als Prüfer nach Bilanzbetrügereien bei Flowtex und wohl auch bei Comroad in die Schlagzeilen geraten war. Dennoch erhielt der Vorschlag erwartungsgemäß mit 99,3 % breite Zustimmung in der Hauptversammlung. KPMG prüft die meisten Dax-Firmen.

SAP sieht sich gegen Microsoft und Navision gut gerüstet

Plattner spielte die an der Börse kursierenden Befürchtungen herunter, der US-Softwareriese Microsoft könnte SAP mit Navision Marktanteile bei kleineren und mittleren Firmen abjagen. "Wir sind gut gerüstet", sagte Plattner. SAP hatte den Mittelstand erst kürzlich als neue Zielgruppe entdeckt. Der Aktienkurs war am Donnerstag nach Bekanntwerden der Microsoft-Pläne um nahezu sieben Prozent gefallen. Am Freitag setzte die Aktie im frühen Handel den Abwärtstrend zunächst fort und fiel mit 129,72 ? auf ein neuerliches Jahrestief, erholte sich aber, nachdem SAP seine Erwartungen bekräftigt hatte. Am Nachmittag notierte das Papier 0,6 % im Minus bei 133,20 ?.

Microsoft zeige mit der Übernahme zwar seinen Willen, alle Bereiche betriebswirtschaftlicher Planungssoftware abzudecken, sagte Plattner. "Für unsere Entwickler ist das ein Ansporn." Er zweifele jedoch daran, dass der US-Softwarekonzern den Markt für Planungssoftware ausreichend kenne und die Produkte von Navision mit anderen Microsoft-Produkten zusammenpassten. Microsoft hatte vor kurzem erst den US-Anbister Great Plains übernommen. "Wir nehmen das sehr ernst, ohne vor dem Riesen Microsoft Angst zu haben", fasste Plattner zusammen.

Commerce One soll 2003 die Gewinwende schaffen

Kritik übten die Aktionäre am Einstieg bei Commerce One , wo der 20-Prozent-Eigentümer SAP im vergangenen Jahr 162 Mill. ? Verluste und Abschreibungen mittragen musste. Der US-Internetsoftwareanbieter sei ein "Fehleinkauf" gewesen, sagte ein Anteilseigner. Finanzchef Werner Brandt sagte, SAP hoffe bis Ende des nächsten Jahres dort auf die Gewinnwende.

Software-Umsätze ziehen erst mit Verzögerung an

Auf seinem Weg, seine Umsatz- und Ertragsziele zu erreichen, kann SAP nach den Worten von Vorstandssprecher Henning Kagermann zunächst nicht auf einen Konjunkturaufschwung bauen. 2002 werde erneut ein "herausforderndes Jahr". Zwar erwarte SAP im zweiten Halbjahr eine weltweite Erholung, doch zögen die Erlöse aus den lukrativen Softwarelizenzen gewöhnlich erst mit einigen Monaten Verzögerung an, sagte er vor 5500 Aktionären. Unabhängig davon seien die Lizenzumsätze in der zweiten Jahreshälfte stets höher als in der ersten. Daher halte SAP an dem Plan fest, den Umsatz um rund 15 % auszubauen. Dies wären über 8,4 (2001: 7,34) Mrd. ?.

Niedrigere Kosten sollten die um Aktienoptionsprogramme und um Akquisitionskosten bereinigte operative Gewinnmarge bis Ende des Jahres auf mindestens 21 (20) Prozent steigen lassen. In den ersten drei Monaten hatte die Rendite bei 14 % gelegen.

Trotz der Kritik einiger Kleinaktionäre an der Berufung von August-Wilhelm Scheer, des Gründers der IDS Scheer AG, wurde auch der SAP-Aufsichtsrat mit knapp 98 % der Stimmen gewählt. Scheer sei von SAP abhängig, da der Walldorfer Konzern fünf Prozent an seinem Unternehmen halte, hatten Aktionäre seiner Berufung entgegengehalten.

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