Platz eins beim Rating für nachhaltiges Wirtschaften
Henkel erntet Lob von Umweltschützern

Die Henkel KGaA ist in Europas Chemiebranche die Nummer eins bei nachhaltigem Wirtschaften. Dieses Prädikat verlieh die Ratingagentur Oekom Research AG dem Düsseldorfer Konzern pünktlich zum gestrigen Erscheinen ihres auf zehn Jahre angelegten Nachhaltigkeitsberichts. Henkel führt vor BASF, Bayer und Merck KGaA.

BERLIN. In der Chemiebranche sei es noch ein weiter Weg bis zur umweltfreundlichen Umgestaltung aller Produkte, urteilt Oekom-Analyst Andreas Stefferl. "Henkel ist die Ausnahme, weil Umweltaspekte überzeugend in ein Großteil der Produkte integriert sind", lobt er. Zudem habe der Konzern ein sehr gutes Umweltmanagement.

"Nachhaltige Produkte gibt es nicht, sondern nur unterschiedlich schädliche. Unsere Produkte sollen weniger schädlich sein als die der Wettbewerber", sagt Henkel-Chef Ulrich Lehner dem Handelsblatt. Ein Beispiel ist das 1983 eingeführte erste phosphatfreie Waschmittel von Henkel, das die Umweltorganisation WWF als "Meilenstein der Produktentwicklung" bezeichnete. Nachhaltiges Wirtschaften sei entscheidend für die Zukunft der Unternehmen, sagt Lehner. Es sichere deren Lebensfähigkeit.

Henkel setzt mit Produkten wie Waschmitteln, Körperpflegeartikeln und Klebstoffen jährlich 13 Mrd. Euro um. Ohne umweltorientierte Neuerungen könnte der Konzern manche Produkte nicht mehr verkaufen, schildert Lehner. "Dann hätten wir nicht unsere Marktstellung. Der Klebestift Pritt etwa wird gekauft, weil er lösemittelfrei ist."

Nachhaltigkeit verstärke die Position im weltweiten Wettbewerb um Kunden und Mitarbeiter, erläutert der Henkel-Chef. Das verbessere auch die Gewinne. Zudem brächten gute Ratings bei so genannten Nachhaltigkeitsfonds auf den Kapitalmärkten Vorteile, weil neue Anleger gewonnen würden.

Henkel verschrieb sich im Jahr 1991 der Nachhaltigkeit und gab das Ziel des "Öko-Leadership" vor. Dies sollen alle 45 750 Mitarbeiter "leben", formuliert Lehner. Sämtliche Standorte arbeiten nach einheitlichen Standards für Sicherheit, Gesundheit und Umwelt, die strenger als die Iso-Normen sind.

Mehrfach erhielt Henkel Preise für sein Konzept: Im August 2001 wurde der Konzern zum "Sustainability Leader" der Konsumgüterbranche im Dow Jones Sustainability Group Index ernannt. Umweltschützer halten das Lob für gerechtfertigt: "Wir sind sehr zufrieden mit der Art der Produkte und der Produktion", erklärt Bernhard Bauske vom WWF.

Trotzdem gibt es bei Henkel noch viel zu tun, denn der Nachhaltigkeitsbericht zeigt auch Schwächen. So stiegen voriges Jahr trotz stabiler Produktion Energiebedarf, Kohlendioxid-Ausstoß, Abfälle und Emissionen in Gewässer. Henkel nennt Ziele - Kosmetik- und Körperpflegemittel sollen möglichst aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden -, vermeidet aber konkrete Zeitvorgaben. Laut Lehner soll diese Ausrichtung "kurzfristig" geschehen.

Nachhaltigkeit bedeutet soziale Verantwortung

Nachhaltigkeit müsse umfassend betrachtet werden, erläutert Oekom-Analyst Stefferl - das zeige sich beim Thema nachwachsende Rohstoffe deutlich. Henkel sei beim Einsatz solcher Stoffe weiter als die Branche. "Andererseits fördert dieses Vorgehen die konventionelle Landwirtschaft, die überhaupt nicht nachhaltig ist. Man muss Nachhaltigkeit daher integriert sehen", sagt er. Auch Bernhard Bauske vom WWF fordert, "für Palmplantagen keine Urwälder zu zerstören und die Plantagen nachhaltig zu bewirtschaften."

Henkel müsste demnach Zulieferer verpflichten, von den Herstellern von Palmkern- und Kokosöl nachhaltigen Anbau zu verlangen. "So konkreten und direkten Druck üben wir nicht aus", räumt Lehner ein. "Für die wichtigsten Produkte werden wir die vorgelagerten Stufen auf Nachhaltigkeit prüfen", verspricht er. "Im Zweifel wählen wir den nachhaltigeren Zulieferer."

Nachhaltigkeit bedeutet auch soziale Verantwortung. "Es ist ein Defizit, dass Henkel keine konzernweiten Sozialstandards hat und in Ländern mit schlechten sozialen Standards aktiv ist", bemängelt Stefferl. Der Vorstand scheint sich dessen bewusst und sagt zu, das Umweltmanagement zum Nachhaltigkeits-Management auszuweiten.

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