Platz des Himmlischen Friedens
Der fast perfekt bewachte Platz

Die Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte in Peking gilt dem Platz des Himmlischen Friedens fast mehr als dem Olympiagelände. Doch ganz haben sie den symbolträchtigen Ort im Herzen der Hauptstadt nicht im Griff.

Er wurde festgenommen, stundenlang verhört und dann ausgewiesen. Dennoch wertete David Demes seine Aktion als Erfolg: „Ich würde es jederzeit wieder tun“, sagte der 21-jährige Tibet-Aktivist nach seiner Ankunft am Frankfurter Flughafen. Mit drei weiteren Mitgliedern des Netzwerks Students For a Free Tibet hatte sich Demes auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen) in Peking mit roter Farbe beschmiert und eingehüllt in eine tibetische Flagge wie sterbend auf den Boden gelegt. Nach etwa zehn Minuten führten Zivilpolizisten die Demonstranten ab.

Ein Wunder, dass es überhaupt so lange gedauert hat. Denn der Tiananmen ist momentan bevölkert von chinesischen Polizisten. Die jungen Beamten wirken wie die Ameisen-Soldaten aus „Biene Maya“. Jeweils zu dritt laufen sie im Gleichschritt hintereinander her zwischen den Touristen hindurch über die riesige Fläche. Die Bewegungen der Bewaffneten Volkspolizei wirken trotz aller Mühe nicht ganz so militärisch-zackig wie offenbar erwünscht. Streng und stolz gucken sie aus ihren grünen Uniformen. Auf dem Platz sind auch Gruppen blau gekleideter Beamte unterwegs – die normale Schutzpolizei. Sie wirken lockerer. Beide Sorten von Polizisten verständigen sich manchmal mit Chinesen ohne Uniform – mit Knopf im Ohr und handelsüblicher Sony-Videokamera. Offenbar Zivilpolizisten, die den Platz ebenfalls im Auge behalten.

Die Aufmerksamkeit der städtischen Sicherheit gilt dem Platz des Himmlischen Friedens fast mehr als dem Olympiagelände. Die Beamten achten hier nicht in erster Linie auf mögliche Sprengstoffattentäter, sondern auf politische Botschaften. Trotz der lückenlosen Gepäcküberwachung an allen Zugängen ist es Demonstranten neben der Aktion der Studenten mehrfach gelungen, Transparente zu entrollen. Auch US-Demonstranten versuchten kürzlich eine Aktion. In diesem Fall war die Polizei jedoch schneller.

Gelingt ein Protest, ist die Wirkung in der Öffentlichkeit garantiert. Der Platz ist voll mit Zehntausenden, manchmal Hundertausenden chinesischer Touristen. Allein die Schlange am Mao-Mausoleum in seiner Mitte ist zweireihig einen knappen Kilometer lang. Die Menschen erfahren aus den staatlich kontrollierten Medien normalerweise nichts von Protesten. Wer einen Effekt erzielen will, protestiert also an diesem symbolträchtigen Ort. Derzeit wagen dies nur Demonstranten aus dem Ausland – nach bisheriger Erfahrung werden sie nach ihrer Festnahme am gleichen Tag in ein Flugzeug gesetzt. Chinesen würden wahrscheinlich an einem unbekannten Ort dauerhaft eingesperrt werden.

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