Platz in den Fußball-Annalen sicher
Für immer ein Fußball-Held

Der deutsche Fußball trauert um einen seiner Helden von 1954: Helmut Rahn ist tot. Mit seinem legendären WM- Siegtor avancierte der "Boss" neben Fritz Walter und Trainer Sepp Herberger zu einem der Väter des "Wunders von Bern". Er starb in der vergangenen Nacht nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 73 Jahren in seiner Wohnung in Essen.

sid/dpa/rtr ESSEN. "Er war und bleibt eine der letzten Legenden des deutschen Fußballs", sagte "Kaiser" Franz Beckenbauer und sprach vielen Fußball-Fans aus der Seele: "Fußball damals war eigentlich die Achse Sepp Herberger, Fritz Walter und Helmut Rahn. Der Boss hat zum wichtigsten Erfolg der deutschen Fußball-Geschichte beigetragen. Plötzlich war Deutschland wieder wer. Wir haben durch diesen Erfolg für ein ganzes Land wieder Selbstwertgefühl bekommen."

Durch seinen Linksschuss zum 3:2 über Ungarn sicherte Rahn sich einen Platz in den Fußball-Annalen. Legendär ist der damalige Kommentar des Radioreporters Herbert Zimmermann zum Siegtreffer: "Schäfer flankt nach innen - Kopfball - abgewehrt - aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen - Rahn schießt - Toooor!!! Toooor!!! Toooor!!!! Toooor!!!", schrie Zimmermann ins Mikrofon. Sein Leben lang war Rahn, auch "Der Boss" genannt, immer wieder auf diesen Treffer angesprochen worden. "Helmut - erzähl mich dat Tor" - der Spruch eines Ruhrpott-Kumpels wurde zum geflügelten Wort. Dieser Treffer und sein Schütze stehen auch im Mittelpunkt des Spielfilms Der Ruhm brachte ihn zeitweilig so sehr aus dem Tritt, dass er 1957 wegen eines Alkoholdeliktes ins Gefängnis musste. "Das Wunder von Bern" des deutschen Film-Regisseurs Sönke Wortmann, der ausgerechnet am Mittwochabend in Frankfurt wenige Stunden vor Rahns Tod eine Voraufführung erlebte. Rahn zu Ehren werde die deutsche Nationalelf beim Freundschaftsspiel gegen Italien am nächsten Mittwoch in Stuttgart Trauerbinden tragen, teilte der DFB mit.

Rahn lebte mit der Familie zurückgezogen

Nach dem Tod Rahns leben noch drei Weltmeister von 1954: Horst Eckel, Ottmar Walter und Hans Schäfer. Eckel und Walter erhielten die traurige Nachricht auf dem Weg zur Stätte des WM-Triumphes. Die beiden Kaiserslauterer waren unterwegs nach Spiez am Thuner See, wo die Nationalmannschaft während der WM ihr Quartier bezogen hatte. Ottmar Walter, dessen Bruder Fritz am 17. Juni 2002 gestorben war, sagte: "Helmut war für mich während unserer aktiven Zeit immer ein echter Freund. Er war die Stimmungskanone in unserer Mannschaft und hat es verstanden, uns auch nach Niederlagen mit seiner launigen Art aufzurichten."

Ihr Mannschaftskollege Helmut Rahn, der am Samstag seinen 74. Geburtstag gefeiert hätte, war längst von der öffentlichen Bühne zurückgetreten. Er lebte geradezu scheu und ohne jeden Kontakt zur Sportszene immer noch in einem Mehrfamilienhaus in Essen. Er war längst Rentner, nachdem der gelernte Elektriker zuvor jahrelang zusammen mit seinem Bruder einen Autohandel betrieben hatte. Seine Frau Gerti und die beiden Söhne und Diplom-Ingenieure Uwe und Klaus schirmten ihn weitgehend ab.

Unter Herberger ging Rahns Stern auf

Der am 16. August 1929 geborene Rahn startete seine Fußball-Karriere 1948 beim Landesliga-Club Oelde 09. Über die Sportfreunde Katernberg kam er 1950 zu Rot-Weiß Essen. In die Schlagzeilen geriet der "Boss" (40 Länderspiele, 21 Tore) erstmals 1951 durch den Wechsel von Katernberg zum Nachbarn RWE. Für die Ablösesumme von 7 000 Mark kauften sich die Katernberger eine Sichtblende, die prompt den Namen "Helmut-Rahn-Zaun" erhielt. Schalkes Fritz Szepan war zu spät gekommen, um sich die Dienste des Torjägers zu sichern. Schneller war ein gewisser Georg Melches, der Rahn an die Essener Hafenstraße lockte.

1953 wurde Helmut Rahn mit Rot-Weiß Essen durch einen 2:1-Erfolg gegen Alemannia Aachen deutscher Pokalsieger. Danach ging sein Stern erst richtig auf. Bundestrainer Sepp Herberger machte den unkomplizierten und äußerst lebenslustigen Essener, der auf dem Fußballplatz und außerhalb für Kapriolen sorgte, zu seinem Ziehsohn. Dabei übersah "Chef" Herberger großzügig auch so manche Eskapade seines Torjägers.

Achillessehnenprobleme beendeten 1964 die Karriere

Rahns denkwürdigster Auftritt als Fußballer war zweifellos das WM-Finale am 7. Juli 1954 gegen Ungarn. Deutschland lag 0:2 zurück, dem Nürnberger Max Morlock gelang auf Vorlage Rahn der Anschlusstreffer zum 1:2. Der Essener selbst erzielte danach nicht nur den Ausgleich, sondern sechs Minuten vor Schluss auch das Siegtor zum 3:2-Endstand.

Auch bei der Weltmeisterschaft 1958 in Schweden war Rahn noch dabei. Von Essen aus zog es ihn nach dem Gewinn des deutschen Meistertitels 1955 ins benachbarte Holland nach Enschede. Im Dezember 1964 beendete Rahn seine Karriere nach einer Achillessehnenoperation nach 260 Oberliga-Spielen und 20 Einsätzen in der damals noch jungen Bundesliga - beim MSV Duisburg.

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